In Abu Dhabi sollen heute Vertreter aus Kyjiw und Moskau wieder über Wege zum Frieden sprechen. Beide Seiten und die USA als Vermittler bestätigten ein Treffen in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate.
Die Gespräche sollen trotz schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine in den vergangenen Nächten stattfinden. Die ukrainische Regierung warf dem Kreml vor, eine von den USA vermittelte begrenzte Feuerpause missachtet zu haben. Damit sei ein neuer Verhandlungsansatz nötig geworden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Kremlchef Wladimir Putin wegen der Luftangriffe vor, weiter auf Krieg und die Zerstörung der Ukraine zu setzen, nicht auf Diplomatie. »Die Arbeit unseres Verhandlungsteams wird entsprechend angepasst«, kündigte er an, ohne Details zu nennen.
Following today's Russian strike, I held a coordination call to discuss the situation in the regions, particularly the energy sector.
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) February 3, 2026
It was a deliberate attack against energy infrastructure, involving a record number of ballistic missiles. In fact, the Russian army exploited… pic.twitter.com/s1uXUJUutm
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Mitte Januar hatte es erste Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA gegeben. Sie sprechen über Möglichkeiten, um die seit fast vier Jahren andauernde russische Großoffensive zu beenden. Zentrale Konfliktpunkte sind Sicherheitsgarantien für die Ukraine und mögliche Gebietsabtretungen an Russland. Ein Termin am vergangenen Sonntag wurde kurzfristig verschoben.
In der Nacht auf Dienstag, einer der kältesten des Winters, gab es eine weitere Welle schwerer Luftangriffe auf Kyjiw, Charkiw und andere ukrainische Städte. Erneut saßen Millionen Menschen bei Temperaturen um minus 20 Grad ohne Strom und Heizung da. Die Reparaturarbeiten an dem seit Monaten beschädigten Netz wurden zurückgeworfen.
Selenskyj warf Moskau vor, damit gegen die von Trump erwirkte Teilwaffenruhe verstoßen zu haben. »Es war ein Vorschlag der USA: während der diplomatischen Verhandlungen und bei solch kaltem Winterwetter die Angriffe auf die Energieversorgung einzustellen. Es war eine persönliche Bitte des Präsidenten der Vereinigten Staaten«, sagte Selenskyj abends in seiner Videobotschaft. Russland habe auf diese Bitte mit einer Rekordzahl eingesetzter Raketen reagiert.
Trump sieht in Attacken keinen Verstoß gegen Absprachen
Der ukrainische Präsident verlangte eine Reaktion aus Washington. Trotzdem will die Ukraine die Gespräche nicht absagen, weil sie für künftige Sicherheitsgarantien auf Trumps Wohlwollen angewiesen ist. Moskau wiederum stellte die Angriffe als Reaktion auf ukrainische Attacken auf zivile Ziele in Russland dar.
Trump machte am Dienstag klar, dass er in den russischen Luftangriffen keinen Verstoß gegen seine Absprache mit Putin sieht. Der Kremlchef habe sein Wort gehalten und eine Woche lang auf Angriffe verzichtet, sagte Trump. Am 29. Januar hatte der US-Präsident verkündet, Putin habe seiner Bitte um eine begrenzte Waffenruhe von einer Woche zugestimmt – ohne dabei auszuführen, ab wann dieser Verzicht gelten solle.
Angeführt wird die ukrainische Delegation in Abu Dhabi erneut vom Sekretär des Sicherheitsrates, Rustem Umjerow. Auch die russische Delegation bleibt nach Angaben aus dem Kreml unverändert. Für Moskau nahmen im Januar der Leiter des Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, und andere Generäle teil.
Die weitgehend vor der Öffentlichkeit abgeschirmten Gespräche sollen bis Donnerstag dauern. Dabei wird kein Durchbruch erwartet. Zwischen den Militärvertretern beider Kriegsparteien könnte es aber unter anderem um einen weiteren Austausch von Gefangenen gehen.
Das Weiße Haus bestätigte, dass der US-Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an dem Treffen teilnehmen werden. Trump versuche, »das Unmögliche möglich zu machen« und den Krieg zu beenden, sagte seine Sprecherin Karoline Leavitt.
Tote in der Ukraine, Schäden in Russland
Am Abend vor den Verhandlungen tötete ein weiterer russischer Drohnenangriff auf die südukrainische Stadt Saporischschja nach örtlichen Angaben mindestens zwei Zivilisten. Gebietsgouverneur Iwan Fedorow sprach von einem 18-jährigen Mann und einer gleichaltrigen Frau. Außerdem seien acht Menschen verletzt worden.
Auf russischer Seite verursachte ukrainischer Raketenbeschuss laut Medienberichten einen Stromausfall in der grenznahen Großstadt Belgorod. Demnach wurden zwei Umspannwerke getroffen. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow sprach auf Telegram von Schäden an der Infrastruktur. Die Ukraine verteidigt sich gegen eine russische Invasion und beschießt dabei auch Ziele im Land des Angreifers.
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In der Drei-Millionen-Stadt Kyjiw verschärfte der neuerliche russische Angriff die Lage für die Bevölkerung noch einmal. Das Deutsche Rote Kreuz sieht dort zunehmend lebensbedrohliche Zustände. »Bei zweistelligen Minusgraden müssen viele Menschen seit Tagen ohne Heizung und Strom ums Überleben kämpfen«, sagte der Leiter der internationalen Zusammenarbeit des DRK, Christof Johnen, der »Augsburger Allgemeinen«.
»Die Kälte kann besonders für verletzliche Bevölkerungsgruppen wie kranke, ältere oder obdachlose Menschen sogar lebensgefährlich werden«, warnte Johnen. Die Gefahr verschiedener Krankheiten wachse durch die Überlastung des Immunsystems. Das DRK verstärke seine Hilfslieferungen.
Am Dienstag besuchte Nato-Generalsekretär Mark Rutte Kyjiw und bekam von Ministerpräsident Denys Schmyhal ein durch Angriffe zerstörtes Heizkraftwerk gezeigt. Es versorgt sonst etwa 1100 Wohnblocks. »Kein militärisches Ziel. Die Angriffe sollen nur die Menschen leiden lassen«, schrieb Rutte im Netzwerk X.
During my visit to Kyiv today I saw a civilian heating plant targeted by Russian missiles.
— Mark Rutte (@SecGenNATO) February 3, 2026
No military value whatsoever - attacks meant only to make people suffer.
But Ukraine stands strong. And NATO stands with you. pic.twitter.com/XWoX11xfEv
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Neben dem Gesprächsstrang zwischen den USA und Russland bereitet auch Europa nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Wiederaufnahme direkter Gespräche mit Moskau vor. Der französische Staatschef betonte zwar, dass die jüngsten russischen Angriffe auf die Ukraine keine wahre Bereitschaft erkennen ließen, über Frieden zu verhandeln. Doch man bereite den Dialog für den Tag danach vor. »In diesem Rahmen ist es tatsächlich wichtig, dass die Europäer ihre eigenen Gesprächskanäle wiederherstellen«, sagte Macron. »Das wird aus technischer Sicht vorbereitet.«
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