Keine Fragen mehr offen: Domen Prevc dominierte schon das Auftaktspringen in Oberstdorf derart klar, dass seine Konkurrenten darauf hoffen mussten, dass der Slowene am Neujahrstag arg verkatert an der Schanze aufschlägt. Obwohl ihn zurzeit wohl nicht mal das vom Siegen abhalten würde. Wenn er dann noch offensichtlich ausgeschlafen und nüchtern antritt, ist er nicht zu schlagen. In Garmisch-Partenkirchen segelte der 26-Jährige auf 143 und 141 Meter, die Vierschanzentournee hat erst Halbzeit, aber es rechnet niemand mehr mit einem Gesamtsieger, der nicht Domen Prevc heißt.
Ergebnis: Prevc gewinnt das Neujahresskispringen vor dem Österreicher Jan Hörl, der aber mehr als 15 Punkte auf den Slowenen einbüßte. Auf Rang drei kam Hörls Landsmann Stephan Embacher. Die deutschen Hoffnungsträger zeigten einen starken Auftritt, Felix Hoffmann wurde Sechster und landete damit einen Platz vor Philipp Raimund. Hier geht’s zur Meldung.
Die Gesamtwertung: Wird natürlich von Prevc dominiert. Hinter ihm liegt Jan Hörl auf Rang zwei, es wäre übertrieben, wenn man behaupten würde, er lauert angesichts von 35 Punkten (rund 20 Metern) Rückstand. Hoffmann ist nach zwei Springen Vierter, Raimund Sechster. Das Podest ist für beide noch möglich.
Mit Lachen in Richtung Gesamtpodest? Felix Hoffmann ist in starker Form
Foto: Philipp Guelland / AFPVorwürfe und ein Foto: Während auf der Schanze vor 22.000 Zuschauern alles seinen fast schon gewohnten Gang ging, sorgte im Vorfeld eine Geschichte aus Norwegen für Aufsehen. Norwegische Medien, unter anderem das »Dagbladet« veröffentlichten ein Foto der Bindung des Österreichers Manuel Fettner. Die sieht in der Tat leicht anders aus als andere Bindungen, weshalb das Blatt spekulierte: Die Bindung sei »selbstgemacht«, »verdächtig« und möglicherweise »illegal«.
Der nächste Skandal? Mitnichten! Der Weltverband Fis stellte schnell fest, dass Fettners Bindung regelkonform ist. »Viel Lärm um nichts«, sagte ein Fis-Sprecher am Silvestertag der österreichischen Nachrichtenagentur APA. »Diese Bindung ist adaptiert worden, weil Manuel Fettner einen anderen Sprungschuh als alle anderen hat. Diese Änderung war notwendig, damit es überhaupt funktioniert für seinen Schuh. Es gibt keinen Vorteil«, erklärte Österreichs Trainer Andi Widhölzl.
Um seine Bindung ging es: Manuel Fettner
Foto: GEPA pictures / Thomas Bachun / IMAGONicht begeistert: Dass die Vorwürfe ausgerechnet in norwegischen Medien gestreut wurden – rund zehn Monate nachdem norwegische Sportler mit ihrer Manipulation der Sprunganzüge aufgeflogen sind – sorgt für Ärger. »Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn man selbst betrogen hat und das dann anderen unterstellt. Das ist nicht unbedingt die beste menschliche Art. Das gehört sich einfach nicht«, sagte der deutsche Springer Karl Geiger am Silvestertag, als er sich nach der Quali den Medien stellte. »Es ist ein bisschen traurig, wenn die Medien das nicht prüfen, sondern direkt publizieren«, sagte Fettner, um dessen Bindung es ja ging. Und Vorjahressieger Daniel Tschofenig fand die Situation »eigentlich zum Lachen«. Tschofenig meinte ebenfalls, er wisse, wer das Foto gemacht und an die Medien geschickt habe. Verraten will er das allerdings nicht, die Aufregung sei auch so groß genug.
Es wird nicht ruhiger: Feine Ironie der Geschichte: Bei der Qualifikation wurde unter anderem der Norweger Halvor Egner Granerud disqualifiziert. Grund: ein nicht regelkonformer Anzug. Und bei den Frauen flog dessen Landsfrau Anna Odine Strøm beim ersten Springen der Two Nights Tour aus der Wertung, weil sie eine zweite Sohle im Socken hatte. Der norwegische Verband reichte nun ein Attest nach, das begründen soll, warum es diese Maßnahme braucht. Zur Ruhe kommt das Team nicht.
Die Routiniers: Weniger aufregend am Neujahrstag: die Leistungen der Routiniers Andreas Wellinger und Karl Geiger. Sie zeigten sich zwar im Vergleich zu Oberstdorf verbessert, den Finaldurchgang aber verpassten sie dennoch. »Das Fazit ist nicht gut, nicht schlecht. Von der Sprungqualität her habe ich gedacht, dass mehr rauskommt«, sagte Wellinger. An die Leistungen der erneut starken Raimund und Hoffmann kommen die beiden erfahrenen Springer zurzeit nicht annähernd ran.
Karl Geiger in Garmisch-Partenkirchen: Verbessert, aber kein zweiter Durchgang
Foto: Daniel Karmann / dpaRote Karte: Für Aufsehen sorgte dagegen erneut Timi Zajc. Der Slowene wurde in Oberstdorf kurz nach dem Springen disqualifiziert, weil sein Anzug nicht regelkonform war. So verlor er seinen Podiumsplatz, Hoffmann rückte nach. Jetzt dachte man, in Garmisch-Partenkirchen würden der Slowene und sein Team sehr genau aufpassen. Doch genau das passierte offenbar nicht, Zajc wurde erneut disqualifiziert. Für zwei Verfehlungen gibt es seit dieser Saison eine Rote Karte, Zajc fehlt nun also auch bei den Springen in Innsbruck und Bischofshofen.
So geht’s weiter: Der Freitag ist Ruhetag, am Samstag geht es in Innsbruck dann um die Qualifikation, am Sonntag um den nächsten Tagessieg. Hoffmann und Raimund schielen Richtung Podest, während Prevc den dritten Sieg im dritten Springen will. Mit dabei sein werden übrigens auch die formschwachen Geiger und Wellinger, die sich über Wettkämpfe in Olympiaform bringen wollen. Zuvor war spekuliert worden, die beiden könnten aus der Tournee aussteigen. Wellinger aber verneinte, solange ihn der Bundestrainer mitnimmt, werde er auch mitspringen: »Ich stelle mich der Herausforderung.«
