SpOn 03.01.2026
15:12 Uhr

Venezuela-Krise nach Angriff der USA: Russland reagiert wütend, Europa vorsichtig


Die USA haben Caracas angegriffen, Spezialeinheiten Präsident Maduro gefangen genommen. Der Kreml reagiert verärgert auf den Verlust seines Verbündeten, Kuba wütet – und Europa sucht offenbar noch nach der passenden Tonlage.

Venezuela-Krise nach Angriff der USA: Russland reagiert wütend, Europa vorsichtig

So reagieren Maduros Verbündete:

Russland ist seit Langem der vielleicht wichtigste Partner von Venezuela. Entsprechend klar hat Moskau die US-Operation gegen Nicolás Maduro verurteilt. Das Außenministerium nannte den Angriff »zutiefst besorgniserregend und verurteilenswert«. Die USA agierten unter völlig unbegründeten »Vorwänden«. Venezuela müsse aber auch in Zukunft das Recht haben, über sein eigenes Schicksal selbst zu bestimmen, und zwar »ohne militärische Einmischung von außen«. Moskau unterstützt den Antrag der Regierung Venezuelas für eine sofortige Sitzung des Uno-Sicherheitsrats.

Viel deutlicher wurde ein anderer Verbündeter Maduros: Iran hat den Angriff scharf verurteilt. Es handle sich um eine »eklatante Verletzung seiner ‍nationalen Souveränität und territorialen Integrität«, teilte das iranische Außenministerium mit. Iran forderte den Uno-Sicherheitsrat auf, »sofort zu handeln, um die unrechtmäßige Aggression zu stoppen« und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Das mit Venezuela seit Langem befreundete Kuba warf Washington »Staatsterrorismus« vor. Kuba hat lange von Wirtschaftshilfen Venezuelas profitiert. Russland wird autoritär regiert, Kuba und Iran sind Diktaturen.

Bemerkenswert still blieb bislang Venezuelas auf dem Papier mächtigster Partner: China. Von Peking wurde bislang keine Stellungnahme bekannt.

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So reagieren Venezuelas Nachbarn:

Der Präsident Kolumbiens meldete sich noch in der Nacht zu Wort. »In diesem Moment wird Caracas bombardiert. Alarm an alle: Venezuela wurde angegriffen. Sie beschießen es mit Raketen«, schrieb Staatschef Gustavo Petro auf der Plattform X. »Die Organisation Amerikanischer Staaten und die Vereinten Nationen sollten sofort zusammentreten«, forderte er.

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Argentiniens Präsident Javier Milei – ein Trump-Freund – hingegen feiert die von den USA verkündete Festsetzung von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro. »Die Freiheit schreitet voran, es lebe die Freiheit verdammt nochmal«, schrieb der rechtskonservative Anhänger wirtschaftsliberaler Radikalreformen auf X.

Mexikos Außenministerium verurteilte die Militäraktion. Dabei handele es sich um einen »klaren Verstoß gegen Artikel 2 der Charta der Vereinten Nationen«.

Ecuadors Präsident Daniel Noboa hingegen applaudiert US-Präsident Donald Trump. »Die Zeit aller narco-chavistischen Kriminellen läuft ab. Ihre Struktur wird schließlich auf dem gesamten Kontinent zusammenbrechen«, schrieb er auf X. An die Adresse der Opposition in Venezuela fügte er hinzu: »An Corina Machado, Edmundo González und das venezolanische Volk: Es ist Zeit, euer Land zurückzuerobern. Ihr habt einen Verbündeten in Ecuador.«

DER SPIEGEL

Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva verurteilt den US-Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro scharf. Die Handlungen seien ein schwerwiegender Affront gegen die Souveränität Venezuelas und ein extrem gefährlicher Präzedenzfall für die internationale Gemeinschaft, schreibt Lula auf der Online-Plattform X. Ein solcher Bruch ‌des Völkerrechts sei der erste Schritt in eine Welt der Gewalt und des Chaos, in der das Recht des Stärkeren herrsche. Die Aktion erinnere an die schlimmsten Momente der Einmischung in die Politik Lateinamerikas und der Karibik. Die internationale Gemeinschaft müsse über die Vereinten Nationen energisch reagieren.

So reagieren die Europäer:

Der US-Militäreinsatz in Venezuela sorgt in Deutschland für Kritik, erntet teils jedoch auch Zuspruch. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Samstag, die Lage in dem südamerikanischen Land werde »mit größter Sorge« verfolgt. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter verurteilte das Vorgehen der USA scharf. Sein Parteikollege Jürgen Hardt äußerte hingegen die Hoffnung, dass Venezuela von einem Regierungswechsel profitiere. Grünenchef Omid Nouripour warnte vor einem Ende der regelbasierten internationalen Ordnung, die Linke forderte eine entschiedene Reaktion der Bundesregierung.

CDU-Politiker Kiesewetter verurteilte das Vorgehen als »Putsch«. »Die USA verlassen mit Präsident Trump endgültig die regelbasierte Ordnung, die uns seit 1945 geprägt hat«, sagte er der »Bild«-Zeitung. »Venezuela ist zwar ein Unrechtsstaat, aber kein Iran, der Nachbarländer wie Israel in der Existenz bedroht.« Washington kehre zur US-Doktrin von vor 1940 zurück – »ein Denken in Einflusszonen in denen das Recht des Stärkeren gilt und nicht internationales Völkerrecht«.

Kiesewetter forderte Unterstützung für die Partnerländer Kanada und Dänemark, die ebenfalls von den USA unter Druck gesetzt würden. »Trump zerstört das letzte Vertrauen in die USA«, sagte er. »Wer internationales Recht missachtet und Macht über Regeln stellt, unterscheidet sich im Handeln nicht von autoritären Akteuren«, kritisierte auch der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic.

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer sagte, er brauche mehr Zeit um sich ein Bild der Lage zu machen. »Ich möchte zunächst die Fakten klären. Ich möchte mit Präsident Trump sprechen. Ich möchte mit Verbündeten sprechen«, so der Regierungschef. Er könne aber versichern, dass Großbritannien an der Operation nicht beteiligt gewesen sei. Er sei »davon überzeugt, dass wir alle das Völkerrecht einhalten sollten«.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ließ wissen, sie verfolge »die Lage in Venezuela aufmerksam« und wolle dabei auch »Informationen über unsere Mitbürger« in diesem Land sammeln. Meloni fügte hinzu, dass sie in ständigem Kontakt mit dem italienischen Außenminister Antonio Tajani stehe. Derzeit leben rund 160.000 Italiener in Venezuela, die meisten von ihnen mit doppelter Staatsbürgerschaft.

Die Europäische Union ruft angesichts der Lage in Venezuela zu einer Deeskalation auf. Zudem fordere die EU eine Lösung unter uneingeschränkter Achtung des Völkerrechts, schreibt der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, auf der Online-Plattform X. Er verfolge die Situation mit großer Sorge. Die EU werde weiterhin eine friedliche, demokratische und integrative Lösung in dem Land unterstützen.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat nach einem Telefonat mit US-Außenminister Marco Rubio zur Zurückhaltung aufgerufen. »Die EU ‌hat wiederholt erklärt, dass Herrn Maduro die Legitimität fehlt und sich für einen friedlichen Übergang ausgesprochen«, schreibt sie auf der Plattform X. »Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden. Wir rufen zur ⁠Zurückhaltung auf«, fügt sie hinzu, ohne die ‍USA direkt zu kritisieren.

Anmerkung der Redaktion: Ecuadors Präsident heißt Daniel Noboa, nicht Gabriel Noboa. Wir haben die Passage korrigiert.

beb/Reuters