Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hat die US-Regierung aufgefordert, sich aus den inneren Angelegenheiten des südamerikanischen Landes herauszuhalten. »Es reicht mit den Befehlen aus Washington an Politiker in Venezuela«, sagte Rodríguez am Sonntag (Ortszeit) in einer Rede. »Die venezolanische Politik sollte unsere Meinungsverschiedenheiten und inneren Konflikte lösen«, sagte sie und forderte: »Schluss mit den ausländischen Mächten!«
Nach Maduros Gefangennahme ist Rodríguez die Figur innerhalb der venezolanischen Regierung, mit der Washington direkt verhandelt – vor allem über die Verwaltung der großen Ölvorkommen des Landes. Maduro sitzt nun in New York im Gefängnis. Ihm soll wegen mutmaßlicher Drogendelikte der Prozess gemacht werden.
Trump lobte sie mehrfach
US-Präsident Donald Trump hat sich bereit erklärt, mit Rodríguez zusammenzuarbeiten, solange ihre Regierung sich an die Vorgaben Washingtons hält. Vor wenigen Tagen hatte das Weiße Haus erklärt, Rodríguez in die USA einladen zu wollen. Zuvor hatte sich Trump mehrfach lobend über sie geäußert. Auch, weil Rodríguez auf eine Annäherung mit Washington setzte. So unterstützt sie eine Öffnung des Ölsektors für ausländische Investoren, kündigte Gespräche mit der Opposition an und ließ politische Gefangene frei.
Nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation sind zuletzt erneut mehr als hundert politische Häftlinge freigelassen worden. Die genaue Zahl werde noch überprüft und könne steigen, schrieb die NGO Foro Penal auf der Plattform X.
Damit steigt die Zahl der Menschen, die nach dem US-Einsatz freigelassen wurden, laut verschiedenen Organisationen auf mindestens 240 Menschen. Den bisherigen Angaben zufolge befanden sich bis zur vergangenen Woche immer noch mehr als 700 politische Gefangene in Haft. Die Regierung in Caracas spricht von insgesamt 626 Freilassungen, aber seit Dezember. Die Freilassung politischer Häftlinge ist eine der größten Forderungen der Opposition.
Präsidentin Rodríguez will mit Opposition zusammenarbeiten
Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez, die unter Maduro Vizepräsidentin war, erklärte sich am Wochenende erneut bereit, mit der Opposition zusammenzuarbeiten. »Es darf keine politischen oder parteipolitischen Differenzen geben, wenn es um den Frieden in Venezuela geht«, sagte sie.
- US-Politik: Ein Jahr Trump II – die Bilanz Eine Analyse von Mathieu von Rohr
- Auszeichnung für venezolanische Oppositionelle: Nobelstiftung kritisiert Machados Nobelpreis-Weitergabe an Trump
- Historischer Überblick: Wenn Demokratien zu Diktaturen werden Von Michael Kister
- Eheleute Ortega und Murillo in Nicaragua: Dieses Paar könnte enden wie die Maduros Von Solveig Grothe
Allerdings kritisierte Rodríguez die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado, ohne sie namentlich zu nennen. »Es ist beschämend zu sehen, wie eine Venezolanerin, die sich selbst als Venezolanerin bezeichnet, sich für die Bombardierung und die militärische Aggression gegen Venezuela bedankt«, sagte sie. Machado hat Mitte Januar US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus ihre Nobelpreis-Medaille übergeben.
