»Dark Romance«: Bist du ein Heiratsschwindler?
Will er Liebe? Oder nur mein Geld? Und auf der anderen Seite des Spieltischs fragt sich mein Gegenüber: Ist sie eine Vampirin oder die Gräfin, die ich immer betören wollte? »Dark Romance« ist ein faszinierendes soziales Deduktionsspiel, im Kern für zwei Personen gedacht, die in immer neuen romantischen Settings herausfinden wollen, wie der oder die andere tickt und ob man dieser Person trauen kann. Auf die Aufforderung zur romantischen Bootsfahrt oder einem mitternächtlichen Besuch gibt es jeweils zwei Reaktionsmöglichkeiten. Wie man reagiert, gibt dem Gegenüber natürlich auch Aufschluss darüber, welche der zehn vorgegebenen Rollen von Heiratsschwindlerin bis Graf man innehaben könnte.
Das Spiel gewinnt, wer mit seiner Einschätzung richtig liegt und die eigenen Absichten erfolgreich verschleiern konnte. Möglicherweise gewinnen aber auch beide, wenn sie sich für die Liebe entschieden haben und dabei an den oder die Richtige geraten sind. »Dark Romance« vereinigt zwei gegensätzliche Spielelemente. Zum einen die Deduktionsaufgabe: Wir müssen anhand einer Tabelle und der Aktionen des Gegenübers versuchen, herauszufinden, was diese Person im Schilde führt. Zum anderen das Rollenspiel. Denn die Aufgabe macht eigentlich nur Spaß, wenn man sich auf die Settings einlässt und sie mit eigenen Erzählungen und Reaktionen ausschmückt. Fürs Gewinnen oder Verlieren ist das nicht relevant, aber fürs Spielerlebnis.
Wenn das gelingt, kann die Partie interessant und witzig werden, noch lange Stoff für Trashtalk bieten. Aber das ist nicht jedermanns Sache, und deshalb sollte man sich gut überlegen, mit wem man es spielen möchte. In jedem Fall macht es optisch eine Menge her. Die Illustrationen von Hendrik Noack schaffen eine angemessen düstere viktorianische Atmosphäre für das intrigenreiche Liebesspiel.
Von Christoph Schilling und Hans Joachim Höh, für zwei Personen ab 16 Jahren, rund 30 bis 45 Minuten (in der De-Luxe-Ausgabe auch für drei und vier Personen)
Hand drauf: Leute mit Lust am Rollenspiel, Paare, entspannte Freunde
Finger weg: Miteinander eng verwandte Menschen oder solche, die einander gar nicht nahestehen
»Rebel Princess«: Bleib mir bloß vom Leib, Prinz
Maren Hoffmann / DER SPIEGEL
Das ist ein Spiel für alle, die glauben, dass man ein Leben lang mit nur einem einzigen Menschen glücklich sein kann: sich selbst. Die rebellische Prinzessin will vor allem Ruhe vor den ganzen Prinzen haben, die ihr unentwegt Heiratsanträge machen. Das flotte kleine Stichspiel hat eine Reihe von feinen Twists, die es immer wieder interessant machen.
In jeder der fünf Runden spielt man Zahlenkarten aus, die es in vier Farben gibt. So weit, so normal. Doch die Regeln werden durch Rundenkarten modifiziert, die die Regeln und die Fähigkeiten der eigenen Prinzessin ändern. Zudem muss man zu Beginn der Runde eine bestimmte Anzahl der eigenen Karten weitergeben und sollte sich gut überlegen, was man dem Gegner in die Hand gibt.
Hauptziel ist es, lästige Bewerber abzuwimmeln und den anderen Prinzessinnen möglichst viele der aufdringlichen Verehrer unterzujubeln, denn jeder Heiratsantrag gibt einen Minuspunkt. Am Ende gewinnt die Prinzessin, die sich am erfolgreichsten aus der Affäre gezogen und die wenigsten Anträge gesammelt hat.
Von Daniel Byrne, Gerardo Guerrero, Kevin Peláez, und Tirso Virgós, für drei bis sechs Personen ab acht Jahren, rund 40 Minuten
Hand drauf: Stichspielfreundinnen, Leute mit Skat-Hintergrund, überzeugte Single-Runden
Finger weg: Frisch Verlobte und frisch Zurückgewiesene
»Red Flag Green Flag«: Die nehm’ ich auf jeden Fall!
Maren Hoffmann / DER SPIEGEL
Stell dir vor, du lernst jemanden kennen und erfährst, dass diese Person immer noch mit dem oder der Ex befreundet ist. Hm. Jetzt musst du dich entscheiden: Ist das ein No-Go oder halb so wild? Die anderen in der Runde versuchen, deine Einschätzung zu erraten und abzuschätzen, ob du die rote oder die grüne Flagge schwenken wirst. Nachdem alle ihr Stimmplättchen verdeckt gelegt haben, verkündest du deine Entscheidung. Wer richtig lag, bekommt einen Punkt. Dann ist die nächste Person mit Fahnenschwenken dran. Wer zuerst zehn Punkte hat, gewinnt.
Ein sehr einfaches Spiel also, das aber viel Stoff für Diskussionen und Gedankenspiele bietet. Will man wirklich mit jemandem zusammenleben, der Lebensmittel sofort wegwirft, wenn sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben? Oder der extra stricken lernt, um dem Hund ein selbstgemachtes Pullöverchen schenken zu können? Was ist, wenn die Partnerin ein Unternehmen hat und dich als Assistenzkraft einstellen will? Und sind Eheverträge, Tattoos und frühere Sexualpartner ein Problem?
Da gibt es viel zu besprechen - und es ist immer interessant, etwas darüber zu erfahren, wie andere einen so einschätzen (und umgekehrt). Natürlich kann man mit diesem Partyspiel auch mal in größerer Runde sehr, sehr unauffällig testen, wie die eine oder andere Person tickt. Ganz allgemein. Wer sich wirklich was traut, spielt es zu zweit.
Ohne Autorenangabe, für zwei bis zehn Personen ab 17 Jahren, rund 20 Minuten
Hand drauf: Leute, die einander besser kennenlernen wollen und mit ein bisschen Peinlichkeit umgehen können
Finger weg: Schwiegereltern, Kollegenkreise, Kinder
»Dorfromantik Leichtes Gepäck«: Gemeinsam immer besser werden
Maren Hoffmann / DER SPIEGEL
Es kann der Beziehung förderlich sein, als Paar gemeinsam ein Projekt zu wuppen. Aber wozu sich mehr Stress machen als nötig? Statt das Bad zu renovieren oder den Keller auf Vordermann zu bringen, reichen schon 20 bis 40 Minuten für ein schönes Erfolgserlebnis. »Dorfromantik – Leichtes Gepäck« ist die Light-Version des Erfolgsbrettspiels »Dorfromantik«, das 2023 zum »Spiel des Jahres« gekürt wurde.
Man kann es auch mit mehr als zwei Personen oder allein spielen, aber zu zweit hat es einen besonderen Reiz. Man legt eine schöne Landschaft aus Sechseckplättchen, erfüllt mit deren gelungener Anordnung Aufträge und schaltet dadurch allmählich weiteres Material frei. Den eigenen Highscore, den man immer wieder übertreffen will, markiert man mit einem Magneten auf der Innenseite der Schachtel. Es ist ein gutes Gefühl, den immer mal wieder gemeinsam zu knacken. Wer »Dorfromantik« schon hat, braucht dieses Spiel nicht, aber wer ein Wohlfühlspiel mit angenehm machbaren Herausforderungen und überschaubarem Zeitaufwand möchte, ist hier sehr gut bedient.
Von Lukas Zach und Michael Palm, für eine bis vier Personen ab acht Jahren, 20 bis 40 Minuten
Hand drauf: Wohlfühlspieler und Highscorejägerinnen
Finger weg: Leute, die bei »Romantik« nur an Romantik denken


