SpOn 09.01.2026
08:45 Uhr

Ukraine-Krieg: Russland setzt nach eigenen Angaben Oreschnik-Mittelstreckenrakete erneut ein


Der Kreml will erneut die Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine eingesetzt haben – erst zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn. Der Schlag gilt als Vergeltung für den angeblichen Angriff auf Putins Residenz.

Ukraine-Krieg: Russland setzt nach eigenen Angaben Oreschnik-Mittelstreckenrakete erneut ein

Russland hat nach eigenen Angaben bei einem Angriff auf die Westukraine die Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. »Die russischen Streitkräfte haben einen massiven Schlag mit boden- und seebasierten Hochpräzisionswaffen großer Reichweite gegen kritische Objekte auf dem Gebiet der Ukraine geführt, darunter auch mit dem Mittelstreckenkomplex Oreschnik und Drohnen«, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Es soll sich erst um den zweiten Einsatz der Waffe seit Kriegsbeginn handeln.

Der Einsatz sei eine Vergeltung für die angebliche Attacke auf die Residenz von Kremlchef Wladimir Putin im nordrussischen Waldai kurz vor dem Jahreswechsel, so das Ministerium. Der Kreml hatte damals von einem versuchten Terroranschlag gesprochen. Auch US-Präsident Donald Trump hatte – von Putin per Telefon informiert – einen solchen Schlag kritisiert. Die Ukraine hat ihrerseits bestritten, dass sie überhaupt einen Angriff auf die Residenz gestartet hat. Experten bezweifeln die Glaubwürdigkeit der von Russland vorgelegten Informationen. Später sagte auch Trump, er glaube nicht, dass der Angriff stattgefunden habe. Moskau hat auch in der Vergangenheit stets das Recht für sich beansprucht, Angriffe gegen eigene Objekte mit schweren Attacken auf die Ukraine zu beantworten.

Der angebliche Oreschnik-Angriff wäre bereits der zweite Einsatz einer Rakete dieses Typs gegen die Ukraine. Der erste erfolgte im November 2024 auf die Großstadt Dnipro im Südosten des Landes. Damals begründete Putin den Einsatz als Vergeltung für die Nutzung weitreichender westlicher Raketen durch Kyjiw gegen Militärobjekte im russischen Hinterland.

Moskau droht mit weiteren Angriffen

Beim ersten Einsatz war die Oreschnik ohne Gefechtssprengköpfe. Die Schäden entstanden allein durch die hohe Geschwindigkeit der Rakete selbst. Die Oreschnik befand sich damals noch in der Testphase. Russland preist sie als neueste Waffenentwicklung (warum die militärische Bedeutung der Oreschnik jedoch wohl überschaubar ist, lesen Sie hier ), sie kann sowohl herkömmliche als auch atomare Sprengköpfe tragen.

»Es wurden Objekte zur Produktion von Drohnen getroffen, die bei der terroristischen Attacke (auf die Präsidentenresidenz) eingesetzt wurden, und Energieinfrastruktur, die die Arbeit des Rüstungskomplexes der Ukraine ermöglicht«, hieß es vom russischen Verteidigungsministerium zu dem Angriff. Moskau werde auch künftig auf Terrorangriffe antworten, drohte das Militär weitere mögliche Schläge mit der Oreschnik an.

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Russland beschießt seit Kriegsbeginn systematisch Anlagen der Energieversorgung des Nachbarlands. Die Infrastruktur der Ukraine ist inzwischen so geschwächt, dass die Bevölkerung oft viele Stunden am Tag in Dunkelheit und Kälte ausharren muss. Die Situation wird durch den aktuellen Temperatursturz in vielen Regionen der Ukraine noch verschärft.

Ukrainischer Außenminister spricht von »Test für die transatlantische Gemeinschaft«

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach mit Blick auf den Oreschnik-Angriff von einem Test für Kyjiws westliche Verbündete. »Ein solcher Angriff in der Nähe der EU‑ und Nato-Grenze stellt eine ernste Bedrohung für die Sicherheit auf dem europäischen Kontinent dar und ist ein Test für die transatlantische Gemeinschaft. Wir fordern entschlossene Reaktionen auf das rücksichtslose Vorgehen Russlands«, schrieb er in Onlinediensten . Die USA, europäische Partner sowie internationale Organisationen werden über diplomatische Kanäle über die Details des Angriffs informiert, fügte Sybiha hinzu.

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»Es ist absurd, dass Russland versucht, diesen Angriff mit dem falschen ›Angriff auf Putins Residenz‹ zu rechtfertigen, der nie stattgefunden hat. Ein weiterer Beweis dafür, dass Moskau keine realen Gründe für seinen Terror und seinen Krieg benötigt«, schrieb der Außenminister weiter.

col/dpa