SpOn 30.01.2026
19:57 Uhr

Uno: Generalsekretär António Guterres warnt vor Zahlungsunfähigkeit der Vereinten Nationen


Laut Generalsekretär Guterres könnten ausbleibende Pflichtbeiträge der Mitglieder schon im Sommer zu einem kritischen Geldmangel führen. Vor allem die USA geraten dabei unter Druck.

Uno: Generalsekretär António Guterres warnt vor Zahlungsunfähigkeit der Vereinten Nationen

Angaben des Uno-Generalsekretärs António Guterres zufolge stehen die Vereinten Nationen kurz vor einer schweren Finanzkrise. In einem Schreiben an die Mitgliedstaaten warnt er vor einem »unmittelbaren finanziellen Kollaps« der Organisation. Grund dafür sind ausstehende Pflichtbeiträge in Milliardenhöhe sowie veraltete Haushaltsregeln.

Zum Jahresende beliefen sich die unbezahlten Beiträge auf den Rekordbetrag von 1,57 Milliarden US-Dollar, heißt es in dem Brief vom 28. Januar, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Die Liquiditätslage verschärfe sich weiter und Programme könnten nicht mehr wie geplant umgesetzt werden. Sollte sich nichts ändern, könne der Uno bis Juli das Geld ausgehen, schreibt Guterres.

USA, der größte Beitragszahler

Besonders kritisch sieht der UN-Generalsekretär die Weigerung einzelner Staaten, ihre verpflichtenden Zahlungen für den regulären Haushalt und für Friedensmissionen zu leisten. Welche Länder konkret gemeint sind, ließ er offen. Beobachter verweisen jedoch vor allem auf die USA, den mit Abstand größten Beitragszahler der Uno.

Washington trägt rund 22 Prozent zum Kernhaushalt bei, gefolgt von China mit etwa 20 Prozent. Die US-Regierung hat zuletzt freiwillige Zahlungen an UN-Organisationen gekürzt und Pflichtbeiträge nicht vollständig überwiesen.

Der »kafkaeske Kreislauf« des Geldes

Guterres forderte die Mitgliedstaaten nun zu einer Grundsatzentscheidung auf: Entweder alle Länder kommen ihren finanziellen Verpflichtungen vollständig und fristgerecht nach – oder die Uno muss ihre Haushaltsregeln grundlegend reformieren. Andernfalls drohe der Organisation die Zahlungsunfähigkeit.

Als besonders problematisch bezeichnete der Generalsekretär eine Regelung, nach der nicht ausgegebene Mittel am Jahresende an die Mitgliedstaaten zurückgezahlt werden müssen. Dadurch entstehe ein »kafkaesker Kreislauf«: Die Uno sei verpflichtet, Geld zurückzugeben, das faktisch gar nicht vorhanden sei.

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Zwar haben die Mitgliedstaaten im Rahmen eines Reformprozesses einer Kürzung des Budgets für 2026 um rund sieben Prozent auf 3,45 Milliarden US-Dollar zugestimmt. Doch auch das reicht laut Guterres nicht aus, um die akute Liquiditätskrise zu entschärfen.

Die 1945 gegründeten Vereinten Nationen zählen 193 Mitgliedstaaten. Sie koordinieren internationale Friedensmissionen, humanitäre Hilfe und Programme zur Förderung der Menschenrechte sowie sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung.

dtt/Reuters