SpOn 28.11.2025
21:26 Uhr

Washington: Mordanklage gegen Tatverdächtigen nach Schüssen auf Nationalgarde


Nach dem Angriff auf zwei US-Nationalgardisten in Washington hat die Staatsanwaltschaft die Anklage verschärft. Der Tatverdächtige muss sich nun wegen Mordes verantworten.

Washington: Mordanklage gegen Tatverdächtigen nach Schüssen auf Nationalgarde

Der Tatverdächtige, der am Mittwoch in Washington, D.C., auf zwei Soldaten der Nationalgarde geschossen haben soll, wird wegen Mordes angeklagt. »Wir stufen den ursprünglichen Anklagepunkt des Totschlags auf Mord hoch«, sagte die Bundesstaatsanwältin des Hauptstadtbezirks District of Columbia (DC), Jeanine Pirro, dem US-Sender Fox News.

Am Mittwoch waren die beiden Nationalgardisten im Zentrum der US-Hauptstadt durch Schüsse schwer verletzt worden. Eine der beiden erlag ihren Verletzungen. Der mutmaßliche Angreifer, ein Afghane, wurde festgenommen.

Er werde in »vielen« weiteren Punkten angeklagt werden, sagte Pirro. Der Angriff sei ein »geplanter Mord« gewesen. Aus dem »Hinterhalt« seien Menschen attackiert worden, »die nicht wussten, was kommt«. Zum Zustand des zweiten bei dem Angriff verletzten Nationalgardisten sagte Pirro: »Wir haben noch Hoffnung.« Er schwebe nach wie vor in Lebensgefahr.

Tatverdächtiger aus Afghanistan

Vor der Bekanntgabe des Todes der Nationalgardistin am Donnerstag (Ortszeit) hatte US-Justizministerin Pam Bondi erklärt, sie plane, die Höchststrafe für den mutmaßlichen Täter zu fordern, sollte eines der Opfer sterben. In diesem Fall würde sie alles in ihrer Macht Stehende tun, »um die Todesstrafe für dieses Monster zu fordern, das niemals in unserem Land hätte sein dürfen«, sagte sie Fox News.

Der Tatverdächtige war laut US-Medienberichten im Jahr 2021 aus Afghanistan in die USA eingereist, nachdem er in seiner Heimat mit dem US-Auslandsgeheimdienst CIA und weiteren Regierungsstellen zusammengearbeitet hatte.

Demnach gehörte er den »Zero Units« an, einer von der CIA unterstützten Gruppe afghanischer Paramilitärs. Diese Einheiten waren für Einsätze gegen die Taliban, das Terrornetzwerk al-Qaida oder die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat zuständig. Berichten zufolge beantragte er 2024 Asyl in den USA, was ihm im April 2025 gewährt worden sei, also bereits während der Amtszeit Trumps.

Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und dort ein sogenanntes Emirat ausgerufen. Behörden zufolge hatte der mutmaßliche Täter zuletzt mit seiner Familie im nordwestlichen US-Bundesstaat Washington gelebt und war quer durch das Land nach Washington gefahren.

Nach dem Schusswaffenangriff kündigte US-Präsident Donald Trump einen Aufnahmestopp für Menschen aus »Dritte-Welt-Ländern« an. Er werde diese Migration »dauerhaft aussetzen, damit sich das US-System vollständig erholen kann«, erklärte er in Onlinediensten.

Trump kündigt Abschiebungen an

Zudem drohte er damit, »Millionen« von Einreisegenehmigungen rückgängig zu machen, die unter seinem Vorgänger Joe Biden erteilt worden waren. Es würden alle Einwanderer ausgewiesen, die ein Sicherheitsrisiko seien oder die nicht mit der »westlichen Zivilisation« vereinbar seien. Trump erklärte außerdem, er werde alle Bundesleistungen für Nicht-US-Bürger beenden.

Die US-Bundespolizei FBI hatte nach dem Angriff Anti-Terror-Ermittlungen eingeleitet. Dabei würden Weggefährten des festgenommenen Verdächtigen in den USA und in seinem Heimatland untersucht, erklärte FBI-Chef Kash Patel. Das Motiv des Angreifers war weiter unklar.

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Der Tatverdächtige sei »einer der vielen nicht überprüften Personen, die im Rahmen der ›Operation Allies Welcome‹ massenhaft in die Vereinigten Staaten gelassen wurden«, hatte Heimatschutzministerin Kristi Noem am Donnerstag erklärt. Damit bezog sie sich auf ein Programm des damaligen US-Präsidenten Biden zur Aufnahme afghanischer Staatsbürger, die vor der Machtübernahme der Taliban mit den USA zusammengearbeitet hatten. Insgesamt reisten nach Angaben des US-Außenministeriums seitdem 190.000 afghanische Staatsbürger in die Vereinigten Staaten ein.

jah/AFP