SpOn 27.01.2026
10:51 Uhr

Wirtschaftkrise in Deutschland: Schattenwirtschaft auf höchstem Niveau seit zwölf Jahren


Die Schattenwirtschaft in Deutschland hat einer Studie zufolge das höchste Ausmaß seit zwölf Jahren erreicht. Forscher führen das auf die Konjunkturkrise und steigende Arbeitslosigkeit zurück.

Wirtschaftkrise in Deutschland: Schattenwirtschaft auf höchstem Niveau seit zwölf Jahren

In der Wirtschaftskrise florieren Geschäfte, die am Staat vorbeigehen: Auf 510 Milliarden Euro schätzen der Finanzwissenschaftler Friedrich Schneider von der Universität Linz und das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen in einer Studie den Umfang der Schattenwirtschaft. 2025 wurde demnach das größte Ausmaß seit mehr als zehn Jahren erreicht. Im laufenden Jahr werde die Schattenwirtschaft um 5,5 Prozent auf 538 Milliarden Euro zulegen.

Das Verhältnis von Schattenwirtschaft zum offiziellen Bruttoinlandsprodukt wachse damit von 11,4 auf 11,6 Prozent. Das ist so hoch wie zuletzt 2014, zeigen die Berechnungen.

Hauptgrund sei das geringe Wachstum der deutschen Wirtschaft und die zunehmende Arbeitslosigkeit. »Dies verringert die Erträge gemeldeter Arbeitsverhältnisse und erzeugt einen Anreiz zu nicht gemeldeten oder illegalen Tätigkeiten«, schreiben die Forscher. Allein dadurch steige die Schattenwirtschaft 2026 preisbereinigt um 9,5 Milliarden Euro.

Auch die Anhebung des Mindestlohns zu Jahresbeginn und die höhere Verdienstgrenze für geringfügige Beschäftigung (Minijobs) lasse die Schattenwirtschaft wachsen – laut Studie um real 2,4 Milliarden Euro. Die gesenkte Umsatzsteuer im Gastgewerbe mindere dagegen die Anreize, am Finanzamt vorbeizuwirtschaften.

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Schattenwirtschaft definieren die Autoren als Summe aus Schwarzarbeit und Einkommenserzielung aus illegalen Tätigkeiten, darunter Glücksspiel und Prostitution in bestimmten Formen.

Besonders starker Anstieg in Deutschland

Beim Verhältnis von Schattenwirtschaft zur Wirtschaftsleistung liegt Deutschland 2026 laut der Studie knapp unter dem Mittelwert von 20 größeren Industrieländern. Allerdings sei die Schattenwirtschaft hierzulande seit 2021 mit plus 2,4 Prozentpunkten dreimal so stark gewachsen wie im Schnitt aller betrachteten Staaten (plus 0,8 Prozentpunkte).

»Dies spiegelt die Tatsache wider, dass die Wirtschaftskrise Deutschland stärker getroffen hat als die meisten anderen der berücksichtigten Länder«, so die Autoren. Das höchste Niveau der Schattenwirtschaft dürfte 2026 laut Prognose Griechenland mit 21,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen, das geringste die Schweiz mit 5,3 Prozent.

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Den Berechnungen liegen Prognosen zu Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosigkeit und Inflation zugrunde. Unterstellt wurde für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent, eine Arbeitslosenzahl von 2,9 Millionen Menschen und eine Inflationsrate von 2,0 Prozent.

mmq/dpa