SpOn 18.02.2026
16:55 Uhr

Ukrainegespräche in Genf enden ohne Einigung, aber »mit Fortschritten«


Sowohl Vertreter der Ukraine als auch Russlands äußern sich verhalten positiv über das Treffen in Genf. In der zentralen Frage sind die Parteien allerdings immer noch weit voneinander entfernt.

Ukrainegespräche in Genf enden ohne Einigung, aber »mit Fortschritten«

Zwei Stunden haben Vertreter der Ukraine und Russlands verhandelt, konkrete Ergebnisse gab es nach den Gesprächen in der Schweiz nicht. Unter Vermittlung der USA hatten beide Parteien seit Dienstag über Möglichkeiten zur Beendigung des russischen Angriffskriegs gesprochen.

Von einer Einigung sind sie allerdings weiter entfernt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Verhandlungen als »schwierig« und warf der Führung in Moskau eine Hinhaltetaktik vor. Er räumte aber zugleich Fortschritte ein. »Wir sehen, dass ‌Fortschritte erzielt wurden, aber im Moment liegen die Positionen auseinander«, teilte Selenskyj Reportern kurz nach Abschluss der Runde in einer WhatsApp-Nachricht mit.

Beide Seiten hätten sich zwar auf »fast alle Punkte« eines Mechanismus zur Überwachung eines Waffenstillstands unter Beteiligung der USA geeinigt, erklärte Selenskyj. Doch in der zentralen Streitfrage um die von Russland geforderten Gebiete im Osten der Ukraine sei keine Einigung erlangt worden.

Der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski bezeichnete die Gespräche als »schwierig, aber sachlich« und kündigte neue Verhandlungen »in naher Zukunft« an.

»Sensible Frage«

Auch die Zukunft des derzeit von russischen Streitkräften besetzten ukrainischen Atomkraftwerks in Saporischschja sei eine ungelöste »sensible Frage«, erklärte der ukrainische Präsident. Moskau fordert als Voraussetzung für ein Ende der Kämpfe eine vollständige Abtretung der Industrieregion Donbass im Osten der Ukraine durch Kyjiw, auch von Gebieten, die noch gar nicht von Russland erobert wurden. Die Ukraine lehnt dies jedoch ab.

Umjerow sieht Fortschritte

Der ukrainische Chef-Unterhändler Rustem Umjerow sprach von »Fortschritten« bei den Verhandlungen. Details könnten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben werden; »wir konzentrieren uns darauf, die wichtigsten Bestimmungen auszuarbeiten.« Dies sei jedoch eine »komplexe Aufgabe, die die Abstimmung aller Parteien und ausreichend Zeit erfordert«.

In einem nächsten Schritt solle ein Konsens erreicht werden, um »die ausgearbeitete Entscheidung den Präsidenten zur Prüfung vorzulegen«. Vonseiten der Ukraine bleibe das Ziel unverändert ein »gerechter und nachhaltiger Frieden«.

Die USA wurden vom Sondergesandten Steve Witkoff sowie dem Präsidentenberater Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, vertreten. Auch Sicherheitsberater europäischer Länder, darunter Deutschlands, waren in der Schweiz vor Ort und stimmten sich am Rande der Verhandlungen mit den Delegationen der Ukraine und der USA ab.

Nach Abschluss der offiziellen Verhandlungen in Genf haben Vertreter beider Kriegsparteien noch einmal direkt miteinander gesprochen, das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Er habe sich vor dem Abflug noch einmal hinter verschlossenen Türen mit der ukrainischen Delegation getroffen, bestätigte der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski. Zum Inhalt der Gespräche machte er keine Angaben.

Laut dem russischen Politologen Sergej Markow dauerte dieses »seltsame zusätzliche Treffen« eineinhalb Stunden – und damit fast so lange wie der knapp zweistündige offizielle Teil zuvor, den die USA als Vermittler begleitet hatten. An dem Gespräch nahm unter anderem der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow teil.

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In der Nacht zwischen den Verhandlungstagen überzog die russische Armee die Ukraine erneut mit Luftangriffen. 126 Drohnen und eine ballistische Rakete seien auf die Ukraine abgefeuert worden, erklärte die ukrainische Luftwaffe am Mittwoch. Am Dienstag habe Russland 29 Raketen und 396 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert. Nach ukrainischen Angaben zielten die Attacken auf Einrichtungen der Energieinfrastruktur.

naw/AFP/Reuters