SpOn 04.01.2026
02:57 Uhr

Venezuela nach dem US-Angriff: Donald Trump brüskiert Nobelpreisträgerin Maria Corina Machado


Maria Corina Machado hatte nach dem US-Angriff in Venezuela von einer »Stunde der Freiheit« gesprochen. Doch Donald Trump hält von einer führenden Rolle für die konservative Oppositionelle offenbar wenig.

Venezuela nach dem US-Angriff: Donald Trump brüskiert Nobelpreisträgerin Maria Corina Machado

Wie geht es weiter in Venezuela nach dem militärischen Eingreifen der USA und der Absetzung von Staatschef Nicolás Maduro? Laut US-Präsident Donald Trump will seine Regierung mit der Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zusammenarbeiten. »Wir haben gerade ein Gespräch mit ihr geführt, und sie ist im Grunde bereit, das zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder groß zu machen, ganz einfach«, hatte er bei einer Pressekonferenz in seiner Residenz Mar-a-Lago in Florida gesagt.

Rodríguez selbst machte keine Angaben zu einem Gespräch mit der US-Seite. Nach dem US-Angriff hatte sie allerdings die sofortige Freilassung von Maduro und dessen Ehefrau verlangt. Sie sprach auf einer Sitzung des Verteidigungsrates des südamerikanischen Landes, die live im Fernsehen übertragen wurde.

Die 56-Jährige, die laut Verfassung bei einem Ausfall des Staatschefs bis zu Neuwahlen die Regierungsgeschäfte übernehmen soll, nannte Maduro den »einzigen Präsidenten« von Venezuela und den US-Angriff einen »schrecklichen Fleck« in den bilateralen Beziehungen. »Wir werden nie wieder Sklaven sein«, sagte sie und bezeichnete den Angriff als Verstoß gegen die Uno-Charta.

Maduro und seine Frau Cilia Flores waren in der Nacht zu Samstag gefangen genommen und außer Landes gebracht worden. Sie sollen in New York vor Gericht gestellt werden, unter anderem wegen des Vorwurfs des »Drogenterrorismus». Beide sollen sich inzwischen in den USA befinden. (Hier  die Analyse – Der Coup von Caracas)

Zugleich sorgte Trump für eine politische Überraschung, indem er eine Zusammenarbeit mit der führenden Oppositionsführerin Maria Corina Machado ausschloss. Machado sei zwar »eine nette Frau«, sie habe aber »weder die ⁠Unterstützung noch den Respekt innerhalb des Landes«, sagte Trump auf einer Pressekonferenz. Weder er selbst noch Vertreter seiner Regierung hätten seit dem Umsturz mit Machado gesprochen. (Mehr zu Machado lesen Sie hier )

Die Äußerung löste ‌umgehend Empörung bei Unterstützern ‍Machados aus, die als aussichtsreichste Gegnerin Maduros galt. Die ‍USA hatten angekündigt, nach der Absetzung Maduros einen »sicheren, ordnungsgemäßen und angemessenen Übergang« in ‍Venezuela zu organisieren.

Machado sprach von »Stunde der Freiheit«

Friedensnobelpreisträgerin Machado hatte gefordert, den Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia zum Staatschef zu machen. Die »Stunde der Freiheit« für Venezuela sei gekommen, erklärte Machado am Samstag in Onlinediensten. González Urrutia solle »sofort« die Geschäfte des Staatschefs übernehmen. (Lesen Sie hier , wie es im Land politisch weitergehen könnte.)

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Die konservative Politikerin Machado hatte ihren Nobelpreis Trump gewidmet. Sie rühmte ihn im Dezember als »Verfechter der Freiheit« und begrüßte den militärischen Druck, den die USA in den vergangenen Monaten mit Einsätzen in der Karibik auf die linksgerichtete Maduro-Regierung aufgebaut hatten. Ein Plädoyer für eine direkte US-Intervention vermied sie jedoch. Der Druck auf Maduro müsse derart erhöht werden, »dass er versteht, dass er gehen muss, dass seine Zeit vorbei ist«, sagte Machado Mitte Dezember dem US-Sender CBS.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte am Samstag, er habe mit Machado telefoniert. Er unterstütze ihren Aufruf zur Freilassung und zum Schutz der politischen Gefangenen in Venezuela. Zudem könne Machado bei ihren Bemühungen um einen friedlichen Übergang auf die Unterstützung Frankreichs zählen. Die Oppositionspolitikerin bedankte sich auf X bei Macron.

jok/dpa