Wann ist die Zeit gekommen, um aufzuhören? Das fragt sich BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, 74. »Ich stelle mich nicht auf die Bühne und mach den Jopie Heesters«, sagt der BAP-Sänger der Nachrichtenagentur dpa. Der Sänger Johannes Heesters lebte von 1903 bis 2011 und war noch als über 100-Jähriger aufgetreten.
Kölsch-Rocker Niedecken wird Ende März 75 Jahre alt. »Das Blöde ist, viele Künstler verlieren irgendwann die Übersicht, ob sie das noch können oder nicht«, sagt Niedecken. »Wenn ich es nicht selbst merke, dann merken es meine drei Damen.« Die drei Damen sind seine Frau Tina und seine beiden erwachsenen Töchter. Die würden ihm dann Bescheid geben. »Ich fühle mich nicht alt, ich fühle mich vielleicht wie 50-plus«, sagte er. Allerdings ertappe er sich manchmal dabei, dass er darüber nachdenke, wie viel Zeit ihm noch bleibe.
Vor der Rockstar-Rente fürchtet sich Niedecken aber offenbar nicht. »Ich werde dann einfach sehr viel lesen. Langeweile kenne ich nicht.« Auch für sein politisches Engagement ist Niedecken bekannt. Kürzlich forderte er, dass mehr Songs gegen rechts im Radio gespielt werden.
In das neue Jahr startet der Musiker und selbsterklärte Zweckoptimist Niedecken mit großen Plänen: Vor 50 Jahren wurde seine Band BAP gegründet, nun feiern die Musiker das 50-jährige Bestehen mit einer Tour durch 19 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Mit dem SPIEGEL sprach Niedecken anlässlich seines 70. Geburtstags ausführlich über den Tod seines Vaters, den er im größten Hit seiner Band verarbeitet: »Verdamp lang her«. Sein Vater starb bereits 1980 und erlebte den Erfolg von BAP nicht mehr.
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Der Titel der BAP-Tour im kommenden Jahr sei nun »ein Wink mit dem Zaunpfahl«, sagt Niedecken. »Ich will keine Abschiedstournee machen, aber gleichzeitig ist natürlich auch klar: Die meisten BAP-Konzerte sind gespielt. Wer uns noch mal sehen will, der muss jetzt langsam in die Puschen kommen.« Der Name der Tour? »Die Zielgerade«.
