Laut dem National Transportation Safety Board (NTSB) hätte der tödliche Zusammenstoß zwischen einem Linienflugzeug und einem US-Militärhubschrauber im Januar 2025 verhindert werden können. Der Absturz nahe Washington, D.C. sei »zu 100 Prozent vermeidbar« gewesen, sagte NTSB-Chefin Jennifer Homendy. Empfehlungen ihrer Behörde seien missachtet worden: »Es ist ein Reinfall nach dem anderen«.
Homendy zufolge habe die Zivilluftfahrtbehörde FAA Hubschraubern auf dem Weg zum Ronald-Reagan-Flughafen eine zu knappe Einflugschneise genehmigt. Diese habe zu nah an dem Korridor für Flugzeuge gelegen. Auf Warnungen von Fluglotsen und Empfehlungen, den Helikopterverkehr in dem Gebiet einzuschränken, habe die FAA nicht reagiert. Zudem habe sie zu oft geduldet, dass Hubschrauberpiloten auf Sicht fliegen – nach dem Motto »see and avoid« (sehen und vermeiden).
Dutzende kritische Vorfälle seit 2021
»Wir reden seit mehr als fünf Jahrzehnten über »see and avoid«, sagte Homendy. Bei fast der Hälfte aller Kollisionen in der Luft, die ihre Behörde in den vergangenen 20 Jahren untersucht habe, habe diese Methode zu »Problemen« geführt. Der US-Regierung warf Homendy einen gefährlichen »Fatalismus in Verkehrsfragen« vor. Sie würde »abwarten, bis Leute sterben, bevor sie handelt«.
Laut NTSB sei es seit 2021 mehr als 15.000 Mal vorgekommen, dass Flugzeuge und Helikopter in der Nähe des Flughafens zu nah beieinander flogen. 85 dieser Fälle seien als kritisch eingestuft worden.
Bei dem Unglück im vergangenen Jahr war ein Passagierflugzeug von American Airlines beim Landeanflug auf den Reagan-Flughafen mit einem Militärhubschrauber kollidiert , der auf einem Schulungsflug war. Beide Maschinen stürzten in den Fluss Potomac. 67 Menschen kamen ums Leben, darunter die 64 Flugzeuginsassen und die dreiköpfige Besatzung des Hubschraubers. Es war der erste tödliche Crash einer US-Passagiermaschine seit 16 Jahren.
Bereits Mitte Februar hatten Ermittler erklärt, dass fehlerhafte Instrumente und Kommunikationsprobleme der Grund für den Zusammenstoß gewesen sein könnten. Im August wurde bekannt, dass sich die Höhenangaben auf Messgeräten des Hubschraubers womöglich um mehrere Dutzend Meter von der tatsächlichen Höhe unterschieden. Im Dezember hatte das US-Justizministerium die grundsätzliche Haftung für den Absturz anerkannt.
