SpOn 24.11.2025
17:36 Uhr

Wegovy: Test von Diabetes-Mittel gegen Alzheimer verläuft enttäuschend


Semaglutid wird erfolgreich eingesetzt gegen Diabetes und Adipositas. Aber kann der Wirkstoff von Ozempic und Wegovy auch Alzheimerpatienten helfen? Ein Test verlief enttäuschend, muss der Pharmakonzern Novo Nordisk nun einräumen.

Wegovy: Test von Diabetes-Mittel gegen Alzheimer verläuft enttäuschend

Der Abnehmspritzen-Wirkstoff des Pharmakonzerns Novo Nordisk hat in entscheidenden Studien nicht die erwünschte Wirkung gegen Alzheimer erzielt. Der getestete Wirkstoff Semaglutid, der in der Abnehmspritze Wegovy und dem Diabetesmedikament Ozempic bereits zum Einsatz kommt, erreichte in zwei Phase-III-Studien nicht das Hauptziel.

Eine ältere, oral verabreichte Version des Wirkstoffs habe das Fortschreiten des kognitiven Verfalls bei Alzheimerpatienten nicht verlangsamen können, teilte das Unternehmen mit. »Trotz der geringen Erfolgsaussichten sahen wir uns aufgrund des erheblichen ungedeckten Bedarfs bei der Alzheimer-Krankheit in der Verantwortung, das Potenzial von Semaglutid zu erforschen«, sagte der Forschungschef des dänischen Unternehmens, Martin Holst Lange.

Zwar habe die Behandlung mit Semaglutid in beiden Studien zu einer Verbesserung von relevanten Alzheimer-Biomarkern geführt, teilte Novo Nordisk weiter mit. Dies habe sich aber nicht in einer Verzögerung des Krankheitsverlaufs niedergeschlagen. Die umfangreichen Daten zu Semaglutid belegten jedoch weiterhin den Nutzen für Menschen mit Typ-2-Diabetes, Fettleibigkeit und damit verbundenen Begleiterkrankungen.

Fehlschlag bestätigt Skepsis

Die Ergebnisse sind insofern relevant, als Alzheimer nach dem Erfolg bei Diabetes und Fettleibigkeit einen lukrativen neuen Markt für GLP-1-Medikamente wie Semaglutid eröffnet hätte. Bei dem getesteten Präparat handelt es sich um Rybelsus, eine Pille, die derzeit nur zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen ist. Die Entscheidung, Semaglutid für die Indikation Alzheimer zu untersuchen, basierte laut Novo Nordisk  auf früheren Studien, präklinischen Modellen sowie nachträglichen Analysen aus Studien zu Diabetes und Fettleibigkeit.

Der Fehlschlag bestätigt die Skepsis von Analysten. Die Schweizer Großbank UBS hatte die Erfolgswahrscheinlichkeit auf lediglich zehn Prozent geschätzt. Ein Manager von Novo Nordisk hatte die Studien im September wegen der unsicheren Aussichten bei gleichzeitig hohem Potenzial als »Lotterielos« bezeichnet.

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Die Aktie von Novo Nordisk brach nach der Bekanntgabe um bis zu zehn Prozent ein. Die Papiere des US-Konkurrenten Biogen legten dagegen im vorbörslichen Handel um gut fünf Prozent zu. In den USA sind Leqembi von Biogen und seinem Partner Eisai sowie Kisunla von Eli Lilly die einzigen zugelassenen Medikamente gegen Alzheimer.

Seit Jahresbeginn hat der Aktienkurs des einst wertvollsten Unternehmens Europas an der Börse um 56 Prozent nachgegeben, nachdem er dank des anfänglichen Hypes um Abnehmmedikamente immens gestiegen war. Im Vergleich zum Rekordhoch von Mitte 2024, als die Aktie mehr als 1000 dänische Kronen (etwa 134 Euro) gekostet hatte, sind fast drei Viertel dahin.

Weltweit sind mehr als 55 Millionen Menschen von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen betroffen. Eine Heilung gibt es bislang nicht.

sol/dpa/Reuters