SpOn 27.01.2026
13:46 Uhr

Wirtschaft: Hapag Lloyd zögert bei Rückkehr durchs Rote Meer - Gefahr durch Huthi-Rebellen


Anders als die Reederei Maersk spart Hapag-Lloyd die Route durch den Suezkanal weiter aus. Dabei liegen laut Firmenchef Habben Jansen beide Unternehmen bei der Bewertung der Sicherheitslage »nicht so weit auseinander«.

Wirtschaft: Hapag Lloyd zögert bei Rückkehr durchs Rote Meer - Gefahr durch Huthi-Rebellen

Seit inzwischen gut zwei Jahren leidet die internationale Schifffahrt unter den Angriffen der Huthis im Roten Meer. Doch während die dänische Reederei Maersk jüngst angekündigt hat, einen ihrer Dienste auf der Route wieder aufzunehmen, die durch den Suezkanal nach Europa führt, übt sich Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd weiter in Geduld.

»Wir würden gerne, wenn es sicher ist«, sagte Rolf Habben Jansen, Vorstandschef von Hapag-Lloyd, zu einer möglichen Rückkehr. Vergangene Woche sei jedoch wieder ein Drohvideo der Huthis aufgetaucht, welches ein brennendes Frachtschiff zeigt. Dies habe der Reederei signalisiert, besser doch noch abzuwarten.

Wie gefährlich die Passage ist, bekam Hapag-Lloyd im Dezember 2023 selbst zu spüren. Nach einem Raketenanschlag auf die »Al Jasrah« brannte es an Bord.

Damit Hapag-Lloyd wieder die im Vergleich zur Route um das Kap der Guten Hoffnung Tausende Kilometer kürzere Route in Dienst nehme, sei Stabilität in der Region wichtig. »Niemand ist happy, wenn wir zwei Wochen da durchfahren und dann wieder außenrum. Das zerstört die Lieferketten unserer Kunden«, sagte Habben Jansen.

Aktuell seien die Schiffe zwar sieben bis zehn Tage länger unterwegs, dafür aber zu 90 Prozent zuverlässig. Darauf hätten sich Kunden eingestellt. Wenn es irgendwann durchs Rote Meer wieder losgehe, müsse die Umstellung schrittweise erfolgen, um die Häfen nicht zu überfordern.

Knackpunkt Begleitschutz

Die Sicherheitslage in der Region bewerten Hapag-Lloyd und Maersk, die seit knapp einem Jahr das Konsortium Gemini Cooperation bilden, dabei ähnlich. »Unsere Einschätzungen sind nicht so weit auseinander«, sagte Habben Jansen.

Westliche Reedereien würden Verkehre durchs Rote Meer derzeit nur anbieten, wenn ein europäisches Kriegsschiff für Schutz sorgen könne. »Die Kapazitäten für solche Begleitungen sind begrenzt«, so der 59-jährige Unternehmenschef. Man prüfe das aber. Gegen Raketen oder Marschflugkörper können sich zivile Frachter selbst nicht verteidigen.

Die seit einem Jahr bestehende Gemini Cooperation im Liniendienst oder an den Hafenterminals bewertet der Niederländer Habben Jansen, der das Unternehmen seit 2014 führt, positiv. »Maersk denkt ähnlich wie wir«, sagte er. Schiffe könnten in der Allianz besser eingesetzt werden.

»Zölle sind unterm Strich nie gut«

Während die deutsche Wirtschaft insgesamt schwache Jahre hinter sich hat, konnte Hapag-Lloyd in den vergangenen zwei Jahren weiter wachsen. Der von US-Präsident Donald Trump befeuerte Handelskonflikt belastet das Unternehmen jedoch. »Zölle sind unterm Strich nie gut und man sieht, dass Zölle Einfluss hatten«, sagte Habben Jansen.

Konkret habe etwa das Geschäft auf den Linien nach Nordamerika stark gelitten. Die Waren suchten sich dann andere Wege. Die Verkehre zwischen Afrika und Südamerika sowie Europa beispielsweise hätten sich zuletzt etwa deutlich besser entwickelt als erwartet. Genaue Zahlen will Hapag-Lloyd mit der Bilanz Ende März präsentieren.

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Klar ist bereits jetzt, dass für Hapag-Lloyd das Geschäft mit eigenen Seehafenterminals immer wichtiger wird. In inzwischen 22 Terminals in Häfen weltweit hat das Unternehmen inzwischen investiert. Das Unternehmen kann so unabhängiger von Anbietern und Betreibern vor Ort werden. Das ist eine Lehre der Coronapandemie, als sich vor den Häfen die Frachter vieler Reedereien stauten. Zuletzt kamen Terminals in Frankreich, Marokko und Brasilien hinzu. Ein oder zwei weitere sollen laut Habben Jansen 2026 folgen.

Die Flotte von Hapag-Lloyd ist inzwischen auf mehr als 300 Schiffe angewachsen. 22 weitere hat die Reederei vergangenes Jahr bestellt, insbesondere kleinere. Hiervon sollen acht gekauft werden, der Rest gechartert. Sorge vor Überkapazitäten hat Habben Jansen dennoch aktuell nicht: »Die Schiffe sind auch heute ziemlich voll.«

apr