SpOn 24.02.2026
09:33 Uhr

Ukraine-Krieg: Mindestens fünf Verletzte bei russischem Drohnenangriff auf Saporischschja


Der ukrainische Abwehrkampf gegen Russland geht ins fünfte Jahr. Wie gefährlich das Leben in Frontnähe weiterhin ist, zeigt eine Drohnenattacke aus der Nacht. EU-Kommissionschefin von der Leyen versichert das Land vor Ort ihrer Solidarität.

Ukraine-Krieg: Mindestens fünf Verletzte bei russischem Drohnenangriff auf Saporischschja

Für Chronisten und Militäranalysten markiert der vierte Jahrestag der russischen Vollinvasion einen weiteren historischen Fixpunkt, für die Menschen in der Ukraine geht das Grauen indes weiter: Wie die Behörden des Landes mitteilten, wurden bei Drohnenangriffen auf die südostukrainische Stadt Saporischschja fünf Menschen verletzt.

Die ukrainische Katastrophenschutzbehörde (DSNS) schrieb am Dienstag von Angriffen auf »zahlreiche Einrichtungen« in der Stadt, unter den Verletzten sei ein Kind.

An einem der Einschlagsorte sei eine Drohne in eine an ein neunstöckiges Wohngebäude angrenzende Fabrik eingeschlagen. Der dadurch ausgelöste Brand habe sich über 200 Quadratmeter ausgebreitet. Ein weiterer Angriff traf demnach unbebautes Gebiet in der Nähe von Wohnhäusern und beschädigte fünf Gebäude und mehrere Autos, die in einem Innenhof geparkt waren.

Saporischschja liegt unweit der südlichen Front im Ukrainekrieg, die russische Armee greift die Stadt nahezu täglich mit Drohnen oder Raketen an. Am Montag waren laut Behörden in Saporischschja und der Schwarzmeerhafenstadt Odessa drei Menschen bei russischen Angriffen getötet worden.

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Der von Russland am 24. Februar 2022 gestartete Angriffskrieg ist der größte militärische Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Laut Schätzungen des Center for Strategic and International Studies (CSIS) sind seit Beginn der russischen Invasion:

  • aufseiten Russlands bis zu 325.000 Soldaten getötet worden, mit Verletzten und Vermissten könnte die Zahl bei bis zu 1,2 Millionen liegen;

  • aufseiten der Ukraine bis zu 140.000 Soldaten getötet worden, mit Verletzten und Vermissten könnte die Zahl bei bis zu 600.000 liegen.

Hinzu kommen Zehntausende durch den Konflikt getötete und verletzte Zivilisten in der Ukraine. Nach vier Jahren Krieg hält die russische Armee rund 20 Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt.

Selenskyj: »Putin hat seine Ziele nicht erreicht«

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte zum vierten Jahrestag des Krieges die Widerstandskraft seines Landes. »Wenn wir uns an den Beginn der Invasion erinnern und auf die heutige Situation blicken, können wir mit Fug und Recht sagen: Wir haben unsere Unabhängigkeit verteidigt, wir haben unsere Staatlichkeit nicht verloren«, sagte das Staatsoberhaupt in einer Videobotschaft.

Die Ukraine existiere nicht nur auf der Karte, sagte Selenskyj. »Putin hat seine Ziele nicht erreicht. Er hat die Ukrainer nicht gebrochen. Er hat diesen Krieg nicht gewonnen.«

Schwere Folgen auch fürs Klima

Laut einer Analyse der Initiative zur Treibhausgasbilanzierung von Kriegen (IGGAW) schadet der Krieg auch dem Klima massiv. Seit Februar 2022 sind demnach 311 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente ausgestoßen worden – das sind halb so viele klimaschädliche Treibhausgase, wie Deutschland jährlich freisetzt.

Ein gutes Drittel (37 Prozent) der Gase kam demnach durch den Krieg selbst in die Atmosphäre, etwa durch die enormen Mengen an Kerosin, Öl und Diesel, die Jets, Schiffe und Panzer verbrennen. Ein weiterer wichtiger Faktor sind vom Krieg entfachte Wald- und Buschbrände, die für ein knappes Viertel der Emissionen verantwortlich sind. Sie wüteten mehrheitlich an oder nahe der Frontlinien oder in Grenzgebieten.

Ranghoher Auslandsbesuch zum Jahrestag

Anlässlich des vierten Jahrestags reisten erneut ranghohe Politiker aus der EU nach Kyjiw, um der Ukraine ihre Solidarität auszudrücken. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und mehrere Staats- und Regierungschefs nordeuropäischer Länder und der baltischen Staaten trafen am Morgen per Zug in Kyjiw ein.

Sie sei in Kyjiw, um »unseren anhaltenden Einsatz für den gerechten Kampf der Ukraine zu unterstreichen«, erklärte von der Leyen auf X. Sie wolle »dem ukrainischen Volk wie dem Aggressor« eine »deutliche Botschaft« senden: »Wir werden nicht nachgeben, bis der Frieden wiederhergestellt ist. Frieden zu den Bedingungen der Ukraine.«

Zerstörungen an einem Wohnhaus in der Region Saporischschja (Foto vom 20. Februar)

Zerstörungen an einem Wohnhaus in der Region Saporischschja (Foto vom 20. Februar)

Foto: Andriy Andriyenko / Ukrainian 65 Mechanized brigade / AP / dpa

Es handelt sich bereits um von der Leyens zehnten Besuch in Kyjiw seit Kriegsbeginn. Die seit 2019 amtierende Kommissionschefin reist mit EU-Ratspräsident António Costa.

EU scheitert mit neuen Maßnahmen

Die EU-Spitzenvertreter werden an der zentralen Gedenkzeremonie in der ukrainischen Hauptstadt teilnehmen und auch Selenskyj treffen, wie die EU-Kommission mitteilte. Zudem ist ein Besuch einer Energieanlage geplant, die von russischen Angriffen beschädigt wurde.

Von der Leyen und die EU hatten ihre Unterstützung für die Ukraine eigentlich mit neuen Finanzhilfen und einem weiteren Sanktionspaket gegen Russland bekräftigen wollen. Allerdings hatte sich in der EU insbesondere Ungarn weiter gegen die notwendigen Beschlüsse gestellt . Alle Versuche, Ministerpräsident Viktor Orbán zu einem Umdenken zu bewegen, seien bislang erfolglos geblieben, hieß es.

fek/AFP/dpa