SpOn 25.11.2025
08:57 Uhr

Ukrainekrieg: Kyjiw und Moskau werfen einander Angriffe mit mehreren Opfern vor


Trotz der Verhandlungen der vergangenen Tage setzen Russland und die Ukraine Attacken auf die Gegenseite fort. Unter anderem melden die russischen Regionen Rostow und Krasnodar Angriffe.

Ukrainekrieg: Kyjiw und Moskau werfen einander Angriffe mit mehreren Opfern vor

Während der jüngsten Friedensgespräche melden sowohl die Ukraine als auch Russland mehrere Tote durch Angriffe der jeweils anderen Seite. Die Militärverwaltung in Kyjiw erklärte, dass bei einem nächtlichen russischen Angriff auf die Hauptstadt sechs Menschen getötet worden seien. In der russischen Region Rostow seien drei Menschen bei ukrainischen Angriffen getötet worden, erklärte der örtliche Gouverneur. Ukraine-Unterstützer wollten am Dienstag in einer Videokonferenz über den Friedensprozess beraten.

In Kyjiw wurden nach Angaben des Chefs der Militärverwaltung, Timur Tkatschenko, bei den nächtlichen russischen Angriffen sechs Menschen getötet und mindestens drei weitere verletzt. Die Angriffe trafen laut Tkatschenko unter anderem ein Wohngebäude im östlichen Stadtteil Dniprowsky. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hörten heftige Explosionen in der Nacht und sahen Menschen in die Notunterkünfte eilen. Die Luftwaffe gab im Onlinedienst Telegram Raketenalarm für das gesamte Land heraus. Das ukrainische Energieministerium erklärte, es habe einen »massiven« Angriff auf die Energie-Infrastruktur gegeben.

In der russischen Region Rostow wurden nach Angaben des örtlichen Gouverneurs mindestens drei Menschen bei ukrainischen Angriffen getötet. Auch der Gouverneur der benachbarten Region Krasnodar gab Angriffe bekannt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, dass in der Nacht 249 ukrainische Drohnen abgeschossen worden seien.

Delegationen der USA, der Ukraine und mehrerer europäischer Staaten, darunter Deutschland, führten am Sonntag in Genf Gespräche über einen von Washington vorgelegten 28-Punkte-Plan. Die ursprüngliche Fassung sah weitreichende Zugeständnisse Kyjiws vor. Dazu gehörten Gebietsabtretungen in der Ostukraine, eine Begrenzung der Truppenstärke und der Verzicht auf einen Nato-Beitritt – zentrale Forderungen Moskaus.

Russland weist europäischen Gegenvorschlag zurück

Die Ukraine und ihre Verbündeten drängten daher auf Änderungen. Nach den Gesprächen berichteten sie von Fortschritten, betonten jedoch weiteren Beratungsbedarf. Russland wies am Montag einen Gegenvorschlag europäischer Staaten  als »nicht konstruktiv« zurück.

Das Weiße Haus wies Vorwürfe zurück, US-Präsident Donald Trump sei parteiisch zugunsten Russlands. »Die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten von Amerika in diesem Krieg nicht gleichermaßen beide Seiten beachten, um ihn zu beenden, ist ein vollständiger und totaler Irrtum«, sagte Trump-Sprecherin Karoline Leavitt. Zuvor war Trump auch aus den Reihen seiner eigenen Republikanischen Partei vorgeworfen worden, dass er in seinen Bemühungen um ein Ende des Kriegs in der Ukraine russische Positionen favorisiere.

Für Dienstag war ein virtuelles Treffen der sogenannten Koalition der Willigen geplant. Diese westliche Unterstützergruppe der Ukraine umfasst rund 30 Staaten, darunter auch die USA. Das virtuelle Treffen solle ermöglichen, eine Bilanz der am Sonntag stattgefundenen Gespräche in Genf zu ziehen, hieß es aus dem Élysée-Palast in Paris.

USA führen offenbar Gespräche in Abu Dhabi

Wie die Nachrichtenagentur Reuters und die britische »Financial Times«  (»FT«) übereinstimmend berichten, führt die US-Regierung Insidern zufolge in Abu Dhabi Gespräche mit russischen und ukrainischen Gesandten über den Plan zur Beendigung des Ukrainekriegs. US-Heeresstaatssekretär Dan Driscoll habe die Beratungen am Montag aufgenommen, sagte ein US-Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche sollten bis Dienstag dauern. Das Treffen sei der jüngste Versuch der US-Regierung, ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln.

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Driscoll werde voraussichtlich auch ukrainische Vertreter treffen, hieß es laut Reuters weiter. Eine Stellungnahme des US-Präsidialamts lag zunächst nicht vor. Die »FT« berichtet unter Berufung auf einen US-Vertreter und zwei weitere anonyme Quellen, dass Driscoll in Abu Dhabi auch den ukrainischen Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow treffen werde. Ob die drei Seiten gemeinsam oder separat verhandelten, sei unklar, hieß es weiter in dem Bericht.

col/AFP/Reuters