Werden Podcasts zur Gefahr für Viktor Orbán und seine autoritäre Regierung? Adam Nagy, einer der beliebtesten Podcaster Ungarns, ist davon überzeugt. Zusammen mit seinem Team betreibt er gleich mehrere erfolgreiche, regierungskritische YouTube-Kanäle.
Adam Nagy, Podcaster: »Ich glaube, die Tatsache, dass unsere Sendung auf YouTube läuft, hat einer neuen Generation die Tür zum öffentlichen Leben geöffnet. Natürlich spielt auch eine Rolle, dass die Regierung immer mehr problematische und inakzeptable Dinge tut, was dazu führt, dass die Menschen wütend sind – und das Internet ist eine sehr gute Plattform, um diese Gefühle zu verarbeiten.«
Innerhalb der letzten 15 Jahre hat Ungarns nationalistischer Präsident Victor Orbán die Medienlandschaft im Land komplett umgekrempelt: Viele Medien stehen unter Regierungskontrolle, sind geschlossen, oder geraten zunehmend unter Druck. Und Orbán bekommt Hilfe aus dem Ausland.
Erst im November musste auch der von den USA finanzierte Sender Radio Free Europe seinen Betrieb im Land einstellen – weil ein US-Beamter zuvor erklärt hatte, der Sender würde durch seine Orbán-kritische Berichterstattung die Außenpolitik der USA untergraben.
Adam Nagy, Podcaster: »Die Medienhoheit liegt in Bezug auf Geld und Anzahl der Kanäle klar auf Regierungsseite, aber gleichzeitig schauen immer mehr Menschen auf die restlichen 20 Prozent. Die Regierung strebt nach Quantität: Sie kann einen weiteren Propagandakanal schaffen, aber die Menschen werden ihn nicht anschauen.«
Die kritische Berichterstattung auf YouTube kommt an – vor allem bei den jungen Unterstützern von Orbáns größtem Herausforderer bei der im Frühjahr 2026 anstehenden Wahl, Peter Magyar. Nagys Interview mit ihm haben bis heute rund eine Million Menschen gesehen – eine beachtliche Zahl: In ganz Ungarn leben insgesamt weniger als 10 Millionen.
Dass sich mit Podcasts auf YouTube hervorragend junge Wähler erreichen lassen, scheinen langsam auch Orbáns Medienberater erkannt zu haben: Seit April gibt der Präsident selbst Interviews in rechtsgerichteten Podcasts, so wie hier im konservativen Podcast »Ultrahang«.
Tamas Kiraly, Podcast Ultrahang: »Ich denke, Orbáns Partei möchte kurz vor der Wahl neue Schichten der Gesellschaft erreichen. Unsere Umfragen zeigen, dass wir auch die unentschlossenen Wähler und auch die Wähler der Opposition ansprechen können – die Medien von Fidesz sind dazu möglicherweise nicht in der Lage.«
Für Orbán selbst scheinen die Medien, in denen sich die junge Generation über Politik informiert, allerdings eher noch Neuland zu sein.
Tamas Kiraly, Podcast Ultrahang: »Herr Premierminister, folgen Sie schon dem Ultrahang-YouTube-Kanal? Und schauen Sie YouTube?«
Victor Orbán: »Das tue ich nicht, nein.«
