Seit Tagen hat das Winterwetter große Teile Deutschlands im Griff. Doch das dicke Ende kommt erst noch – ab diesem Freitagmorgen bringt Sturmtief »Elli« Eiseskälte und jede Menge Schnee. Mitunter besteht auch Glatteisgefahr. Die Auswirkungen des Sturmtiefs sind schon zu spüren. Der Überblick:
Wetterlage:
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet »von Südwesten aufkommende, teils kräftige Schneefälle«, die sich bis zur Elbe ausbreiten. Teils gebe es auch Schneeverwehungen. In der Mitte und im Süden Deutschlands wird teils gefrierender Regen erwartet.
Bei stürmischem Ostwind sind Schneeverwehungen möglich, was zu größeren Behinderungen auf den Verkehrswegen führen kann, warnte der Wetterdienst. Im Süden und Westen Deutschlands soll der Schnee – bei ebenfalls stürmischem, aber aus südwestlichen Richtungen wehendem Wind – am Morgen rasch in Regen übergehen. Örtlich besteht dort dann Glatteisgefahr.
Besonders stark wird es den Norden des Landes treffen, wo schon jetzt ungewöhnlich viel Schnee liegt. Doch da kommt noch einiges dazu: In einem Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die zehn oder regional bis zu 20 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. (Einen Überblick, was bei einem Schneesturm zu beachten ist, finden Sie hier.)
Für die Region von Ostfriesland bis Hamburg sowie große Teile Schleswig-Holsteins hat der DWD aktuell eine Unwetterwarnung ausgesprochen (Stufe drei von vier). Durch hohe Schneedecken, blockierte Verkehrswege und stark eingeschränkte Sichtweiten bestehe Gefahr für Leib und Leben, teilten die Wetterexperten mit.
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Auch im östlichen Bayern und im Westen von Baden-Württemberg sind Warnungen der Stufe drei ausgesprochen worden. (Die Übersichtskarte des DWD finden Sie hier .)
Laut DWD kommen auf Norddeutschland am Freitag vielerorts Schneeverwehungen zu. Dabei seien in und um Hamburg sowie in Schleswig-Holstein stürmische Böen und an den Küsten Sturmböen zu erwarten. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) rief die Bürgerinnen und Bürger auf, wenn möglich, zu Hause zu bleiben. Er sprach von einer »zugespitzten Lage«. Die Räumdienste im Norden arbeiten bereits im Hochbetrieb, stoßen aber bei den Schneemengen an ihre Grenzen.
Straßenverkehr:
Autofahren kann bei diesen Wetterverhältnissen hochgefährlich sein. Der DWD warnt vielerorts vor spiegelglatten Straßen. In der Nacht kam es bereits zu ersten Unfällen aufgrund der Glätte. In Baden-Württemberg etwa rutschte ein Bus einen Hang hinunter. Dabei verletzten sich laut der örtlichen Polizei drei Menschen leicht. Die Lagezentren in den Bundesländern sprachen in den frühen Morgenstunden allerdings von einem insgesamt ruhigen Verlauf auf den Straßen mit eher kleinen Unfällen.
Mancherorts wurde für Freitag vorsichtshalber der Busverkehr eingestellt oder schon vor Einschränkungen gewarnt.
Bahnverkehr:
Die Bahn geht davon aus, dass bis Samstag Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr möglich sind. Wer kann, sollte seine Reise verschieben. Schon gekaufte Tickets könnten auch zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden. Mancherorts wurden vorsorglich Verbindungen des Regionalverkehrs gestrichen.
Regionalzug in Bayern (am 8. Januar)
Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpaBereits am Abend war es zu Zugausfällen auf einigen Fernverkehrsstrecken gekommen. Betroffen waren etwa die Strecken Kopenhagen-Hamburg, Westerland/Kiel-Hamburg, Binz/Stralsund/Rostock-Berlin, Norddeich/Emden-Hannover/Ruhrgebiet.
Die Bahn hat darüber hinaus Vorbereitungen getroffen: In Bayern zum Beispiel können von den mehr als 10.000 Weichen laut DB rund 8100 beheizt werden, damit sie nicht einfrieren. Bei Schneeverwehungen würden schwere Loks über verschneite Gleise fahren und eine Spur für nachfolgende Züge ziehen, sagte eine Sprecherin. Allerdings sei man selbst bei bestmöglicher Vorbereitung nicht gegen alle Witterungsfolgen gefeit, hieß es am Donnerstag.
Fährverkehr:
Auch der Fährverkehr an der niedersächsischen Nordseeküste ist weitgehend zum Stillstand gekommen. Mehrere Inseln sind derzeit nicht per Schiff erreichbar – darunter Langeoog, Spiekeroog, Norderney und Wangerooge. Problematisch ist vor allem der erwartete starke Ostwind. Er drückt das Wasser von der Küste weg, Fähren können dann nicht oder nur eingeschränkt fahren.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnte vor einer Sturmflut ab Freitagabend. In der Kieler und der Lübecker Bucht werden bis zu 1,10 Meter über dem Normalwert erwartet, in der Flensburger Förde sind es bis zu 1,25 Meter. Laut Definition beginnt an der Ostsee eine Sturmflut ab einem Wasserstand von einem Meter über dem Normalwert. An der Nordsee sind es 1,5 Meter.
Schulen:
Es gilt schneefrei, zumindest für manche Schüler: In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und in Teilen Schleswig-Holsteins fällt der reguläre Schulbetrieb flächendeckend aus. Nach Angaben der zuständigen Behörden gibt es teilweise Distanzunterricht und Notbetreuung für jüngere Kinder. Grund für die Schließung ist meist, dass die Schulbusse nicht fahren und eine sichere Anreise nicht gewährleistet werden kann. (Einen Überblick zu den Schulausfällen in den einzelnen Bundesländern finden Sie hier.)
Auch in Regionen in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin fällt teils der Präsenzunterricht aus oder Eltern können ihre Kinder vom Unterricht entschuldigen. Mancherorts sind auch Kitas und Kindergärten betroffen.
Bei all dem Schnee und Eis fühlt sich dieser Winter in manchen Regionen Deutschlands besonders an. Ist es wirklich kälter und verschneiter als üblich? Eine Analyse des Wissenschaftsressorts zu den Wetterkapriolen lesen Sie hier .
