Während Russland die Ukraine erneut mit Raketen und Hunderten Drohnen angegriffen hat, deutet Wolodymyr Selenskyj Fortschritte in den Friedensverhandlungen an. Nach den Gesprächen mit US-Gesandten in Miami sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten mehrere Dokumenten-Entwürfe für ein Ende des Kriegs mit Russland ausgearbeitet worden.
Die ukrainische Seite habe produktiv mit den US-Vertretern zusammengearbeitet, schreibt Selenskyj auf der Onlineplattform X. Die Entwürfe umfassten demnach insbesondere Sicherheitsgarantien für die Ukraine, für den Wiederaufbau sowie für einen grundlegenden Rahmen zur Beendigung des Kriegs. US-Vertreter hatten am Wochenende in Miami in getrennten Gesprächen mit Gesandten der Ukraine und Russlands über Wege für eine Beendigung des seit fast vier Jahren andauernden Kriegs beraten.
In der Vergangenheit hatte es wiederholt Unklarheiten hinsichtlich möglicher Sicherheitsgarantien gegeben. Die USA haben es abgelehnt, Friedenstruppen in die Ukraine zu schicken, zuletzt war von einer »multinationalen Truppe« die Rede, die möglicherweise auch die Bundeswehr umfassen könnte. Die USA erklärten sich allerdings bereit, sich an der Überwachung eines Waffenstillstands und der militärischen Entflechtung zu beteiligen. Lesen Sie hier mehr darüber.
Derweil hat Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung und Logistik verstärkt. Bei einem Großangriff aus der Luft seien mindestens drei Menschen getötet worden, darunter ein vierjähriges Kind, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit.
Russland attackiert Energieversorgung in der Ukraine
Russland habe mit mehr als 30 Raketen und 650 Drohnen angegriffen. »Dieser russische Angriff sendet ein äußerst klares Signal über Russlands Prioritäten. Der Angriff erfolgte praktisch inmitten von Verhandlungen zur Beendigung dieses Kriegs«, schreibt Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram.
Mindestens 13 ukrainische Regionen seien betroffen gewesen. Vor allem die Energieversorgung der Ukraine wurde erneut attackiert. Landesweit kam es zu Notabschaltungen der Stromversorgung. Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko zufolge wurden Energieanlagen im Westen am stärksten getroffen.
Das russische Militär bestätigte die Angriffe. Man habe Energie- und Militäranlagen mit Kinschal-Überschallraketen angegriffen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Zudem hätten demnach russische Bodentruppen zwei Ortschaften eingenommen: die Siedlung Prilipka in der ukrainischen Region Charkiw sowie Andrijwka in der Region Dnipropetrowsk.
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Selenskyj kritisierte den Zeitpunkt der Attacken. »Ein Angriff vor Weihnachten, wenn die Menschen einfach nur bei ihren Familien sein wollen, zu Hause und in Sicherheit.« Zuvor hatte der ukrainische Präsident gewarnt, Russland könne seine Angriffe über die Feiertage verstärken. Polen, das als Nato-Mitglied an die Westukraine grenzt, ließ erneut Kampfflugzeuge zum Schutz des eigenen Luftraums aufsteigen. Auch Jets von Nato-Verbündeten seien dazu im Einsatz gewesen.
