SpOn 15.12.2025
04:08 Uhr

Verbrenner-Aus: Ökonomen kritisieren Aufweichung der EU-CO₂-Regeln


Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen warnt vor der Aufweichung der CO₂-Regeln in der EU für Neuwagen: Die Abkehr vom Verbrenner-Aus löst laut Monika Schnitzer kein Problem der Autoindustrie. Und sende widersprüchliche Signale an die Branche.

Verbrenner-Aus: Ökonomen kritisieren Aufweichung der EU-CO₂-Regeln

Führende Ökonominnen und Ökonomen haben die absehbare Lockerung der CO₂-Vorgaben für Neuwagen in der EU scharf kritisiert. Die Abkehr vom sogenannten Verbrenner-Aus löse weder die aktuellen Probleme der Hersteller noch sichere sie Industriejobs in Deutschland, sagte die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, die Volkswirtin Monika Schnitzer.

Der »Süddeutschen Zeitung« sagte sie außerdem : »Würde man diese Arbeitsplätze retten, wenn man das Verbrenner-Aus jetzt verschiebt? Ich fürchte, das Gegenteil ist der Fall.«

Voraussichtlich am Dienstag sollen in Brüssel die Pläne vorgestellt werden, welche Autos ab 2035 noch in der EU zugelassen werden können. Dass das Komplett-Verbot für Verbrenner fallen dürfte, ist schon seit Monaten absehbar, auch die Bundesregierung hatte sich dafür eingesetzt.

Widersprüchliche Signale für die Industrie

Schnitzer sieht es überaus skeptisch, dass die Industrie widersprüchliche Signale erhalte, zumal viele Unternehmen längst investiert hätten. »Wenn es jetzt also heißt, die Deutschen hätten bei den Verbrennern einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, kann ich nur sagen: kurzfristig vielleicht«, sagte Schnitzer. »Aber heute nutzt auch niemand mehr ein Tastenhandy.«

Auch die Ökonomen Thomas Puls vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen IMK und Anita Wölfl vom Münchner Ifo-Institut äußerten sich skeptisch. »Ich halte das alles vor allem für eine Symboldebatte: E-Autos und Plug-in-Hybride werden bis 2035 für die allermeisten Anwendungen sowieso das bessere Produkt sein«, sagte Puls.

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Das Problem der deutschen Hersteller sei auch weniger das Verbrenner-Aus, sondern eher der technische Rückstand, zum Beispiel bei den Batteriezellen, fügte Dullien an. »Deshalb kann man sich schon die Frage stellen, welches Interesse die Manager in den Autokonzernen verfolgen: Wollen sie kurzfristig möglichst hohe Gewinne machen oder arbeiten sie im langfristigen Interesse der Industrie und der Beschäftigten?«

Eine zweigleisige Strategie zwischen E- und Verbrenner-Fahrzeugen hätten Konzerne schon zu lange gefahren, kritisierte Wölfl. »Das lohnt sich aber auf Dauer nicht.« Die meisten Hersteller investierten deshalb schon jetzt nicht mehr in Benziner und Diesel. »Woher sollten also in den nächsten Jahren plötzlich neue Verbrenner-Modelle kommen?«

jon/AFP