Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist auf dem Weg zu US-Präsident Donald Trump, um über ein Ende des russischen Angriffskriegs zu sprechen. Die beiden Staatschefs wollen über einen Friedensplan reden. Derweil versucht Russlands Machthaber Wladimir Putin, ein Signal der militärischen Stärke in die Vereinigten Staaten zu senden.
Putin präsentierte sich am Samstagabend in einer militärischen Uniform und ließ sich von seinem Generalstab über angebliche neue Eroberungen in der Ukraine informieren. Dabei behauptete er, die Ukraine habe keine Eile, den Konflikt friedlich zu lösen. Dann drohte er: »Wenn Kyjiw sich weigert, die Angelegenheit friedlich zu beenden, wird Russland alle Probleme mit Gewalt lösen.«
Russland fordert, dass die Ukraine dem Land in einer Friedenslösung die Gebiete Donezk und Luhansk überlässt. Andernfalls könne Russland sich den Donbass auch militärisch einverleiben, sagte Putin. Und Außenminister Sergej Lawrow richtete eine Drohung an Europa: Sollten EU-Länder Truppen in die Ukraine entsenden, werde Russland diese als legitime Ziele betrachten.
Ein Mann verlässt ein Haus, das nach einem russischen Angriff auf Kyjiw zerstört wurde
Foto: Evgeniy Maloletka / AP / dpaZweifel an russischen Erfolgsmeldungen
Der russische Generalstab behauptet, das Militär habe die ukrainische Stadt Myrnohrad im Gebiet Donezk eingenommen. Nach der Eroberung von Siwersk im Norden des Gebiets Donezk sei nun der Weg frei auf die Großstadt Slowjansk, sagte Generalstabschef Walerij Gerassimow. Er behauptete, dass die russischen Truppen an der gesamten Frontlinie auf dem Vormarsch seien.
Russland behauptet außerdem, auch die Stadt Huljaipole im Gebiet Saporischschja eingenommen zu haben. In einer Erklärung des ukrainischen Generalstabs auf Facebook am späten Samstagabend heißt es jedoch, die Berichte des Kreml seien falsch. Die Lage in Huljaipole wie auch in Myrnohrad sei schwierig, man verteidige die Städte aber weiter. Die feindlichen Einheiten könnten ihre Pläne nicht in die Tat umsetzen.
Nicht nur ukrainische Experten, sondern auch moskautreue Militärblogger hatten zuletzt immer wieder erklärt, dass das russische Verteidigungsministerium von den unter Erfolgsdruck stehenden Kommandierenden vor Ort über angebliche Erfolge informiert werde, die es so nicht gebe. Unabhängig überprüfbar sind die Angaben von der Frontlinie kaum.
US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen im vergangenen Oktober
Foto: Jonathan Ernst / REUTERSSelenskyj trifft Trump
Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion. Der ukrainische Präsident Selenskyj wirft Putin angesichts der massiven russischen Angriffe auf die Ukraine mit Drohnen und Raketen vor, kein Interesse an einem Frieden zu haben.
Selenskyjs Treffen mit US-Präsident Trump in dessen Residenz in Mar-a-Lago in Florida wurde derweil auf 13 Uhr Ortszeit (19 Uhr MEZ) angesetzt, zwei Stunden früher als bislang angekündigt. Nach dem Treffen will Selenskyj das Gespräch mit weiteren westlichen Verbündeten der Ukraine fortsetzen. »Wir brauchen sowohl an der Front als auch in der Diplomatie eine starke Position, damit Putin nicht manipulieren und ein echtes und gerechtes Ende des Krieges verhindern kann«, schreibt der ukrainische Präsident bei Telegram .
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