SpOn 13.01.2026
12:22 Uhr

Verhalten von Tieren: Gleichgeschlechtlicher Sex kann Primaten beim Überleben helfen


Sex zwischen Tieren des gleichen Geschlechts gibt es bei vielen Primaten. Eine neue Studie legt nahe: Er ist vorteilhaft, um unter schwierigen Bedingungen klarzukommen und soziale Konflikte zu lösen.

Verhalten von Tieren: Gleichgeschlechtlicher Sex kann Primaten beim Überleben helfen

Sex zwischen Tieren des gleichen Geschlechts gibt es oft, auch bei Primaten. Trotzdem wissen Forschende bisher wenig darüber. Nun zeigt eine Studie, die im Fachmagazin »Nature Ecology and Evolution«  erschienen ist: Das Verhalten könnte eine wichtige Rolle im Sozialgefüge und für das Überleben der Tiere spielen.

Die Studienautorinnen und -autoren haben das Sexualverhalten von rund 500 Arten von Menschenaffen, Affen und anderen nicht-menschlichen Primaten untersucht. Das Team schaute sich zahlreiche wissenschaftliche Berichte zu dem Thema an und fand Hinweise auf gleichgeschlechtliches Verhalten bei 59 von 491 Affenarten. Bei 23 dieser Arten kam es wiederholt zu Sex oder intimen Handlungen zwischen Tieren gleichen Geschlechts. Dokumentiert war etwa, dass sich die Tiere besteigen, an den Geschlechtsteilen berühren oder Oralsex haben.

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»Viele Menschen haben gleichgeschlechtliches Verhalten lange Zeit als Zufall, als selten oder als etwas angesehen, das nur bei Zootieren vorkommt«, sagte Co-Autor Vincent Savolainen , Evolutionsbiologe am Imperial College London, gegenüber »Nature« . Aber »es ist Teil des normalen Soziallebens von Primaten«.

Sex für soziale Stabilität

Die Studie legt nahe, dass gleichgeschlechtliches Sexualverhalten bei wilden Tieren helfen kann, mit schwierigen Lebensbedingungen, Bedrohungen durch Feinde oder komplexen sozialen Hierarchien umzugehen. So fand das Autorenteam zum Beispiel heraus, dass gleichgeschlechtliches Sexualverhalten häufiger bei Arten wie Berberaffen vorkommt, die in rauen oder trockenen Umgebungen mit wenig Nahrung leben. Auch zeigte es sich häufiger bei Arten, die ein hohes Risiko hatten, von Fressfeinden angegriffen zu werden, dazu zählen Grünmeerkatzen, sowie bei jenen, die lange leben wie Schimpansen.

Die Ergebnisse könnten helfen, neue Ideen über das Verhalten von Menschen zu entwickeln, hoffen die Studienautoren. Inwiefern sie sich auf den Menschen übertragen lassen, ist unklar.

Isabelle Winder  von der Bangor University schreibt in einem die Studie begleitenden Artikel , die Arbeit trage dazu bei, die komplizierte Entwicklung von »menschlich wirkenden« Verhaltensweisen besser zu verstehen.

Auch für sie zeigt die Studie, dass gleichgeschlechtliches Sexualverhalten bei Primaten oft kein Zufall ist, sondern Teil sozialer Strategien sein kann. In einigen Fällen trägt es zur sozialen Stabilität bei und kann so das Überleben der Gruppe unterstützen, so die Forscher. Es sei jedoch nur einer von mehreren Faktoren, die das komplexe Sozialleben beeinflussen.

alw