SpOn 10.12.2025
15:17 Uhr

Zweitaktmotor: General Motors meldet Patent für Hybrid an


Einst baute man Trabis mit Zweitaktmotoren. Nun sollen die Luftverschmutzer einem Patent von General Motors zufolge ein Revival erleben.

Zweitaktmotor: General Motors meldet Patent für Hybrid an

Nostalgische Trabifans werden sich vielleicht freuen, für die Luftqualität verheißt es aber nichts Gutes: Der US-Autokonzern General Motors erwägt offenbar eine Wiederbelebung des Zweitaktmotors. Mehrere Fachportale wie »Jalopnik«  und »VisorDown«  berichten, GM habe ein Patent für eine neue Art von Zweitaktmotor angemeldet.

Falls der Konzern das Patent anwendet, wird es das erste Serienauto mit dieser Technik seit 35 Jahren. Heutzutage werden kleine Zweitaktmotoren noch für Geländemotorräder oder Arbeitsgeräte wie Kettensägen und Laubbläser verwendet, große Modelle für Hochseeschiffe. Da Zweitaktmotoren Abgas- und Lärmvorschriften im Straßenverkehr aber nicht einhalten, werden sie in neuen Autos seit dem Ende der DDR mit der Marke Trabant nicht mehr verbaut. Anderswo endete die Zweitaktära zumeist in den Sechzigern. Wenn es überhaupt neue Verbrenner sein müssen, nutzen sie Viertaktmotoren.

Der Unterschied: Viertaktmotoren arbeiten in vier Arbeitsschritten. Frischgas wird zuerst mit einer Kolbenbewegung in den Zylinder angesaugt, dann verdichtet und damit gezündet, verbrennt drittens und bewegt damit den Kolben (die eigentliche mechanische Arbeit, um das Auto anzutreiben), wodurch schließlich Abgase ausgestoßen werden. Zweitaktmotoren komprimieren das auf zwei Schritte: Ansaugen und Verdichten geschehen in einem Takt, ebenso wie Arbeiten und Ausstoßen. Bei gleicher Drehgeschwindigkeit der Kurbelwelle zünden sie doppelt so oft.

Keine Lösung fürs Emissionsproblem

Die Zweitakter lassen sich einfacher und günstiger bauen, sind leicht und leistungsstark. Die Emissionen mancher Schadstoffe wie Stickoxide oder Kohlenmonoxid sind sogar vergleichsweise gering. Der große Haken, neben mehreren anderen Problemen: Auch mit hohem Aufwand lässt sich bei kleinen Zweitaktmotoren nicht ganz vermeiden, dass sich Frisch- und Abgase vermischen. Deshalb kommen aus dem Auspuff teils unverbrannte Kohlenwasserstoffe, darunter krebserregende Stoffe wie Benzol . Und die Fahrzeuge verbrauchen mehr Treibstoff.

In den Berichten heißt es nun, der neue Zweitaktmotor von General Motors sei dem Patent zufolge speziell für den Einsatz in »Hybrid-Elektrofahrzeugen« vorgesehen. Allerdings scheine das Patent keine Lösung für das Emissionsproblem zu liefern, schreibt »Jalopnik«. Stattdessen handele es sich um ein neues Ventilsystem, das den Verschleiß der Kolbenringe reduzieren und die Lebensdauer der Motoren verlängern solle.

»Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Zweitaktmotor, der über feste Öffnungen im Zylinder verfügt, die entweder durch ein Membran- oder ein Drehventil betätigt werden, basiert das GM-Design auf einer beweglichen Hülse, die zwischen Kolben und Zylinderwand sitzt«, schreibt »VisorDown« unter Berufung auf das Patent.

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Unklar ist den Berichten zufolge, wann und wie der GM-Zweitaktmotor tatsächlich zum Einsatz kommen könnte. In der Vergangenheit hatten verschiedene Hersteller eine Wiederbelebung des Zweitaktmotors geplant, aus den Plänen wurde dann nichts.

»Vielleicht hat GM noch mehr Tricks auf Lager und einen Plan, wie Zweitakter der (US-Umweltbehörde, d. Red.) EPA genügen«, schreibt »Jalopnik« – mit dem Fazit, darauf solle man nicht wetten. Allerdings hat die Trump-Regierung Anfang Dezember schon die Vorschriften für den Treibstoffverbrauch von Pkw zurückgesetzt, um einen vermeintlichen Zwang zu Elektroautos zu beseitigen. Womöglich bereitet sich GM mit dem Patent auf eine Zukunft ganz ohne Vorschriften zum Umwelt- und Gesundheitsschutz vor.

ptz/ahh