So rückt Wladimir Putin zurück ins Rampenlicht der Weltpolitik.
Die Woche des russischen Machthabers – ein öffentlichkeitswirksames Lehrstück: So bahnt man sich also den Weg aus der Isolation durch den Westen.
Moskau, 02.12.
Wladimir Putin/Dolmetscher
»Ich freue mich sehr, Sie zu sehen.«
Den Start macht die amerikanische Delegation am Dienstag vor einer Woche. Putin empfängt Steve Witkoff und Jared Kushner im Kreml – allerdings erst nach einiger Wartezeit.
Die müssen sich die US-Chefunterhändler anderweitig vertreiben.
Steve Witkoff, US-Chefunterhändler
»Ein schöner Spaziergang.«
Putin scheint sich zu freuen. Die beiden Amerikaner genießen – wie auf diesen Aufnahmen zu sehen – den weihnachtlichen Glanz Moskaus in vollen Zügen, bis der Kremlchef ihnen schließlich nach mehreren Stunden Spaziergehzeit die Ehre erweist.
Zappeln lassen, Macht demonstrieren – das war der erste Streich. Vor versammelter Presse dann ein kurzes Statement, um dem Ganzen noch eins draufzusetzen:
Wladimir Putin, Kremlchef
»Wenn Europa plötzlich beschließt, Krieg gegen uns zu führen, und ihn beginnt, sind wir sofort bereit. Daran kann kein Zweifel bestehen.«
Die Staatspresse nickt. Aus Kremlsicht lässt sich sagen: läuft.
Neu-Delhi, 04.12.
Nächstes Highlight, nur zwei Tage später. Das russische Staatsfernsehen zeigt die Ankunft Putins in Neu-Delhi aus mehreren Perspektiven. Und dann diese Geste: Eine feste Umarmung vom indischen Premierminister – bessere Bilder gibt es kaum. Es folgen landestypische Tänze und weitere Huldigungen.
Nebenbei geht es dann um verstärkte wirtschaftliche und militärische Kooperation und außerdem um die ganz große Geopolitik:
Wladimir Putin, Kremlchef
»Ebenso wichtig ist, dass Russland und Indien Hand in Hand daran arbeiten, eine gerechte, multipolare Weltordnung zu etablieren.«
Und, ach ja, RT, das russische Propagandafernsehen, nimmt zeitgleich den Sendebetrieb in Indien auf. Wenn das alles nicht schon Erfolg genug wäre – eins kann es nur noch toppen: das passende Porträt.
Eine Woche ganz im Sinne der Kremlpropaganda also. Das Staatsfernsehen sendet unermüdlich Bilder angeblicher Geländegewinne der Truppen im Donbass.
Unbekannter Ort, 09.12.2025
Nur an die Front schafft es der Kremlchef selbst nicht mehr. Dafür muss ein schon beinahe in Vergessenheit geratener General herhalten: Waleri Gerassimow. Der für seine Trinkfreudigkeit berüchtigte Generalstabschef verkündet vor den Kameras, dass seine Streitkräfte entlang der gesamten Frontlinie in der Ukraine vorrückten. Ein voller Erfolg also – nur die Protagonisten wirken nicht so ganz überzeugend. Da muss der Chef wohl noch selbst einmal ran.
