SpOn 17.10.2026
19:23 Uhr

Westjordanland: Israelische Siedler greifen Journalistin und Diplomaten an


An zwei Tagen in Folge haben israelische Siedler im Westjordanland erst eine US-Journalistin, dann einen Autokonvoi europäischer Diplomaten attackiert. Auch die israelische Regierung reagierte auf die Vorfälle.

Westjordanland: Israelische Siedler greifen Journalistin und Diplomaten an

Mehrere israelische Siedler haben offenbar Fahrzeuge europäischer Diplomaten im Westjordanland angegriffen. Dabei sei am Samstag auch auf einen französischen Bürgermeister eingeschlagen worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von einem Augenzeugen.

Wie der Militärkorrespondent des israelischen Armeeradios, Doron Kadosh, auf X mitteilte,  umstellten nach Angaben von Augenzeugen sieben maskierte Männer mit ihren Geländewagen ein Diplomatenfahrzeug, verlangten Ausweise und zertrümmerten eine Fensterscheibe. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein Diplomat am Boden liegt. Bei dem Mann handelt es sich der AFP zufolge um den 78-jährigen französischen Bürgermeister Bernard Baudoux.

Der Vorfall ereignete sich während der Olivenernte nahe der Ortschaft Taybeh. Die europäischen Diplomaten waren den Angaben zufolge mit Fahrzeugen der französischen, belgischen und polnischen Mission im Westjordanland unterwegs. Eine Stellungnahme der israelischen Armee liegt bislang nicht vor.

Der belgische Außenminister Maxime Prevot verurteilte den Angriff auf das Schärfste. »Die Straflosigkeit gewalttätiger Siedler muss ein Ende haben«, forderte er auf X. »Diese Gewalt lässt sich nicht von Israels illegaler Siedlungspolitik trennen. Belgien verurteilt den Ausbau der Siedlungen sowie Versuche, Palästinenser gewaltsam von ihrem Land zu vertreiben.« Prevot gab zugleich bekannt, dass der belgische Generalkonsul Teil der Delegation gewesen sei.

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Israels Außenminister Gideon Sa’ar erklärte zu dem Vorfall: »Ich verurteile die schweren Gewalttaten israelischer Randalierer im Gebiet von Taybeh aufs Schärfste.« Dies war eine eher seltene kritische Äußerung der rechtsgerichteten Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gegenüber Siedlern. Zugleich warf der Außenminister aber den europäischen Diplomaten vor, dass sie sich nicht mit dem israelischen Militär abgestimmt hätten.

US-amerikanische Journalistin verletzt

Bereits am Freitag erlitt die US-Fotografin Heidi Levine von der »Washington Post« bei einem Angriff von Siedlern nahe der Ortschaft Abu Falah im Westjordanland Verletzungen. Nach Angaben des Blattes griffen Dutzende maskierte israelische Siedler palästinensische Dorfbewohner an, die Oliven geerntet hätten. Sie hätten Olivenhaine in Brand gesetzt und Steine geworfen.

Levine trug nach Angaben der Zeitung  eine Schutzweste, auf deren Vorder- und Rückseite deutlich »PRESS« zu lesen war. Sie sei zu Boden gestoßen und wiederholt getreten worden. Ihr seien die Kamera sowie das Handy weggenommen worden. Levine habe Schnittwunden am ganzen Körper erlitten. Eine Rippe und vier Wirbel seien gebrochen. Ein Finger sei so aufgerissen worden, dass der Knochen frei gelegen habe.

In einer Erklärung von Netanyahu auf X  heißt es, die Umstände der Auseinandersetzung, bei der Levine angeblich angegriffen worden sei, seien unklar und würden untersucht. Berichten zufolge hätten etwa 200 Araber und linksextreme Aktivisten etwa 40 israelischen Jugendlichen gegenübergestanden. Aufnahmen zeigten maskierte Personen auf beiden Seiten, die mit Gegenständen warfen. Berichten zufolge wurden Feuerwerkskörper auf jüdische Jugendliche abgefeuert.

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Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach internationalem Recht illegal sind. Unter Netanyahu hat Israel den Siedlungsbau im Westjordanland stark vorangetrieben.

Seit dem Großangriff der extremistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich die Lage auch im Westjordanland nochmals deutlich verschärft. Immer wieder werden Palästinenser Ziel von Angriffen durch israelische Siedler.

jah/dpa/AFP