SpOn 22.12.2025
02:49 Uhr

Venezuela: US-Einheiten verfolgen Öltanker im Atlantik


Ein Schiff wurde am Wochenende bereits festgesetzt, nun ist die »Bella 1« im Visier. Die US-Küstenwache versucht, den Tanker mit Verbindung nach Venezuela zu stellen. Bisher offenbar erfolglos.

Venezuela: US-Einheiten verfolgen Öltanker im Atlantik

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Spannungen mit Venezuela verfolgen die USA offenbar in der Karibik einen dritten Öltanker. Nach Angaben aus Washingtoner Regierungskreisen verfolgt die US-Küstenwache derzeit ein mit Sanktionen belegtes Schiff, das von Venezuela zur Umgehung der Sanktionen gegen das Land eingesetzt werde. Das Schiff fahre unter falscher Flagge und unterliege einer »gerichtlichen Beschlagnahmungsverfügung«.

Wie mehrere US-Medien berichteten, soll es sich bei dem Schiff um den Tanker »Bella 1« handeln, der seit 2024 wegen angeblicher Verbindungen zu Iran und zur proiranischen libanesischen Miliz Hisbollah mit Sanktionen belegt ist. Laut der Website TankerTrackers befand sich das Schiff auf dem Weg nach Venezuela, hatte jedoch keine Ladung an Bord.

Die »New York Times« schrieb , US-Einheiten hätten sich bereits am späten Samstagabend dem Schiff genähert. Die Besatzung habe sich jedoch der Aufforderung verweigert, sie an Bord zu lassen. Laut der Zeitung sprechen die US-Behörden von einer »anhaltenden Verfolgungsjagd«. Am Sonntag (Ortszeit) begann die »Bella 1« laut US-Medien, Dutzende Notrufsignale an Schiffe in der Nähe auszusenden.

Es ist der zweite Vorfall dieser Art an diesem Wochenende. Am Samstag hatte die Küstenwache den Öltanker »Centuries« festgesetzt. US-Heimatschutzministerin Kristi Noem begründete den Einsatz im Onlinedienst X mit dem Verdacht, das Schiff habe mit Sanktionen belegtes Erdöl transportiert. Die US-Küstenwache untersteht dem Heimatschutzministerium.

US-Aktion gegen Tanker »Centuries« am Wochenende

US-Aktion gegen Tanker »Centuries« am Wochenende

Foto: AFP

Die USA hatten bereits vor anderthalb Wochen den Öltanker »Skipper« vor der Küste Venezuelas unter ihre Kontrolle gebracht und nach Texas geschafft. Die Regierung in Caracas sprach von einem »Akt internationaler Piraterie«.

Venezuela schickt Kriegsschiffe als Geleitschutz

Am Dienstag hatte US-Präsident Donald Trump eine von ihm so bezeichnete Seeblockade gegen »sanktionierte« Öltanker verhängt, die Venezuela anlaufen oder verlassen. Er begründete dies damit, das südamerikanische Land habe Öl, Land und andere Vermögenswerte von den USA gestohlen – diese müssten zurückgegeben werden. In einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit NBC News schloss er die Möglichkeit eines Krieges mit Venezuela nicht aus.

Der Republikaner warf Venezuelas autoritärem Staatschef Nicolás Maduro zudem vor, »das Öl aus diesen gestohlenen Ölfeldern zur Finanzierung von Drogenterrorismus, Menschenhandel, Mord und Entführungen« zu nutzen.

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Venezuela hat seinerseits Marineschiffe als Geleitschutz für manche Tanker losgeschickt, was das Risiko einer militärischen Eskalation erhöhen dürfte. Die »Bella 1« hat keinen derartigen Schutz.

Trump beschuldigt den linksnationalistischen Maduro, Drogenbanden zu kontrollieren und gezielt gegen die USA einzusetzen. Seit September greift die US-Armee immer wieder Boote angeblicher Drogenschmuggler in der Karibik und im Ostpazifik an. Dabei wurden bereits mehr als 100 Menschen getötet.

Kritiker stufen die Angriffe als außergerichtliche Hinrichtungen und völkerrechtswidrig ein. Die USA brachten zudem Kriegsschiffe vor der venezolanischen Küste in Stellung. Nicht nur in Caracas wird vermutet, dass es die Trump-Regierung auf einen Sturz der Maduro-Regierung – und auf die erheblichen Ölvorräte des Landes – abgesehen haben könnte.

jok/AFP