Ameisenartige Figürchen durchqueren eine wunderschöne, friedliche Naturlandschaft und lösen gemeinsam Rätsel: Das Online-Koop-Spiel »Big Walk« ist einer der Überraschungshits des Jahres, mit einem beachtlichen Metacritic-Score von 91 von 100 maximal Punkten . Manche preisen das Indie-Game des australischen Studios House House sogar als »Game of the Year«-Kandidat, als mögliches »Spiel des Jahres« in Jahresend-Hitlisten und bei Award-Veranstaltungen.
»Big Walk« erschien auch für Steam und für Switch 2. Entscheidend für Erfolg war aber wohl auch, dass Sony die Playstation-5-Version des Spiels allen Abonnenten seines Dienstes Playstation Plus ohne Aufpreis zur Verfügung stellte, direkt zum Start. Dadurch erreichte »Big Walk« viele Gamer, die sonst eher wenig Interesse an grafisch einfachen Indie-Titeln haben.
Für die Xbox-Series-Konsolen von Microsoft kam »Big Walk« derweil nicht heraus – was Fragen aufwarf. So rätselten Reddit-User, ob sich Sony eine Art Exklusivdeal gesichert haben könnte, oder ob House House einfach so wenig Verkäufe auf der Xbox erwartet, dass es eine Umsetzung gleich sein ließ.
So positioniert sich House House
Diesen Donnerstag, gut zweieinhalb Monate nach dem Release ihres Spiels, bezogen die »Big Walk«-Macher nun Stellung dazu, warum sie der Xbox fernbleiben. In einem Posting erklärt das Indie-Studio, es habe seine Entscheidung »in Übereinstimmung mit dem Aufruf der von Palästinensern geführten BDS-Bewegung zum Boykott von Microsoft« getroffen. Xbox sei von der Bewegung als ein vorrangiges Boykottziel eingestuft worden.
An explanation on why Big Walk isn't available on Xbox.https://t.co/XYv772bLej pic.twitter.com/R0jGds8dRv
— House House (@house_house_) October 15, 2026
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»Wir würden uns sehr freuen, wenn Menschen das Spiel auf der Xbox spielen könnten«, schreibt das Studio weiter, »jedoch erst dann, wenn Microsoft und/oder Xbox nicht mehr als BDS-Boykottziele gelten.« Man habe die Entscheidung gegen eine Veröffentlichung in der Überzeugung getroffen, »dass in der Welt bedeutende Veränderungen bewirkt werden können«, heißt es, »und dass koordiniertes kollektives Handeln selbst den mächtigsten Interessen die Stirn bieten kann, und dass Palästina eines Tages frei sein wird.«
Szene aus »Big Walk«: Im Spiel hantiert man mit Ferngläsern, Funkgeräten und Leuchtraketen
Foto: House HouseEin ungewöhnlicher Vorstoß
Für eine Spielefirma ist ein so klarer Bezug zur BDS-Kampagne ungewöhnlich. Die Abkürzung BDS steht für »Boycott, Divestment and Sanctions«, dahinter verbirgt sich eine Kampagne, die ursprünglich von Palästinensern gestartet wurde und inzwischen international viele Anhänger hat. Sie verfolgt das Ziel, Israel politisch, wirtschaftlich und kulturell international zu isolieren und durch Druck bestimmte politische Forderungen durchzusetzen. Ihre Aktionen richten sich unter anderem gegen den Kauf von israelischen Waren und die Zusammenarbeit mit israelischen Institutionen in Kultur, Wissenschaft und Sport. Doch auch Unternehmen, die in Israel aktiv sind oder dem israelischen Staat ihre Technologie zur Verfügung stellen, werden öffentlich angegangen.
Die BDS-Kampagne wirft Microsoft vor, »vielleicht« das Technologieunternehmen zu sein, das am stärksten an, so die BDS-Darstellung, »Israels illegalem Apartheidregime und dem anhaltenden Völkermord« im Gazastreifen »mitschuldig« sei. BDS bezeichnet Microsoft als »vorrangiges Ziel«. Die Kampagne ruft zum Beispiel dazu auf, Xbox-Onlineabos zu kündigen, keine Xbox-Hardware zu kaufen und keine eigenen Spiele in Microsofts Onlinestores zu verkaufen.
Teile der BDS-Bewegung bestreiten das Existenzrecht Israels. In Deutschland wurde 2024 bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die BDS-Bewegung als extremistischen Verdachtsfall eingestuft hat. 2019 verurteilte der Deutsche Bundestag die Bewegung mit dem Antrag »BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen«. Für den Antrag gestimmt hatten die Fraktionen der CDU/CSU, SPD und der FDP sowie große Teile der Grünenfraktion.
In der Indie-Szene ist der Krieg in Nahost öfter Thema
Microsoft steht wegen seiner Verträge mit dem israelischen Militär schon lange in der Kritik. Vor einem Jahr hatte der Konzern nach einer internen Prüfung einige Cloud- und KI-Dienste für eine Einheit des israelischen Verteidigungsministeriums eingestellt.
Größere Spielehersteller äußern sich nur selten zu heiklen politischen Themen wie dem Nahostkonflikt. Kleine Studios und Einzelentwickler aus der Indieszene positionieren sich da schon öfter. In den vergangenen Jahren gab es zum Beispiel Charity-Aktionen wie ein Bundle namens »Play for Peace - Games for Palestine 2025« , ebenso bildete sich ein Bündnis namens »No Games for Genocide« , das mit der BDS-Bewegung kooperiert.
House House sitzt in Melbourne in Australien, auf seiner Website sind insgesamt fünf Namen von Einzelpersonen gelistet, wobei offenbar vier Personen das Kernteam bilden. Sein vorheriges Spiel, das bekannte »Untitled Goose Game«, hatte House House 2019 noch für Xbox-Konsolen veröffentlicht. Dieser Gänse-Simulator ist auch jetzt noch für die Microsoft-Konsolen verfügbar.
»Big Walk« lässt sich nun auf Microsofts Betriebssystem Windows spielen, wenn man das Spiel per Steam kauft. Microsoft verdient jedoch an Spielekäufen im Steam-Store nichts mit, anders als bei Käufen in Microsofts eigenem Online-Store.
