Die schwache Binnennachfrage und eine tiefgreifende Immobilienkrise sind seit Jahren die entscheidenden Bremsklötze der chinesischen Wirtschaft. Mit einem bereits 2025 vorgestellten 30-Punkte-Programm will Peking für neuen Schwung sorgen.
Zhu Tian, Wirtschaftsprofessor an der China Europe International Business School in Shanghai, fordert einem Bericht des »Handelsblatts« zufolge noch viel radikalere Maßnahmen – eine Geldzahlung in Höhe von umgerechnet 380 Euro soll für einen kräftigen Nachfrageschub sorgen. Damit ließe sich, so die Kalkulation des Ökonomen, das Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent steigern. Voraussetzung sei, dass die Haushalte wenigstens die Hälfte des Geldes ausgeben. Das Geld solle für Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen einsetzbar sein, minimal eingeschränkt und maximal stimulierend, schreibt das »Handelsblatt«.
Bisherige Experimente mit Vouchern seien lokal begrenzt gewesen, etwa in Shanghai, Guangzhou oder Zhejiang. Die Wirkung blieb allerdings allenfalls lokal begrenzt. »Bisherige Gutscheine betreffen nur bestimmte Produkte wie Elektronik oder Autos. Für die Gesamtwirtschaft ist das zu wenig«, sagt Zhu. Sein Ansatz sei hingegen skalierbar, umfassend und kurzfristig wirksam.
Zhu sei nicht der einzige chinesische Ökonomen, der für Gutscheine oder Einmalzahlungen plädiere, berichtet die Zeitung weiter. Andere jedoch hielten die Idee für mehr oder minder wirkungslos. Kritiker wie Ting Lu von der japanischen Investmentbank Nomura in Hongkong verwiesen darauf, dass Chinas aktuelle Probleme gezielte, langfristige Reformen erforderten.
Eine der Maßnahmen, die Zhu empfiehlt, würde einen der zentralen Einwände der Kritiker berücksichtigen. Um den Immobilienmarkt zu sanieren, solle eine staatliche Abwicklungsfirma unfertige Projekte fertigstellen, Grundstücke zurückkaufen und Überbestände in öffentlich geförderten Wohnraum umwandeln.
