SpOn 19.11.2025
07:55 Uhr

Wehrdienst: Franziska Brantner schlägt freiwilliges Wehrregister für Ältere vor


Die Regierung setzt mit ihrer neuen Wehrpflicht zunächst auf Freiwilligkeit. Reicht das? Die Grünen wollen den Bedarf an Soldatinnen und Soldaten auch mit älteren Freiwilligen decken. Es gehe nicht nur ums Kämpfen.

Wehrdienst: Franziska Brantner schlägt freiwilliges Wehrregister für Ältere vor

Bei den Jüngeren steigt die Zahl der Kriegsdienstverweigerer, noch bevor die verpflichtende Musterung wieder eingeführt wird. Grünenchefin Franziska Brantner bringt nun eine Idee in die Debatte über die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands, die Ältere in den Blick nimmt. In einem Freiwilligenregister könnten sich all jene eintragen, die im Verteidigungsfall dienen wollen.

In ein solches Register könnten ältere Menschen eintragen, welche Fähigkeiten sie im Spannungsfall einbringen könnten, sagte Brantner den Funke-Zeitungen vom Mittwoch. »Wir sollten frühzeitig ein Freiwilligenregister aufbauen. Darauf können wir dann im Ernstfall zurückgreifen«, sagte sie.

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Wenn es zum Verteidigungsfall kommen sollte, müsse die Bundeswehr natürlich wissen, wer von den Jüngeren Wehrdienst leisten kann, sagte die Grünenpolitikerin. »Aber wir werden auch Menschen brauchen, die Drohnen programmieren und steuern, die Logistik verstehen, die Essen für mehr als 1000 Menschen kochen können«, betonte sie. Diese Fähigkeiten seien wichtig und nicht ans Alter gebunden. An diesen Stellen können sich nach Brantners Vorschlag auch ältere Menschen einbringen: »Wir sollten die Möglichkeit schaffen, dass Ältere sich freiwillig melden können und sagen: Das sind meine Fähigkeiten und ich bin bereit, sie einzusetzen.«

»Alle Generationen müssen ihren fairen Anteil leisten«

Brantner setzte ihren Vorschlag auch in den Kontext der Debatte über Generationengerechtigkeit. »Alle Generationen müssen ihren fairen Anteil leisten«, sagte sie. »Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag.«

Der Vorstoß deckt sich mit der Haltung der Grünen-Bundestagsfraktion: Dort sprechen sich viele Abgeordnete für ein allgemeines Gesellschaftsjahr und den Einbezug Freiwilliger nicht nur der jungen Generation aus. Das neue Wehrdienstmodell der schwarz-roten Regierung lehnen die Grünen hingegen ab. Für die Sicherheit des Landes »brauchen wir die Besten für die Bundeswehr, nicht die zufällige Auswahl per Los«, sagte Grünen-Co-Fraktionschefin Britta Haßelmann dem SPIEGEL. Zwar setze der vorliegende Entwurf der Bundesregierung zunächst auf Freiwilligkeit, »auch die Musterung ganzer Jahrgänge ist sinnvoll, aber das jetzt geplante Losverfahren ist eine Zumutung für die junge Generation, es kommt einer Lotterie gleich«, so die Politikerin. Mehr zum Kurs der Grünen bei der Wehrpflicht lesen Sie hier.

Union und SPD hatten sich in der vergangenen Woche auf ein neues Wehrdienstmodell geeinigt. Ab dem Geburtsjahrgang 2008 soll es eine flächendeckende Musterung junger Männer geben. Bei zu niedrigen Freiwilligenzahlen soll der Bundestag eine sogenannte Bedarfswehrpflicht beschließen können, bei der dann auch ein Zufallsverfahren zur Anwendung kommen kann. Das heißt, die Männer, die verpflichtend eingezogen werden, würden per Los bestimmt.

mrc/AFP