SpOn 13.02.2026
13:05 Uhr

Vitruvianischer Mensch von Leonardo da Vinci: Empörung über »zensiertes« Kunstwerk in RAI-Olympia-Clip


Im Olympiavorspann des italienischen Fernsehens ist der berühmte »Vitruvianische Mensch« von Leonardo zu sehen. Allerdings mit digital ausradierten Genitalien. Die Opposition schäumt, die Rai findet die Kontroverse fadenscheinig.

Vitruvianischer Mensch von Leonardo da Vinci: Empörung über »zensiertes« Kunstwerk in RAI-Olympia-Clip

Der italienische öffentlich-rechtliche Fernsehsender Rai steht wegen der Darstellung von Leonardo da Vincis »Vitruvianischem Menschen« in der Kritik. Ursache der Empörung ist der retuschierte Genitalbereich des Kunstwerkes. In einem Vorspann zu den Livesendungen der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo ist die originale Zeichnung in einer Animation nicht vollends originalgetreu – sondern ohne Penis und Hoden dargestellt.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Umstand, der die stolze Kulturnation erzürnt – und nun zum Politikum wird: Die stärkste italienische Oppositionspartei Partito Democratico (PD) stellte eine parlamentarische Anfrage an Kulturminister Alessandro Giuli, um zu klären, ob für den Sender die Nutzung des Bildes autorisiert war und ob Änderungen am Original zulässig gewesen seien. Erhitzte Gemüter gibt es zudem aufseiten der oppositionellen Fünf-Sterne-Bewegung. Der Vorfall sei die »rückständigste Wohnzimmerzensur, weil die Führungsspitze der RAI offenbar fürchtet, ein Penis könne Anstoß erregen«, so die linkspopulistische Partei.

Der Rundfunkkonzern hingegen wies sämtliche Vorwürfe unlängst in einer Mitteilung von sich und sprach von einer »an den Haaren herbeigezogenen Kontroverse«. Vorspann und Grafikpaket stammten von Olympic Broadcasting Services , dem offiziellen Produktionsdienst des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Alle Sender müssten die Inhalte unverändert ausstrahlen, dementsprechend könne Rai »diese Inhalte wie jeder andere Sender auch in keinster Weise verändern«.

Ursächlich für die Zensur könnten die Richtlinien des IOC sein, die »explizit sexuelle Inhalte« strengstens untersagen. Keiner der übertragenden Sender ist allerdings verpflichtet, den Clip der Olympic Broadcasting Services (OBS) zu verwenden.

ARD und ZDF haben für ihre Olympia-Berichterstattung im linearen Fernsehen eigene Vorspänne produziert, wie die Sender auf SPIEGEL-Anfrage mitteilten. »Bei unseren täglich bis zu sieben parallelen Online-Livestreams übernehmen wir vollständig das Signal von OBS. Je nach Einstiegs-Zeitpunkt war in einzelnen Streams anfangs kurz auch der OBS-Vorspann zu sehen«, sagt ein Sprecher des für Olympia bei der ARD federführenden Bayerischen Rundfunks. Beim ZDF verhält es sich im Streamingportal des Senders ähnlich.

Mehr zum Thema

Die Rai geriet bereits bei der Übertragung der Eröffnungsfeier in die Kritik: Sportchef Paolo Petrecca hatte unter anderem die bekannte italienische Schauspielerin Matilda De Angelis mit US-Star Mariah Carey verwechselt. Als Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella eingeblendet wurde, hielt der Kommentator die danebenstehende IOC-Präsidentin Kirsty Coventry für Mattarellas Tochter Laura. Einige Sportjournalisten streikten sogar einen Tag aus Protest gegen den Ministerpräsidentin Giorgia Meloni politisch nahestehenden Sportchef.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Meldung mit den Statements der deutschen Sender ergänzt.

feb/sid