SpOn 21.02.2026
15:23 Uhr

Utah: Mutter unter Mordverdacht – nach Tod des Vaters schrieb sie den Söhnen ein Buch


Es soll um Geld gegangen sein und um eine Affäre: Einer 35-Jährigen wird vorgeworfen, den Vater ihrer Kinder ermordet zu haben.

Utah: Mutter unter Mordverdacht – nach Tod des Vaters schrieb sie den Söhnen ein Buch

Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes veröffentlichte Kouri Richins ein Kinderbuch, das sie selbst verlegte. Das Buch habe ihren drei Söhnen über den plötzlichen Verlust des Vaters hinweggeholfen, erzählte sie. Jetzt sollten auch andere Kinder profitieren. Nur wenige Wochen später wurde sie festgenommen. Der Vorwurf: die Ermordung ihres Ehemanns, des Vaters ihrer Kinder.

Am Montag beginnt im US-amerikanischen Utah der Prozess gegen die 35-Jährige, eine Jury aus zwölf Personen wird in den kommenden Wochen über den Fall entscheiden. Die Anklagepunkte reichen von Mord über versuchten Mord, Urkundenfälschung und Hypothekenbetrug bis zu Versicherungsbetrug. Kouri Richins selbst plädiert auf nicht schuldig.

Fentanyl im Cocktail

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass Richins ihren Ehemann Eric im März 2022 Fentanyl in einen Cocktail mischte und ihm so das Leben nahm. Die Tat, so der Vorwurf, soll auch finanziell motiviert gewesen sein. Kouri Richins war hoch verschuldet. Außerdem plante sie der Staatsanwaltschaft zufolge ihre Zukunft mit einem anderen Mann, mit dem sie eine Affäre hatte.

Ihre Verteidiger hingegen zeigen sich zuversichtlich, dass die Jury nach Anhörung von Kouri Richins’ Darstellungen zu ihren Gunsten entscheiden wird. »Kouri hat fast drei Jahre auf diesen Moment gewartet: die Gelegenheit, die Fakten dieses Falles von einer Jury anhören zu lassen, frei von der Darstellung der Staatsanwaltschaft, die seit ihrer Verhaftung die Schlagzeilen dominiert hat«, erklärte ihr Anwaltsteam in einer Stellungnahme. »Was der Öffentlichkeit erzählt wurde, hat wenig mit der Wahrheit zu tun.«

In der Nacht, in der ihr Ehemann starb, wählte Kouri Richins selbst den Notruf. Sie habe ihren Mann am Fußende ihres Bettes gefunden, er fühle sich kalt an, sagte sie dem Polizeibericht zufolge. Ein Gerichtsmediziner fand später eine fünffach tödliche Fentanyl-Dosis im Körper des 39-Jährigen.

Gab es noch einen Mordversuch?

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, soll dies nicht ihr erster Versuch gewesen sein, ihn zu töten. Einen Monat zuvor, am Valentinstag, berichtete Eric Richins Freunden, er habe einen Ausschlag bekommen und starke gesundheitliche Beschwerden entwickelt, nachdem er von einem Sandwich abgebissen hatte.

Der Anklage zufolge behandelte sich der später Gestorbene mit einer Notfallspritze gegen allergische Reaktionen, die eigentlich für seinen Sohn gedacht war, und schluckte ein Allergiemedikament. Als er anschließend aus einem tiefen Schlaf aufwachte, rief er einen Freund an und sagte: »Ich glaube, meine Frau hat versucht, mich zu vergiften.« So beschreibt es der Freund in einer schriftlichen Zeugenaussage.

Der Polizei zufolge hatte Kouri Richins das Sandwich gekauft und sich in derselben Woche Fentanyl-Pillen von ihrer Haushälterin besorgt. Fentanyl gehört zur Gruppe der Opioide. Es kann schwere allergische Reaktionen auslösen, schon wenige Milligramm können tödlich sein. Einen Tag nach dem Valentinstag und dem Sandwich-Vorfall schrieb Kouri Richins ihrer Affäre: »Wenn er nur verschwinden könnte... Das Leben wäre so perfekt.«

1,8 Millionen US-Dollar Schulden

Der Freund, den Eric Richins nach dem Sandwich-Vorfall anrief, und die Haushälterin, die ihr Fentanyl-Pillen organisiert haben soll, werden im Prozess als zentrale Zeugen auftreten. Die Haushälterin berichtete demnach, dass sie die Fentanyl-Pillen kurz vor dem Valentinstag bei einem Dealer gekauft habe. Im selben Monat habe die Angeklagte sie darum gebeten, ihr noch mal Pillen zu besorgen – die ersten seien nicht stark genug gewesen. Allerdings wurden nie Fentanyl-Pillen im Haus der Familie gefunden. Zudem erklärte der Dealer der Haushälterin, dass er ihr lediglich ein anderes Opioid verkauft habe.

Beim Prozess werden auch finanzielle Fragen eine Rolle spielen. Kouri Richins schuldete Kreditgebern mehr als 1,8 Millionen US-Dollar, sie soll ohne das Wissen ihres Mannes schwerwiegende finanzielle Entscheidungen getroffen haben. Als er das herausfand, soll er sich mit einem Scheidungsanwalt und einem Nachlassplaner getroffen haben.

Der Staatsanwaltschaft zufolge ging Kouri Richins aus diesem Grund fälschlicherweise davon aus, das Vermögen ihres Mannes zu erben. Ferner soll sie zahlreiche Lebensversicherungen auf seinen Namen abgeschlossen haben, ohne dass er es wusste. Die Gesamtleistungen beliefen sich der Staatsanwaltschaft zufolge auf fast zwei Millionen Dollar.

irb/AP