Grüne Energien sind auf dem Vormarsch. Während sie allerdings im deutschen Strommix bereits fast 60 Prozent ausmachen, beträgt ihr Anteil im Wärmesektor noch weniger als ein Fünftel.
Das Wärmeplanungsgesetz, das am 1. Januar 2024 in Kraft trat, soll das ändern. Es sieht vor, dass alle Kommunen in Deutschland ein Konzept vorlegen, das Wege zu einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung spätestens im Jahr 2045 aufzeigt. Je nach Größe der Kommune gelten dabei unterschiedliche Fristen: Die großen Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen bereits zum ersten Juni dieses Jahres liefern. Alle übrigen haben zwei Jahre mehr Zeit.
Das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) verfolgt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, wie viele Gemeinden in Deutschland bereits einen Wärmeplan veröffentlicht haben und stellt einen monatlich aktualisierten Datensatz bereit.
Das Kompetenzzentrum recherchiert proaktiv in verschiedenen Quellen den aktuellen Stand, Kommunen müssen sich nicht dort melden, wenn sie mit der Planung fertig sind. Die Zahlen sind laut KWW daher als Mindestangaben zu verstehen. Der tatsächliche Stand der kommunalen Wärmeplanung werde immer etwas höher liegen, aber nicht signifikant höher. Im vergangenen Dezember hatten laut den Daten rund acht Prozent der Kommunen ihre Wärmeplanung bereits abgeschlossen.
In der Landkarte wird ersichtlich, dass der Stand bei der kommunalen Wärmeplanung regional unterschiedlich ist. Besonders Baden-Württemberg sticht durch viele bereits vollendete Pläne hervor. Noch deutlicher wird das, wenn man die Daten für die Flächenländer zusammenfasst.
Manche Bundesländer haben sich bereits frühzeitig ehrgeizigere Ziele gesetzt als im Bundesgesetz vorgesehen. Das Klimaschutzgesetz in Baden-Württemberg etwa verpflichtete alle Stadtkreise und großen Kreisstädte, ihre Wärmeplanung bis Ende 2023 fertigzustellen. Auch müssen baden-württembergische Kommunen bereits bis 2040 klimaneutral in der Wärmeversorgung sein. Einzelne Gemeinden wollen das sogar noch eher erreichen: Tübingen beispielsweise hat sich das Jahr 2030 als ehrgeiziges Ziel gesetzt.
In Schleswig-Holstein mussten bestimmte größere, regional bedeutsame Städte bereits bis Ende 2024 eine Wärmeplanung vorlegen. Auch will das nördlichste Bundesland bereits bis 2040 klimaneutral sein.
Von den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin hat laut den Daten bislang lediglich das zu Bremen gehörende Bremerhaven eine abgeschlossene Wärmeplanung. Allerdings haben alle drei Großstädte bereits vor dem Wärmeplanungsgesetz mit eigenen Konzepten begonnen.
Hamburg etwa legte bereits Anfang 2020 im Hamburgischen Klimaschutzgesetz Regelungen zur Wärmeplanung fest. Gemäß den Vorgaben der Hansestadt sollen dort Wärmenetze im Jahr 2030 bereits zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien oder Abwärme gespeist werden. Das Bundesgesetz sieht zu diesem Zeitpunkt mindestens 30 Prozent vor.
Da die großen Gemeinden bereits dieses Jahr ihre Wärmeplanung abschließen müssen, überrascht es wenig, dass von ihnen besonders viele ihr Konzept schon fertig haben.
Kleine Gemeinden machen in Deutschland den Löwenanteil aus: Gut vier von fünf haben weniger als 10.000 Einwohner. Von den kleinen Gemeinden gehen mindestens 4000 die Wärmeplanung gemeindeübergreifend an. Sie gehören etwa Verbandsgemeinden oder Verwaltungsgemeinschaften an, die in manchen Bundesländern die Wärmeplanung organisieren sollen. Oder aber sie haben sich freiwillig für die Planung zu sogenannten Konvois zusammengeschlossen.
Was steht in den Wärmeplänen?
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat Mitte vergangenen Jahres die bis dahin veröffentlichten 342 Wärmepläne analysiert. Sie sind laut BBSR in Länge und Qualität sehr heterogen. Während Flensburg beispielsweise mit zwölf Seiten auskommt, legt die Verbandsgemeinde Rhein-Mosel ihre Pläne auf 300 Seiten dar. Häufig seien die Ergebnisse der Pläne wegen fehlender Kennziffern und sehr knapper Erklärungen schwer nachzuvollziehen, schreibt das BBSR, und spricht sich für eine stärkere Standardisierung aus.
Was sich aber aus der Analyse der Pläne ersehen lässt: Wärmenetze spielen bei der Planung eine zentrale Rolle. Ihr Anteil soll sich durchschnittlich auf 37 Prozent erhöhen – eine Vervierfachung im Gegensatz zu heute.
Die Kommunen planen außerdem, den Wärmebedarf deutlich zu reduzieren. Im Schnitt gehen sie davon aus, dass jährlich zwei Prozent der Bestandsgebäude energetisch saniert werden. Bislang ist es in Deutschland jährlich nicht mal ganz ein Prozent. Diese Überschätzung der Sanierungen kann zu einer Unterschätzung des Wärmebedarfs führen.
Im Detail weisen die Kommunen aus, welche Straßenzüge von einem Wärmenetz versorgt werden sollen, wo eine dezentrale Versorgung – meist durch Wärmepumpen – geplant ist und wo sie noch prüfen müssen, welche Lösung sich am besten eignet. Wo genau diese Planungsgebiete liegen und ob die Bevölkerung vor Ort die geplanten Veränderungen voraussichtlich überhaupt leisten kann, hat die Stiftung Klimaneutralität für 15 Beispielkommunen analysiert. Die Ergebnisse liegen dem SPIEGEL exklusiv vor. Lesen Sie hier , wie gut Städte und Gemeinden die Wärmewende umgesetzt haben.
