Der »King of Salsa« ist tot. Der puerto-ricanische Musiker Willie Colón ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Colón sei »friedlich« im Kreise seiner Familie gestorben, teilten die Angehörigen am Samstag auf Facebook mit. Die Gouverneurin von Puerto Rico, Jenniffer González, zollte in einer Mitteilung auf X Tribut: »Heute verabschieden wir uns mit tiefem Respekt von Willie Colón, Meister der Posaune, Architekt des Salsa-Sounds und ewiges Vorbild unserer kulturellen Identität«.
Colón gilt als Mitbegründer des Salsa, eines Musikstils mit kubanischen und puerto-ricanischen Wurzeln. Geprägt wurde der Stil Mitte der Sechzigerjahre in den Latino-Vierteln New Yorks, gemischt mit Elementen aus Jazz und Folk.
Erste Aufnahmen mit 15
Zu seinem elften Geburtstag bekam Willie Colón von seiner Oma Antonia eine Trompete. Das Geschenk sollte das Leben des in der New Yorker Bronx geborenen Jungen prägen. Schon damals begeisterte er sich für die afrokaribische Musik, die seine aus Puerto Rico stammenden Großeltern tagtäglich im Radio hörten. Dass er selbst einmal als »King of Salsa« gefeiert werden würde, ahnte der Junge damals nicht.
Schon mit 15 nahm er seine ersten Lieder auf, mit 17 Jahren brachte Colón – inzwischen zur Posaune gewechselt – seine erste LP heraus: »El Malo«. Das war 1967. Die Schallplatte, erschienen beim berühmten Salsa-Label Fania Records, wurde ein Erfolg und sollte Colón wie auch Leadsänger Héctor Lavoe (1946-1993) zu Stars machen.
»Einer der unentbehrlichen Götter in der Salsa-Mythologie«
In seiner mehr als 50-jährigen Karriere veröffentlichte Colón rund 40 Alben, die sich über 30 Millionen Mal verkauften. Viele der Songs sind Klassiker des Genres. Mit Salsa-Poet Rubén Blades nahm er 1978 das Album »Siembra« auf, das bis heute als die meistverkaufte Salsa-Platte der Geschichte gilt.
Für seine Fans in aller Welt war er der »King of Salsa«, für den kubanischen Autor und Musikkenner Leonardo Padura sogar mehr als das: »Willie Colón ist einer der unentbehrlichen Götter in der Salsa-Mythologie. Vielleicht sogar der Unentbehrlichste des gesamten Pantheons.« Das US-Fachblatt »Billboard« zählte ihn zu den »30 einflussreichsten Latino-Künstlern aller Zeiten«.
Dabei war Colón nach Ansicht von Musikkritikern nicht unbedingt ein Virtuose seines Instruments und auch kein begnadeter Sänger. »Er klang aber immer wie er selbst, authentisch und effektiv«, sagte der venezolanische Autor und Salsa-Experte César Miguel Rondón. Gefeiert wurde Colón zudem als brillanter Komponist und Produzent sowie als großer Experimentierer, der verschiedenste Stile fusionierte. »Ich suche immer das Neue und versuche, die Menschen zu überraschen«, sagte er selbst in einem Interview der Zeitung »El Tiempo«.
Aktivismus für die spanischsprachige Minderheit
Da sein Vater im Gefängnis saß, musste er früh lernen, sich durchzusetzen und seine Schwester, seine Mutter und seine Oma – die Matriarchin der Familie – in Schutz zu nehmen. »Es gab eine Zeit in New York, da wurde man als Latino verprügelt, wenn man irgendwo an der Ecke stand«, sagte Colón im puerto-ricanischen Fernsehen über seine Erfahrungen mit Diskriminierung. »Ich musste keinen Streit suchen, dieser hat stets mich gefunden.«
Dies brachte ihn dazu, sich für die Bürgerrechte der spanischsprachigen Minderheit in New York zu engagieren. So war Colón später unter Bürgermeister Michael Bloomberg (2002-2013) Berater für kulturelle Belange der Latinos. Zuvor hatte er sich ohne Erfolg für das Amt des Ombudsmannes der US-Metropole beworben. Lange Zeit war Colón politisch bei den Demokraten angesiedelt – 2008 unterstützte er Hillary Clinton im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur –, später machte er sich jedoch für den Republikaner Donald Trump und konservative Positionen stark, was ihm viel Kritik von Fans einbrachte.
Nebenbei spielte Colón in einigen Kinofilmen und Serien mit. In der mexikanischen Telenovela »Demasiado corazón« mimte er etwa einen Drogenermittler – und steuerte auch den Titelsong bei. Im April 2021 wurden seine Frau und er bei einem Unfall mit ihrem Wohnmobil schwer verletzt – seither war es zunehmend still um den Musiker geworden.
