SpOn 03.01.2026
09:34 Uhr

Verkehrssicherheit: Tempo 30 in Städten bremst das Unfallrisiko, erhöht die Fahrzeit aber kaum


Helsinki, Graz, Edinburgh: In diesen Städten dürfen Autos in vielen Straßen nur 30 Kilometer pro Stunde fahren. Das führe zu mehr Lebensqualität, sagt die Björn-Steiger-Stiftung und fordert mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Verkehrssicherheit: Tempo 30 in Städten bremst das Unfallrisiko, erhöht die Fahrzeit aber kaum

Zwölf Monate lang starb in Helsinki kein Mensch im Verkehr. Niemand kam um, während er mit dem Auto zur Arbeit fuhr oder zu Freunden radelte – zwischen dem Sommer 2024 und dem Sommer 2025. Finnische Verkehrsplaner führen den Erfolg besonders auf Geschwindigkeitsbegrenzungen zurück: Auf mehr als der Hälfte der Straßen in der finnischen Hauptstadt gilt Tempo 30.

Was in Helsinki gelingt, klappt auch woanders: Tempo 30 auf Straßen führt laut einer Untersuchung der Björn-Steiger-Stiftung zu weniger Unfällen, und in der Regel dauert die Fahrt trotz geringerer Geschwindigkeit kaum länger. Das zeigen demnach Studien aus Orten, deren Innenstädte in Teilen Tempolimits haben, etwa Berlin, Belfast, Graz, London, Toronto und Helsinki. Die Stadt Graz in Österreich habe bereits 1992 als erste europäische Großstadt beschlossen, dass auf 80 Prozent ihres Straßennetzes nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde (km/h) gefahren werden dürfe.

Über die Björn-Steiger-Stiftung

Die Björn-Steiger-Stiftung geht auf Björn Steiger zurück, einen Jungen aus Winnenden (Baden-Württemberg), der am 3. Mai 1969 infolge eines Verkehrsunfalls stirbt. Der damals Achtjährige wird auf dem Nachhauseweg von einem Pkw angefahren – er ist tot, bevor der Rettungswagen das Krankenhaus erreicht. Seine Eltern gründen noch im selben Jahr die Stiftung, die sich seither im Bereich der Rettungsmedizin engagiert.

Die Wahrscheinlichkeit einer tödlichen Verletzung ist laut der Björn-Steiger-Stiftung deutlich niedriger bei reduzierter Geschwindigkeit: Prallt ein Auto mit etwa 25 km/h gegen einen Fußgänger, liegt sie bei nur 3,5 Prozent. Ist das Auto 49,9 km/h schnell, endet der Unfall in 37 Prozent der Fälle tödlich.

In Graz sei beispielsweise die Zahl der Unfälle zwei Jahre nach Einführung der Regelung um zwölf Prozent zurückgegangen. Im italienischen Bologna ein Jahr nach Beginn des Tempolimits im Großteil des Stadtgebiets um 13 Prozent. In der schottischen Stadt Edinburgh sei die Zahl bei Unfällen mit verletzten Menschen innerhalb von drei Jahren um 43 Prozent gesunken. In allen betrachteten Städten nahm demnach die Zahl der Unfälle, Verletzten und Getöteten ab.

Sind Autofahrer länger unterwegs, wenn nur noch 30 erlaubt sind? Die Studie verweist auf eine Auswertung von GPS-Daten im Vereinigten Königreich, wonach sich die Fahrtzeiten nach der Einführung in Wohngegenden um drei Prozent und im Stadtzentrum um fünf Prozent erhöhten. Das entspreche einer Zunahme der Reisezeit von weniger als einer Minute auf einer fünf Meilen (etwa acht Kilometer) langen Strecke.

»Insgesamt erweist sich die Einführung von Tempo 30 als wirkungsvoller Hebel für die Stadtentwicklung«, sagt der Leiter der Björn-Steiger-Unfallforschung, Siegfried Brockmann. »Sie verbessert die Verkehrssicherheit, reduziert Emissionen und Lärmbelastung und steigert gleichzeitig die Lebensqualität.« Brockmann fordert die Städte in Deutschland auf, die Möglichkeiten der Straßenverkehrsordnung konsequenter zu nutzen: »An hochfrequentierten Schulwegen und vor Zebrastreifen muss grundsätzlich Tempo 30 gelten.«

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Das Umweltbundesamt hatte in einer Studie von 2023 festgestellt, »Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit einzuführen« sei sinnvoll: Es führe zu weniger Lärm und mehr Sicherheit. 2024 bekamen Städte und Gemeinden vom Bund mehr Spielraum für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen. Eine flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 innerorts ist aber in der Regel nicht vorgesehen.

jml/dpa