SpOn 07.03.2026
21:38 Uhr

WM-Qualifikation: DFB-Fußballerinnen gewinnen hoch in Norwegen


In Norwegen muss Deutschlands Torhüterin Ann-Katrin Berger ordentlich einstecken, hält ihr Tor aber sauber. So gelingt dem DFB die perfekte Länderspielwoche – auch dank der starken Chancenverwertung.

WM-Qualifikation: DFB-Fußballerinnen gewinnen hoch in Norwegen

Dahin, wo es wehtut: In der Nachspielzeit lag Ann-Katrin Berger am Boden. Nicht zum ersten Mal, auch nicht zum zweiten. Die deutsche Torhüterin hatte das ganze Spiel über immer wieder behandelt werden müssen. Nach Kollisionen aller Art, auch mal, weil Norwegens Julie Blakstad ihren Arm ausfuhr und Berger am Hals traf – aber erst, nachdem Berger per Abwurf den 4:0-Endstand durch Jule Brand mit eingeleitet hatte (58.).

Ann-Katrin Berger bei einer von zahlreichen Behandlungspausen an der Seitenlinie

Ann-Katrin Berger bei einer von zahlreichen Behandlungspausen an der Seitenlinie

Foto: Marius Simensen / Bildbyran / IMAGO

Berger stand wieder auf, einmal, zweimal, dreimal, viermal, hatte zum Schluss Glück, dass Sarai Linder ihr mit einer Klärungsaktion vor der Torlinie aushalf (90.+4). Aber parierte auch jede Großchance, ob von Frida Maanum (57.) oder Caroline Graham Hansen (71.). »Mir geht's gut«, versicherte Deutschlands Nummer eins nach dem Spiel. »Wir haben zu null gespielt, da muss es einem immer gut gehen.«

In Stavangers Viking-Stadion war Berger an diesem Abend die respekteinflößendste Präsenz, das Lob für das Ergebnis reichte auch Bundestrainer Christian Wück gleich weiter: »Da müssen wir uns bei Anne bedanken, dass wir da zu null gespielt haben.«

Das Ergebnis: 4:0 (3:0) setzen sich die DFB-Fußballerinnen beim vermeintlich aussichtsreichsten Gruppengegner in Norwegen durch. Die WM-Qualifikation ist damit zwar erst zu einem Drittel absolviert. Im Anschluss an den 5:0-Kantersieg über Slowenien zum Auftakt darf aber schon jetzt die Frage erlaubt sein, was für das Team von Bundestrainer Christian Wück auf dem Weg zur Endrunde 2027 in Brasilien noch schiefgehen soll.

In neuer, alter, bester Rolle: Die deutsche Fußball-Öffentlichkeit hatte Carlotta Wamser 2025 als Verteidigerin kennengelernt, die sich beherzt der Nachfolge von Kapitänin Giulia Gwinn annahm, als deren EM-Teilnahme ob einer Innenbandverletzung ein jähes Ende fand. »Eine unheimlich körperliche Spielerin« hatte Wück sie damals genannt, »sie bringt Dynamik rein«.

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Vor allem aber hatte Wamser lange im Sturm gespielt. Mittlerweile glänzt die 22-Jährige in einer Zwischenrolle im Mittelfeld: Im Rückwärtsgang unterstützt Wamser die längst genesene Gwinn. Vorne taucht sie auch schon mal im Strafraum auf – wie gegen Norwegen in der Nachspielzeit von Hälfte eins, als Wamser mit der Fußaußsenseite ein Endemann-Zuspiel über die Linie schubste (45.+1). »Wir haben von Anfang alles reingeschmissen und auch mal nicht so viele Chancen gebraucht, um Tore zu machen«, sagte Wamser nach Abpfiff. Gelernte Stürmerin eben.

Die Endemann-Show: Apropos Endemann-Zuspiel. Müsste man eine Gewinnerin der Länderspielpause küren, es wäre wohl die Stürmerin des VfL Wolfsburg, Vorname Vivien. Schon gegen Slowenien hatte die 24-Jährige Tor und Vorlage beigesteuert. Im norwegischen Stavanger knüpfte Endemann nahtlos an ihre Topform an, traf früh den Außenpfosten (7.) und ließ ihrer Vorlage für Wamser nur zwei Minuten später einen eigenen Treffer folgen (45.+3), nachdem Nicole Anyomi einen norwegischen Fehlpass aufgesammelt und weitergeleitet hatte. Einen zweiten Assist sammelte Endemann vor Brands Treffer, nur am Führungstor von Elisa Senß (18.), die mit einem satten Linksschuss vorgelegt hatte, war Endemann nicht beteiligt.

Vivien Endemann betrieb Eigenwerbung gegen Norwegen und Slowenien

Vivien Endemann betrieb Eigenwerbung gegen Norwegen und Slowenien

Foto: HMB Media / Madeleine Fantini / HMB-Media / IMAGO

Wer hat Angst vorm Kunstrasen? Im Norden ist es kalt, das Grün, auf dem gespielt wird, oft nicht echt. In der Champions League der Männer hatte zuletzt der FK Bodø/Glimt manchen Gegner mit ihrem ungewohnten Geläuf genervt, auch im (noch einmal deutlich südlicher gelegenen) Stavanger ist Kunstrasen der Standard. Dass es die DFB-Auswahl in ihrem Kombinationsspiel irritiert hätte, war trotz eines kleinen Durchhängers nach der Pause nicht auszumachen. Auch die Lichtshow in der Halbzeitpause, partytauglich untermalt vom Avicii-Hit »Levels«, konnte der Konzentration nichts anhaben.

Willkommen im Team: So blieb aus der zweiten Hälfte vor allem ein Debüt im Kopf: Jella Veit, für die verletzte Sophia Kleinherne in den Kader nachgerückt, feierte ihre DFB-Premiere. Präziser: Ihre DFB-Premiere im A-Team, die Frankfurterin blickt auf 58 (!) Einsätze für die deutschen U-Teams zurück.

Österreich ist vorgewarnt: Gemma Graingers Norwegerinnen waren für die deutsche Elf also auch kein Maßstab, trotz des Heimvorteils. Als nächster Stolperstein darf sich der letzte Gruppengegner Österreich versuchen: Am 14. April in Deutschland, am 18. April dann in der Alpenrepublik. Der Kontrast könnte größer nicht sein: Nach der 0:1-Niederlage gegen Slowenien sind die ÖFB-Frauen noch punkt- und torlos.