Es ist eine Frage, die immer wieder diskutiert wird: Was darf Satire? Auch auf der Website der NDR-Satiresendung »Extra 3« ist das Thema: »Provokation, Überspitzung, Polemik, Tabubruch … Wo ist die Grenze?«, heißt es dort.
In der grönländischen Hauptstadt Nuuk dürfte man dieser Grenze mindestens nahegekommen sein.
Was ist passiert? Nun ja, man könnte sagen, »Extra 3« ist passiert: Ein Team um den Satiriker Maxi Schafroth, 41, reiste nach Grönland, offensichtlich, um die derzeitigen Spannungen mit den Vereinigten Staaten zu thematisieren. Schafroth brachte eine US-Flagge mit und versuchte, so berichten Augenzeugen in den sozialen Netzwerken, sie vor dem Kulturzentrum in Nuuk zu hissen. Auf einem Video ist zu sehen, wie mutmaßliche Mitarbeiter des Kulturzentrums ihn aufhalten.
Laut der Grönländerin Orla Joelsen, die das Video teilte, soll Schafroth vorgegeben haben, ein Vertreter der US-Regierung zu sein. »Schäm dich!«, schrieb sie dazu, »wenn du unsere Werte nicht respektierst, warum bist du dann in Nuuk?«. Demnach sei die Polizei eingeschaltet worden. Zuerst berichtete das Portal t-online.de .
It was a German comedian — from the German satirical television show Extra 3 — who was attempting to be humorous by posing as a representative of the US government.
— Orla Joelsen (@OJoelsen) January 29, 2026
He has been reported to the police.
It has sparked heated emotions on Facebook, here in Greenland.
Shame on… https://t.co/mOSuvukhUz
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Der NDR bestätigte den Vorfall auf SPIEGEL-Anfrage. Demnach habe die Satireredaktion von »Extra 3« in Nuuk am Dienstag und Mittwoch einen satirischen Film gedreht. »Dabei hat ein Mitglied des Teams vorgegeben, eine US-Flagge auf einem öffentlichen Platz hissen zu wollen. Dafür wurde vor Ort ein Bußgeld verhängt.«
In der Stellungnahme geht die Rundfunkanstalt auch auf den Vorwurf ein, die grönländischen Werte nicht zu respektieren. Das weltweit diskutierte Vorgehen der USA sei Anlass gewesen, heißt es weiter, »zu keinem Zeitpunkt sollte während des Drehs der Eindruck entstehen, Ziel der Satire seien Grönländerinnen und Grönländer«. Die Redaktion bedauere gegenüber den Menschen in Grönland, sollte dieser Eindruck entstanden sein, heißt es weiter.
Trumps Drohungen, Trumps Kehrtwende
Die Reaktionen auf den Vorfall zeigen, wie belastend die Situation für viele Grönländerinnen und Grönländer sein dürfte. Monatelang drohte US-Präsident Donald Trump damit, zur Not auch mit militärischen Mitteln die Kontrolle über das autonome Territorium Dänemarks zu übernehmen.
Beobachterinnen und Beobachter zeichneten sogar ein Szenario, in dem der Streit um Grönland das faktische Ende der Nato bedeuten könnte. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos deutete Trump dann aber eine Kehrtwende an. Was über einen Grönland-»Deal« bekannt ist, mit dem Trump prahlt, lesen Sie hier .
