SpOn 25.11.2025
22:45 Uhr

Ukraine-Krieg: Donald Trumps Berater soll Russen gebrieft haben, wie sie Friedensplan vorschlagen können


Welchen Einfluss hat der Kreml auf den US-Friedensplan für die Ukraine genommen? Offenbar spielte der US-Sondergesandte Steve Witkoff eine maßgebliche Rolle. Er soll laut einem Medienbericht vorab in Moskau angerufen haben.

Ukraine-Krieg: Donald Trumps Berater soll Russen gebrieft haben, wie sie Friedensplan vorschlagen können

Die Ukraine und die USA sind sich in den Verhandlungen in den wichtigsten Fragen angeblich einig. US-Präsident Donald Trump meint, der Friedensplan im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sei auf der Zielgeraden. Seinen Sondergesandten Steve Witkoff schickt er nun nach Moskau zum russischen Machthaber Wladimir Putin, um »einige strittige Punkte« zu klären. Derweil sorgt ein Bericht von Bloomberg  für Aufsehen, der ein neues Licht auf Witkoffs Rolle in den Verhandlungen und den Friedensplan als solchen wirft.

Vor wenigen Tagen hatten die USA einen 28-Punkte-Plan für Frieden im Ukrainekrieg vorgelegt. Der ursprüngliche Plan verlangte so große Zugeständnisse der Ukraine, dass er den Verdacht nahelegte, Russland habe darauf großen Einfluss ausgeübt. Insbesondere die Europäer waren erzürnt . Der Bericht von Bloomberg legt nun nahe, dass der Plan in Zusammenarbeit der USA und Russland entstanden sein könnte. Der US-Sondergesandte Witkoff soll russische Regierungsmitarbeiter demnach gebrieft haben.

Laut Bloomberg telefonierte Witkoff am 14. Oktober mit Jurij Uschakow, Putins oberstem außenpolitischen Berater. Der Nachrichtenagentur liegt nach eigenen Angaben die Aufnahme des Gesprächs vor. Dabei habe Witkoff Bezug genommen auf das Friedensabkommen für den Gazastreifen. Er habe Uschakow vorgeschlagen, gemeinsam an einem ähnlichen Plan für die Ukraine zu arbeiten. Russlands Machthaber Putin solle das gegenüber Trump zur Sprache bringen.

Putin-Berater Jurij Uschakow

Putin-Berater Jurij Uschakow

Foto: Maxim Shemetov / Reuters / AP / dpa

Bericht: Witkoff empfahl Putin, schnell mit Trump zu reden

Witkoff empfahl Uschakow laut Bloomberg, dass Putin noch vor einem damals geplanten Treffen zwischen Trump und Selenskyj mit dem US-Präsidenten reden sollte. »Selenskyj kommt am Freitag ins Weiße Haus«, sagte Witkoff demnach. »Ich werde daran teilnehmen, weil sie mich dort haben wollen, aber ich denke, wenn möglich, sollten wir vor diesem Treffen am Freitag mit Ihrem Chef telefonieren.« Uschakow fragte Witkoff dem Bericht zufolge, ob es »sinnvoll« wäre, wenn Putin Trump anrufen würde. Witkoff soll das bejaht haben.

Witkoff empfahl laut Bloomberg, Putin solle Trump zum Friedensabkommen für Gaza gratulieren. »Ich finde, Folgendes wäre großartig«, sagte Witkoff demnach. »Vielleicht sagt er zu Präsident Trump: ›Wissen Sie, Steve und Jurij haben einen sehr ähnlichen 20-Punkte-Plan für den Frieden diskutiert, und das könnte etwas sein, von dem wir glauben, dass es die Situation ein wenig verändern könnte. Wir sind offen für solche Dinge‹«. Uschakow soll in dem Gespräch einige Ratschläge befürwortet haben.

Wenige Tage später telefonierten Trump und Putin tatsächlich. Trump sprach daraufhin von einem »sehr produktiven« Gespräch, Putin habe ihm zum Gazaabkommen gratuliert. Trump soll den ukrainischen Präsidenten Selenskyj bei dessen Besuch schließlich dazu gedrängt haben, die russischen Bedingungen für ein Ende des Krieges in der Ukraine zu akzeptieren.

Wladimir Putin und Donald Trump bei ihrem Treffen in Alaska im August

Wladimir Putin und Donald Trump bei ihrem Treffen in Alaska im August

Foto: Andrew Caballero-Reynolds / AFP

Welchen Einfluss gewährte »Steve« den Russen?

Bloomberg liegt nach eigenen Angaben zudem die Aufnahme eines Telefonats zwischen Uschakow und Kirill Dmitrijew vor, einem weiteren hochrangigen Kremlberater. In dem Gespräch sollen die beiden sich darüber unterhalten haben, wie stark Moskau seine Forderungen in einem Friedensvorschlag durchsetzen sollte. Uschakow habe dafür plädiert, »das Maximum« zu fordern. Dmitrijew sagte offenbar, er sei zuversichtlich, dass die USA, selbst wenn sie die russische Version nicht vollständig übernehmen würden, zumindest etwas sehr Ähnliches tun würden. Uschakow sagte dem Bericht zufolge, man könne das Papier später auch mit »Steve« besprechen.

Inwiefern der 28-Punkte-Plan, den die USA als ihre Entwicklung reklamieren, letztendlich tatsächlich durch Russland beeinflusst wurde, ist unklar. Zuletzt häuften sich aber die Hinweise auf russische Einflussnahme.

Am Samstag hatten zwei US-Senatoren unter Berufung auf ein Telefonat mit US-Außenminister Marco Rubio berichtet, dass der Washington zugeschriebene Plan nicht von den Vereinigten Staaten ausgearbeitet worden sei. Mike Rounds (Republikaner) zufolge hatte eine nicht namentlich genannte Person den Plan dem US-Sondergesandten Witkoff vorgelegt. Die Person sei als Repräsentant Russlands zu betrachten. »Es handelt sich nicht um unsere Empfehlung, es ist nicht unser Friedensplan«, erklärte er unter Berufung auf Rubio. Der Plan wirke eher, als »sei er von Anfang an auf Russisch geschrieben worden«, so Rounds.

Kurze Zeit später hatte ihnen der Minister aber widersprochen und betont, dass die USA Urheber des Plans seien. Dieser diene »als solider Rahmen für die laufenden Verhandlungen«. Er sei von den USA erstellt worden und basiere auf »Anregungen der russischen Seite, aber auch auf früheren und aktuellen Beiträgen der Ukraine«, schrieb Rubio.

Der britische »Guardian« analysierte nach eigenen Angaben die Sprache des sogenannten Friedensplans – und meint, dass einige Sätze des 28-Punkte-Papiers in russischer Sprache geschrieben worden seien könnten: »An mehreren Stellen würde die Sprache auf Russisch funktionieren, wirkt jedoch auf Englisch seltsam«, schreibt der »Guardian« .

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Wer auch immer den ursprünglichen Plan verfasst hat, es war ein Anstoß für die aktuellen Verhandlungen. Die Ukraine hat den wichtigsten Punkten des Friedensplans Angaben beider Regierungen zufolge zugestimmt. »Unsere Delegationen haben eine Übereinkunft über die wichtigsten Bestimmungen des in Genf ausgehandelten Abkommens erzielt«, schrieb der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Rustem Umjerow, bei Facebook. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj soll demnach noch im November zu einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump reisen.

Laut Trump sind nur noch wenige Punkte strittig. In der Hoffnung, dass der Plan finalisiert werden kann, wies er US-Vertreter an, sich jeweils zeitgleich mit Russland und der Ukraine zu treffen, wie er auf der Plattform Truth Social ankündigte. Einen Zeitpunkt nannte er nicht.

Mit seinem Ukraineplan hat Donald Trump die Europäer vor den Kopf gestoßen. Die konterten mit einem eilig entworfenen Gegenvorschlag. Wer sich durchsetzen konnte und wie es jetzt weitergeht, lesen Sie hier. 

ptz