Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen
»Mir ging es darum, eine Debatte anzustoßen. Und tatsächlich hat das funktioniert. Also dieses Video hat jetzt deutlich mehr Reichweite bekommen, als ich tatsächlich auch gedacht hätte.«
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer teilte am 24. Februar dieses Video von Manuel Hagel, CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg. Der Clip wurde seitdem mehrere Millionen Mal angeklickt.
Manuel Hagel, CDU-Spitzenkandidat Baden-Württemberg
»Ich war vor wenigen Wochen in einer Realschule bei uns im Wahlkreis, eine Klasse, 80 Prozent Mädchen. Also, da gibt es für einen 29-jährigen Abgeordneten schlimmere Termine als diesen. Aber dann begann, und ich werde es nie vergessen, die erste Frage. Sie hieß Eva. Braune Haare, rehbraune Augen.«
Das Interview mit dem Lokalsender Regio TV Schwaben stammt bereits aus dem Jahr 2018. Nun bringt es Hagel in Bedrängnis.
Warum teilte Mayer die Szene – und warum jetzt, mitten im Landtagswahlkampf?
Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen
Ich habe vor allem auch Ekel empfunden, weil ich diese Erfahrungen als Mädchen in der Politik häufig gemacht habe. Also, dass man nicht so ganz ernst genommen wird, dass man auch häufig Kommentare zum eigenen Aussehen bekommt, dass dann eben Fragen nicht mehr so im Vordergrund stehen.
Mayer sagt, sie habe vor der Veröffentlichung des Clips mit sich gerungen.
Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen
Mache ich das nach der Wahl, mache ich es gar nicht und tu so, als hätte ich es nicht gesehen? Und weil mich das Thema wirklich extrem sauer macht. Das kann ich wirklich langsam sagen, auch mit den ganzen Nachrichten, die ich dazu bekomme.
CDU-Spitzenkandidat Hagel hat sich inzwischen von seinen Aussagen distanziert – das sei »Mist« gewesen.
Zoe Mayers Parteikollege, Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen in Baden-Württemberg, nimmt den möglichen Koalitionspartner Hagel in Schutz: Dieser würde das heute sicherlich nicht mehr so formulieren.
Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen
Ich schätze mal, da hat er auch versucht, eine Brücke zu bauen.
SPIEGEL: Haben Sie das eigentlich mit ihm abgesprochen?
Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen
Nein, also er wusste nichts davon. Das habe ich ganz eigenständig gemacht, auch hier: Ich kann ja meine eigenen Entscheidungen treffen.
Mayer geht es mit der Veröffentlichung um mehr als diese eine Interview-Szene, sagt sie. Im Bundestag erlebe sie immer wieder sexistische Kommentare gegenüber jüngeren Frauen – viele fühlten sich dadurch eingeschüchtert.
Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen
Ich bin jetzt 30 Jahre alt, und ich kann sagen, im politischen Alltag begegnet mir das leider sehr viel häufiger, als ich das gern hätte.
Deswegen wäre mir auch wichtig, jetzt nicht irgendwie das Geschehen eins zu eins zu bewerten. Wer hat wann, wie, was, wo gesagt oder welche Relevanz hat das jetzt für den Wahlkampf? Sondern mir wäre es wirklich wichtig, dass wir mal darüber sprechen, wie wir junge Frauen Mädchen in der Politik unterstützen können, dass sie eben nicht schlechte Erfahrungen machen und sich eben nicht frühzeitig zurückziehen.