SpOn 01.12.2025
07:24 Uhr

Verband der Familienunternehmer: SPD und CDU befürworten Rückzieher bei AfD-Kurs


Der Verband der Familienunternehmer macht nach heftigem Widerstand einen Rückzieher bei seiner Haltung zur AfD. Politiker von CDU und SPD begrüßen die Kurskorrektur. Sie sehen allerdings die Glaubwürdigkeit beschädigt.

Verband der Familienunternehmer: SPD und CDU befürworten Rückzieher bei AfD-Kurs

Für seine Haltung zur AfD bekam der Verband der Familienunternehmer scharfe Kritik, nun legt Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermanner eine Kehrtwende hin und erhält positive Rückmeldungen. Politiker von CDU und SPD äußern sich erleichtert.

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Dennis Radtke, sieht eine Wirkung des öffentlichen Drucks: »Drohender Mitglieder- und Einnahmeverlust scheint bei Unternehmern zu wirken«, sagte Radtke dem »Handelsblatt« . »Ich freue mich jedenfalls, dass so viele Farbe bekannt und sich von dieser fatalen Entscheidung distanziert haben«, fügte der Europaabgeordnete hinzu.

Radtke erklärte, dass in erster Linie die Mitgliedsunternehmen bewerten müssten, ob dieser Kurswechsel glaubhaft sei.

Fehler eingeräumt

Vergangene Woche hatte der Verband der Familienunternehmer mitgeteilt, dass er ein »Kontaktverbot« zur AfD aufgehoben habe, und damit viel Widerstand ausgelöst. Am vergangenen Sonntag lenkte der Interessenverband ein: Die Einladung von AfD-Abgeordneten zu einem parlamentarischen Abend sei ein Fehler gewesen, teilte die Verbandspräsidentin am Sonntag mit.

Lob kommt auch von der SPD: Thüringens Innenminister Georg Maier äußerte sich anerkennend zu dem Kurswechsel, bezeichnete es gegenüber dem »Handelsblatt« jedoch als einen »schweren Fehler der Verbandsspitze, sich der AfD anzunähern und damit der Normalisierung einer völkisch-nationalistischen Partei Vorschub zu leisten.«

Maier sagte, es sei »ein ermutigendes Zeichen, dass die Mitgliedsunternehmen den Irrweg der Präsidentin gestoppt haben.« Demokratie und Weltoffenheit seien wesentliche Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft. Diese gelte es zu verteidigen.

DER SPIEGEL

Maier äußerte die Hoffnung, dass sich nun auch die Industrie- und Handelskammern diesbezüglich klar positionieren. »In Thüringen verstecken sich beispielsweise die IHKen hinter dem Gebot der parteipolitischen Neutralität, um einer klaren Abgrenzung zur AfD aus dem Weg zu gehen«, sagte der Minister.

Die IHK Südthüringen in Suhl zeige sich sogar offen gesprächsbereit, »obwohl die AfD mit ihrem Anti-Euro-Kurs dem exportorientierten Thüringer Mittelstand schweren Schaden zufügen würde.«

Zuvor hatte es an der Haltung des Familienunternehmerverbands zur AfD starke Kritik gegeben: Mitglieder wie die Drogeriekette Rossmann, der Küchengerätehersteller Vorwerk und das Hamburger Getränkeunternehmen Fritz-Kola traten aus dem Verband aus. Auch Politik und Wissenschaftler lehnten den neuen Kurs ab.

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Am Sonntagabend hatte Verbandspräsidentin Ostermann verkündet: Die Einladung von AfD-Abgeordneten zu dem parlamentarischen Abend habe sich »als Fehler erwiesen«, teilte sie auf der Webseite des Verbands mit. »Wir distanzieren uns von Extremisten und lassen uns von ihnen nicht vereinnahmen.«

Es gelte nun, »andere Wege der Auseinandersetzung finden, wie wir der AfD kritisch begegnen und gleichzeitig deutlich machen können, wofür wir stehen«, fügte Ostermann hinzu.

Welche Unternehmen und Verbände weiterhin Kontakte zur rechtsextremen AfD knüpfen, lesen Sie hier .

tin/AFP