SpOn 08.12.2025
10:24 Uhr

X sperrt Werbung der EU-Kommission


Die EU-Kommission kann ihre Beiträge auf X nicht mehr bewerben. Ein Manager wirft der Behörde vor, eine Sicherheitslücke ausgenutzt zu haben. Welcher Art die ist, ließ er offen.

X sperrt Werbung der EU-Kommission

Nachdem die EU-Kommission vor wenigen Tagen eine Millionenstrafe gegen X verhängt hatte, wurde ihr nun die Möglichkeit genommen, auf der Plattform Werbung zu schalten. »Ihr Werbekonto wurde gekündigt «, schrieb der Produktchef von X, Nikita Bier auf X. Nach seiner Darstellung hat der Account der EU-Kommission gegen Regeln des sozialen Netzwerks verstoßen, um einem Beitrag über die Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Milliardär Elon Musk, dem X gehört, hatte zuvor via X pauschal dazu aufgerufen, die Europäische Union abzuschaffen.

In seinem Posting behauptet Produktchef Bier, die Kommission habe ihren »inaktiven Werbeaccount« verwendet, um in dem fraglichen Beitrag einen Link zu veröffentlichen, der »Nutzer glauben lässt, dass es ein Video ist«. So sei versucht worden, »künstlich die Reichweite zu erhöhen«. In dem Beitrag, den Bier moniert , ist ein 40 Sekunden langes Video eingebunden, das nur beim Aufruf auf X zu sehen ist, in dem ein Sprecher die Entscheidung der Kommission begründet.

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Nach Darstellung des Produktchefs hat die EU-Kommission eine Schwachstelle im System zur Erstellung von Werbung auf X, dem sogenannten Ad Composer, ausgenutzt. Auf die Nachfrage eines Nutzers, worin genau der Verstoß liege, den er der EU-Kommission vorwirft, erklärte Bier : »Ein Post in diesem Format kann nur als Anzeige geschaltet werden. Seit 2021 haben sie keine Anzeige mehr geschaltet.«

Auf die Fragen, wie lange es die von ihm genannte Sicherheitslücke schon gebe, warum sie noch nicht behoben wurde, wie oft sie schon von Werbetreibenden ausgenutzt worden ist und ob die betroffenen Konten ebenfalls alle gesperrt werden, antwortete Bier pauschal: »Sie wurde noch nie so missbraucht. « Zudem sei sie jetzt gestopft worden.

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EU-Kommission: Irreführende Häkchen

Die EU-Kommission stützt die verhängte Strafe auf den Digital Services Act. Unter anderem geht es um den Vorwurf, dass unter Musks Ägide die Verifikations-Häkchen hinter X-Accounts irreführend vergeben worden seien.

Bevor der schwerreiche Unternehmer die damals noch als Twitter bekannte Plattform im Oktober 2022 übernahm, waren die Verifikations-Symbole erst nach einer erfolgreichen Identitätsprüfung etwa an prominente Nutzer und Unternehmen vergeben worden. Musk beschloss jedoch, dass alle zahlenden Abo-Kunden ein identisch aussehendes Symbol bekommen sollen – ohne vorherigen Beleg der Identität. Inzwischen gibt es auch goldene Symbole für Unternehmen und silberne für Regierungsbehörden.

Mit der Auflösung ihres Anzeigen-Accounts verliert die Kommission die Möglichkeit, die Verbreitung ihrer Beiträge zu steigern, indem sie gegen Bezahlung mehr Nutzern angezeigt werden. In ihrer Entscheidung kritisiert die Kommission auch die mangelnde Transparenz der Plattform bezüglich ihrer Anzeigenkunden. Tatsächlich scheint das entsprechende Portal der Plattform  derzeit nicht zu funktionieren.

mak/dpa