Inmitten der befürchteten Eskalation zwischen den USA und Venezuela hat Washington nach Angaben eines US-Senators dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro eine Chance zum Verlassen seines Landes gegeben. »Übrigens, wir haben Maduro die Möglichkeit gegeben, zu gehen«, sagte der republikanische US-Senator Markwayne Mullin am Sonntag dem US-Sender CNN. »Wir haben gesagt, er könne nach Russland oder in ein anderes Land gehen«, fügte er hinzu. Zu den Bedingungen des Angebots machte er keine Angaben, diese dürften aber entscheidend sein.
Donald Trump (l.) und Nicolás Maduro (Fotokombination)
Foto: Brendan Smialowski; Federico Parra / AFPDonald Trump bestätigte unterdessen nur, dass er in den vergangenen Tagen mit Maduro telefoniert habe. Auf Nachfragen von Journalisten zu Berichten darüber, dass in dem Telefonat ein mögliches Treffen der Staatschefs oder Bedingungen einer Amnestie für Maduro besprochen worden seien, antwortete Trump an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One lediglich: »Ich würde nicht sagen, dass es gut oder schlecht gelaufen ist. Es war ein Telefonat.«
Das »Wall Street Journal« und die »New York Times« berichten jeweils unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen von einem Gespräch in der vergangenen Woche. Nach Informationen des »Wall Street Journal« sprachen die beiden dabei über Forderungen Venezuelas nach einer Generalamnestie für Maduro, seine hochrangigen Berater und deren Familien. Viele von ihnen sähen sich mit finanziellen Sanktionen der USA und Anklagen konfrontiert, hieß es.
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Trump soll Maduro laut dem Bericht gesagt haben, dass die USA andere Optionen in Betracht ziehen, falls er nicht freiwillig seinen Platz räume. Er drohte demnach auch die Anwendung von Gewalt an. Zwar haben die USA nicht offiziell den Regimewechsel in Venezuela als Ziel ausgegeben – doch die Indizien häufen sich.
Maduro selbst äußerte sich zu den US-Aktionen der vergangenen Tage. Er warf den USA vor, es mit der verstärkten Militärpräsenz in der Karibik auf die Ölvorkommen seines Landes abgesehen zu haben. Durch militärische Gewalt wolle Washington die größten Erdölreserven der Welt in Venezuela unter seine Kontrolle bringen, schrieb der linksnationalistische Präsident in einem Brief an die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Die Stabilität der venezolanischen Ölproduktion und des internationalen Erdölmarkts seien dadurch gefährdet.
Am Samstag hatten die seit Wochen anhaltenden Spannungen zwischen Washington und Caracas ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, als US-Präsident Trump den Luftraum über dem südamerikanischen Land für »geschlossen« erklärte.
Massive Streitmacht in der Karibik zusammengezogen
Davor hatten die USA bereits mehrere Kriegsschiffe und ihren größten Flugzeugträger in die Karibik entsandt – nach eigenen Angaben, um den Drogenhandel zu bekämpfen. Nach Angaben Maduros sollen die USA 15.000 Soldaten und 14 Kriegsschiffe in der Karibik zusammengezogen haben – die genannte Soldatenzahl deckt sich mit US-Medienberichten.
Danach gefragt, ob Trump plane, Venezuela anzugreifen, sagte US-Senator Mullin: »Nein, er hat sehr deutlich gemacht, dass wir keine Truppen nach Venezuela entsenden werden.« Washington versuche mit seinem Vorgehen lediglich, die eigenen Küsten zu schützen, fügte der Senator aus dem US-Bundesstaat Oklahoma hinzu.
Ende der vergangenen Woche hatte Trump erklärt, den Kampf der USA gegen mutmaßliche Drogenhändler aus Venezuela bald auf Einsätze an Land auszuweiten. Das hatte der US-Präsident bei einem Auftritt vor Streitkräften mitgeteilt. »Euch ist wahrscheinlich aufgefallen, dass man nicht mehr auf dem Seeweg liefern will. Und wir werden sehr bald damit beginnen, sie auch an Land zu stoppen«, so Trump. Bodentruppen erwähnte er allerdings nicht.
Seit September greifen US-Streitkräfte immer wieder Boote angeblicher Drogenschmuggler in der Karibik und im Ostpazifik an. Dabei wurden nach US-Angaben bislang mindestens 83 Menschen getötet und mehr als 20 Schiffe getroffen. Am Donnerstag hatte Trump zudem angekündigt, in Kürze auch an Land gegen mutmaßliche venezolanische Drogenhändler vorzugehen. »Wir werden damit beginnen, sie auf dem Landweg zu stoppen«, sagte Trump. Dies werde »sehr bald« beginnen.

