SpOn 09.12.2025
11:00 Uhr

Verdi und Klima-Allianz: Studie prangert Arbeitsbedingungen für Bus- und Bahnfahrer an


Bis 2030 geht rund ein Drittel aller Fahrer im Nahverkehr in den Ruhestand. Neue Fachkräfte werden gesucht, doch die Arbeitsbedingungen sind laut einer Untersuchung von Ver.di und der Klima-Allianz äußerst unattraktiv.

Verdi und Klima-Allianz: Studie prangert Arbeitsbedingungen für Bus- und Bahnfahrer an

Unter Bus- und Bahnfahrern im Nahverkehr zeichnet sich eine drastische Fachkräftelücke ab: Bis 2030 werden Schätzungen zufolge  rund 30 Prozent und bis 2035 knapp 50 Prozent der rund 130.000 Beschäftigten altersbedingt ausscheiden. Manche Unternehmen dünnen ihre Fahrpläne wegen fehlenden Fahrpersonals bereits aus. Die Verkehrsgesellschaften buhlen um Nachwuchs, doch ein wirklich attraktives Arbeitsverhältnis können sie ihm dabei laut einer Studie bislang nicht bieten.

Für die Beschäftigten herrschten äußerst unattraktive Arbeitsbedingungen, heißt es in der Erhebung der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Klima-Allianz, die das Strategieunternehmen KCW Consultants erstellt hat. Die Autoren haben nach eigenen Angaben erstmals systematisch die tarifvertraglichen Arbeitsbedingungen der Tarifbeschäftigten im Fahrdienst analysiert. Folge seien Personalmangel, Ausfälle, hohe Fluktuation.

Forderungen in Milliardenhöhe

Zu den Gründen für die unattraktiven Arbeitsbedingungen zählten überlange und geteilte Schichten, unbezahlte Pausen, häufig wechselnde Arbeitszeiten und Dienstorte. So seien beispielsweise im Dienstplan oft längere Pausen als gesetzlich vorgeschrieben vorgesehen. Allein diese zusätzlichen Wartezeiten summierten sich im Schnitt auf zweieinhalb Wochen unbezahlte Arbeit, heißt es.

Die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Christine Behle appellierte, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu verbessern. Dies sei »unverzichtbar, um Personalengpässe zu überwinden, Krankenstände zu senken und die Attraktivität des Berufs zu sichern«. Stefanie Langkamp von der Klima-Allianz teilte mit, ein verlässlicher, sicherer und attraktiverer Nahverkehr sei möglich und beginne bei den Arbeitsbedingungen für das Fahrpersonal: »Gute Arbeit ist der schnellste Hebel für gute Mobilität und echten Klimaschutz.«

Um die Beschäftigten zu entlasten, sollten Pausenzeiten begrenzt werden, Schichtbeginn und Schichtende sollten am selben Ort stattfinden, verlangen die Auftraggeber der Studie. Wenn der Beruf attraktiver werde, rechnen sie vor, könnten auch Kosten eingespart werden, weil weniger Beschäftigte krank seien. Für die geforderten Verbesserungen seien sieben Prozent oder 1,76 Milliarden Euro zusätzliche Mittel im Verhältnis zum heutigen Gesamtbudget des Nahverkehrs nötig.

Manche Verkehrsgesellschaft hat derweil längst andere Schritte eingeleitet – und setzt auf Senioren hinter dem Steuer. So hat beispielsweise die Rheinbahn in Nordrhein-Westfalen das Programm »Weiterfahrt« entwickelt, bei dem berufserfahrene Rentner zu angespannten Zeiten auch weiterhin Busse und Bahnen steuern. Im konkreten Fall sind abrufbare Einsätze ab 15 Stunden pro Monat vorgesehen.

apr