Deutschland steht eine turbulente Wetterlage bevor. Besonders ungemütlich soll es ab der Nacht zum Freitag werden, wenn Sturmtief »Elli« die Regie übernimmt.
Bereits in der vergangenen Nacht hat das Winterwetter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für frostige Temperaturen gesorgt. Insbesondere im Osten Sachsens sank das Thermometer bei teilweise Schneedecke und sternenklarem Himmel auf Werte bis fast minus 20 Grad Celsius, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in Leipzig sagte. Der tiefste gemessene Wert wurde demnach in Sohland an der Spree im Kreis Bautzen registriert: minus 19,1 Grad. Kalt war es auch in den Hochtälern des Erzgebirges: In Deutschneudorf/Brüderwiese lag die Temperatur demnach bei minus 17,7 Grad.
Etwas weniger kalt sei es in Thüringen und Sachsen-Anhalt wegen partieller Bewölkung in der Nacht gewesen, so der DWD weiter. Tiefstwert in Thüringen waren demnach minus 13,8 Grad Celsius in Bad Berka im Süden des Landkreises Weimarer Land. Auf dem Brocken wurden minus 11,7 Grad gemessen, in Wittenberg minus 10,1 Grad.
Wer kann, sollte zu Hause bleiben
Laut der Warnung des Deutschen Wetterdiensts sind insbesondere Ostdeutschland, der Harz und die Region zwischen Bremen und Hamburg von der extremen Lage betroffen. Besonders in der Nacht zum Freitag soll es verbreitet zu teils kräftigen Schneefällen kommen. Bei stürmischem Ostwind seien Schneeverwehungen möglich, was zu größeren Behinderungen auf den Verkehrswegen führen könne. Im Süden und Westen Deutschlands soll der Schnee – bei ebenfalls stürmischem, aber aus südwestlichen Richtungen wehendem Wind – indes bis Freitagfrüh rasch in Regen übergehen. Örtlich bestehe dort dann Glatteisgefahr.
Ein DWD-Meteorologe sprach von »einem echten Wetterkrimi«. Die Deutsche Bahn (DB) kündigte witterungsbedingt bereits Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr an. Behörden und Meteorologen raten: Wer nicht unbedingt unterwegs sein muss, sollte zu Hause bleiben und das Auto stehen lassen.
Aktuell gibt es Meldungen von Polizeistationen über erhöhtes Unfallaufkommen, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Im niedersächsischen Gehrde (Landkreis Osnabrück) ist ein Autofahrer bei einem Unfall ums Leben gekommen – die Polizei schließt Glätte als Ursache nicht aus. Die Hamburger Köhlbrandbrücke wurde wegen des Wetters und rutschiger Fahrbahnen am Vormittag für den Verkehr gesperrt.
Meteorologe des DWD
Die Schulen in Hamburg und Bremen bleiben Behördenangaben zufolge wegen der Witterungsverhältnisse und des erwarteten starken Schneefalls am Freitag geschlossen. Bereits am Donnerstag soll wegen des Wetters in einigen Regionen Niedersachsens der reguläre Unterricht an Schulen ausfallen. Stattdessen wird meist auf Distanzunterricht umgestellt. Betroffen sind Einrichtungen unter anderem in Wilhelmshaven, Emden und im Landkreis Aurich. Auch auf den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr sollen die Schülerinnen und Schüler heute zu Hause bleiben. Es wird nicht ausgeschlossen, dass am Freitag weitere Schulen auch in anderen Bundesländern dazukommen.
Tagsüber soll es im Nordosten trocken sein und sogar etwas die Sonne scheinen. Sonst bleibt es laut dem DWD stark bewölkt, stellenweise soll es schneien. Zum Nachmittag und Abend hin wird es laut Vorhersage besonders im Süden und Westen zu mehr Niederschlägen kommen: Anfangs Schnee, später soll es im Südwesten gefrierenden Regen geben.
Im Norden und Osten sagt der DWD eine größtenteils trockene Nacht auf den Freitag voraus. In Richtung Nordosten hingegen kann es zu kräftigen Niederschlägen kommen. »Das wird schon eine extreme Lage«, sagte ein Meteorologe des DWD in Potsdam zum Winterwetter am Freitag. In einem Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können demnach verbreitet um die zehn oder regional bis zu 20 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Laut DWD kann dabei der kräftige Wind die lockere Schneedecke verwehen und zu größeren Behinderungen auf den Verkehrswegen führen.
Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert riet, nicht unbedingt notwendige Fahrten zu verschieben oder deutlich mehr Zeit einzuplanen. Fahrgäste von Bus und Bahn wurden bereits vorgewarnt: Im Gebiet des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen könne es in den kommenden Tagen zu Verspätungen und Teilausfällen im öffentlichen Nahverkehr kommen, sagte eine Sprecherin. Auch Nahverkehrsbetriebe in Schleswig-Holstein schlossen nicht aus, dass der Betrieb eingestellt werden muss.
Von diesem Donnerstag an werde es auch zu Verspätungen und Zugausfällen im Fernverkehr kommen, schrieb die Deutsche Bahn. »Bitte prüfen Sie, ob Sie Ihre Reise verschieben können«, hieß es. Auch Reisen auf dem Wasser sind betroffen: Einige Fähren von und zu den Ostfriesischen Inseln werden am Freitag voraussichtlich nicht fahren.
Müll wird nicht überall abgeholt
Ausgerechnet mitten im Winter muss im niedersächsischen Hildesheim der Winterdienst von heute an wegen Lieferengpässen beim Streusalz seinen Einsatz auf Straßen und Wegen einschränken. Und in Mecklenburg-Vorpommern könnte ein Streikaufruf dazu führen, dass es zu personellen Engpässen beim Winterdienst kommt, wie es vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr hieß. Hintergrund seien die aktuellen Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder. Die Straßenbauverwaltung werde dennoch alles versuchen, um die Landes- und Bundesstraßen möglichst schnee- und eisfrei zu halten.
Fußgänger sollten ebenfalls vorsichtig sein. In Potsdam sagte der Leitende Oberarzt der dortigen Zentralen Notaufnahme im Klinikum Ernst von Bergmann, Bernhard Fleischer: »Die derzeitigen Witterungsbedingungen stellen eine besondere Herausforderung dar und bergen ein erhöhtes Risiko für Stürze und Unfälle.« Die Notaufnahme sei vorbereitet. Bereits in den vergangenen Tagen führte Glatteis zu einer erhöhten Zahl von Verletzten. Krankenhäuser im gesamten Bundesgebiet sind im Dauerstress.
In Niedersachsen wird in vielen Regionen wegen des Wetters der Müll nicht abgeholt, weil Fahrzeuge der Entsorgungsbetriebe wegen glatter Straßen nicht überall durchkommen. Auch in Hamburg gibt es aufgrund von Schnee und Glätte derzeit teils Einschränkungen bei der Müllabfuhr. »Es kommt teilweise zu Einschränkungen in den Nebenstraßen, da diese nicht gefahrlos befahrbar sind und Sicherheit für uns an erster Stelle steht«, teilte eine Sprecherin der Stadtreinigung (SRH) mit.
Wie Obdachlose mit dem kalten Wetter umgehen und wie Sie ihnen helfen können, lesen Sie hier .
