SpOn 10.02.2026
22:15 Uhr

V-Mann-Affäre: Bremer Rechtsanwalt zieht sich von Staatsgerichtshof zurück


Weil er bei der Konfrontation eines aufgeflogenen V-Manns dabei war, stand ein Anwalt in der Kritik. SPIEGEL-Recherchen hatten den Fall bekannt gemacht. Nun kündigte der Jurist seinen Rückzug vom Bremer Verfassungsgericht an.

V-Mann-Affäre: Bremer Rechtsanwalt zieht sich von Staatsgerichtshof zurück

Der Rechtsanwalt Anatol Anuschewski zieht offenbar Konsequenzen aus der sogenannten V-Mann-Affäre in Bremen. Er wurde auf Vorschlag der Bremer Linken im Jahr 2019 von der Bürgerschaft für vier Jahre in den Staatsgerichtshof gewählt. Seit 2023 war er erster Stellvertreter eines Mitglieds. Nun kündigte er seinen Rückzug an, wie Radio Bremen zuerst berichtete .

Anuschewski stand seit Tagen in der Kritik, weil er bei der Enttarnung eines V-Mannes in der »Interventionistischen Linken« in Bremen anwesend war. SPIEGEL-Recherchen hatten den Fall bekannt gemacht. 

Die Bremer CDU hatte unter anderem wegen des Vorfalls angekündigt, Misstrauensanträge gegen die beiden Senatorinnen der Linken im Freistaat zu stellen. »Für uns ist klar: Der linke Teil dieses Senats ist nicht mehr tragbar«, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Wiebke Winter laut »buten un binnen«. Sie warf der Bremer Linken vor, scheinbar sehr eng mit der linksextremen »Interventionistischen Linken« verknüpft zu sein.

Der Fall des enttarnten Spitzels Dîlan S. sorgt in Bremen seit Wochen für Diskussionen. 

Kritik an Medien und Politik

Anuschewski kritisierte laut dem Artikel die Berichterstattung über seinen Fall. Sie stelle die Tätigkeit von Anwälten grundsätzlich infrage. Jeder Mensch habe unabhängig von Vorwürfen oder politischer Haltung Anspruch auf rechtliche Vertretung. Zudem habe er sich aus Gründen des Mandatsgeheimnisses nicht öffentlich äußern dürfen.

Kritik übte Anuschewski demnach auch an Politikern im Stadtstaat. Rücktrittsankündigungen durch Senat oder Fraktionen widersprächen der Gewaltenteilung und beschädigten das Ansehen des Staatsgerichtshofs, so der Anwalt laut dem Bericht.

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Der Staatsgerichtshof, bestehend aus sieben Juristinnen und Juristen, ist neben der Bremer Bürgerschaft und dem Senat eines der Verfassungsorgane der Hansestadt. Den Vorsitz hat der Präsident des Oberverwaltungsgerichts. Hinzu kommen sechs von der Bürgerschaft gewählte Rechtsexperten wie Richter, Professoren oder Rechtsanwälte, die für die Dauer der Legislaturperiode bestellt werden.

jpe