Kurz vor Beginn der zweitägigen Friedensgespräche am Dienstag in Genf ist der Ukraine ein historischer Vorstoß geglückt. In wenigen Tagen gelang dem angegriffenen Land die größte Rückeroberung seit 2023. Fast gleichzeitig wuchs aber auch der Druck durch US-Präsident Donald Trump. Während er die Ukraine zu raschen Zugeständnissen drängte, fordert Moskau die Abtretung weiterer Gebiete im Osten des Landes.
»Die Ukraine sollte besser schnell an den Tisch kommen«, sagte Trump an Bord der »Air Force One« zu Reportern. Er erwarte »große Gespräche«, die »sehr einfach« sein würden. Der US-Präsident drängt auf ein schnelles Ende des mittlerweile seit fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Wochenende beklagt, dass sein Land dem größten Druck ausgesetzt sei, Zugeständnisse zu machen. Zugleich lasse es Trump an Forderungen an Russland mangeln. Zentraler Streitpunkt sind Gebietsansprüche. Russland verlangt, dass die Ukraine die verbliebenen 20 Prozent der Region Donezk abtritt, die Moskau militärisch bislang nicht erobern konnte. Kyjiw lehnt dies kategorisch ab.
Trump: Ukraine better come to the table fast. We have big talks in Geneva — it should be very easy. We want them to come. pic.twitter.com/7uDz4NfD7a
— Tymofiy Mylovanov (@Mylovanov) February 17, 2026
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Kremlsprecher Dmitrij Peskow erklärte, es gehe um viele Themen, vor allem aber um territoriale Fragen. »Ich denke nicht, dass wir heute mit Neuigkeiten rechnen sollten«, sagte Peskow. Am Mittwoch sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.
Auch der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow dämpfte Hoffnungen auf Fortschritte. Man arbeite konstruktiv, aber »ohne übermäßige Erwartungen«, schrieb er auf der Plattform X. Im Fokus stünden Sicherheitsfragen und humanitäre Angelegenheiten. Die russische Delegation wird von Wladimir Medinski geleitet, einem Berater von Präsident Wladimir Putin. Ukrainische Vertreter hatten Medinski in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen, in den Verhandlungen historische Vorträge als Rechtfertigung für die Invasion zu halten.
Trumps Leute wollen parallel noch mit Iran verhandeln
Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner vertreten die Trump-Regierung in Genf in einer diplomatischen Doppelrolle. In einem seltenen Versuch, zwei globale Krisen gleichzeitig zu bewältigen, nahmen sie am Vormittag zunächst an indirekten Atomgesprächen mit Iran teil, bevor sie zu den Verhandlungen zwischen Kyjiw und Moskau wechselten. Zuvor hatten bereits zwei Gesprächsrunden in Abu Dhabi stattgefunden, die zwar als konstruktiv bezeichnet wurden, aber keinen Durchbruch brachten.
Überschattet wurde der Auftakt in Genf von schweren russischen Luftangriffen auf Ziele in der Ukraine in der Nacht zum Dienstag. In der südukrainischen Hafenstadt Odessa fiel nach Angaben von Präsident Selenskyj infolge der Attacken auf das Energienetz für Zehntausende Menschen Heizung und Wasser aus.
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Die Gespräche finden kurz vor dem vierten Jahrestag des russischen Einmarsches am 24. Februar statt. Russland hält derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Neben Gebietsfragen sind auch die Kontrolle über das Atomkraftwerk Saporischschja und eine mögliche Rolle westlicher Truppen in der Nachkriegs-Ukraine strittig.
