Nach bald vier Jahren Krieg in der Ukraine sorgen die Fortschritte bei den Friedensgesprächen offenbar für verhaltenen Optimismus beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er schließt gegenwärtig ein Ende des Krieges in der ersten Jahreshälfte 2026 nicht aus. »Wir stellen fest, dass die Verhandlungen mit unseren europäischen Partnern und natürlich mit den USA und allen Mitgliedern der Koalition der Willigen einen neuen Meilenstein erreicht haben«, sagte Selenskyj bei einem Besuch in Zypern.
Ein Wohnhaus in Odessa nach den russischen Luftschlägen
Foto: Artur Shvits / Anadolu Agency / IMAGOIn der Hauptstadt Nikosia war die EU-Spitze zu Beginn der sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft Zyperns versammelt. »Wir sind uns bewusst, dass dieser Krieg noch während Ihrer Präsidentschaft beendet werden kann«, sagte Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax Ukraina zufolge bei der Zeremonie.
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Gleichzeitig sagte der Präsident, dass Moskau durch Sanktionen weiter unter Druck gesetzt werden müsse, um einem Ende seines Angriffskriegs zuzustimmen. »Jeden Dollar, den Russland verliert, verliert es als Aggressor.« Tags zuvor hatte ein Gipfeltreffen von Unterstützerländern in Paris der Ukraine Sicherheitsgarantien bei einem Waffenstillstand zugesagt. Ebenso wurden die Pläne konkreter, wie ein Frieden in der Ukraine militärisch abgesichert werden kann.
Europas Militärpläne für Kyjiw
Frankreich, Großbritannien und einige andere Länder sind bereit, Truppen in die Ukraine zu entsenden. Andere Staaten wie Deutschland sind zu einem Militäreinsatz für die Ukraine von außen bereit. Die mögliche Präsenz ausländischer Truppen ist aber für Moskau bislang ein Grund, alle Friedensvorschläge abzulehnen. Mehr zu den deutschen Plänen zur Friedenssicherung lesen Sie hier .
Die Worte Selenskyjs wurden zugleich in der Nacht durch einen russischen Luftangriff auf Häfen bei Odessa konterkariert. Nach ukrainischen Behördenangaben sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Die russische Armee habe Drohnen und Raketen eingesetzt, teilte der Gouverneur des Gebietes Odessa, Oleh Kiper, auf Telegram mit. Es gebe außerdem acht Verletzte.
Es habe Schäden an der Infrastruktur der Häfen Piwdennyj und Tschornomorsk gegeben. Kiper veröffentlichte Fotos mit zerstörten Containern und beschädigten Lkw. In Odessa selbst waren nach Medienberichten Explosionen zu hören.
Stete Angriffe auf Odessa, Stromausfälle im Osten
Über die Häfen am Schwarzen Meer laufen die wichtigen Exporte der Ukraine an Getreide und anderen Agrarprodukten. Russland beschießt die Hafenanlagen, aber auch die Stadt Odessa selbst immer wieder. Ukrainische Kräfte haben in den vergangenen Wochen russische Tanker im Schwarzen Meer attackiert.
Auch andere Großstädte im Süden wurden am Abend von Russland aus der Luft angegriffen. Durch die jüngsten russischen Angriffe wurden die ukrainischen Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja von der Stromversorgung abgeschnitten worden. Russland habe eine »gewaltigen Drohnenangriff auf die Energieinfrastruktur mehrerer Regionen« ausgeführt, erklärte der staatliche Netzbetreiber Ukrenergo in der Nacht zum Donnerstag. In der Folge seien Verbraucher in den Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja, darunter regionale Zentren, ohne Strom.
Der Chef der Militärverwaltung von Dnipropetrowsk, Wladyslaw Gaiwanenko, teilte mit, dass bei dem Angriff kritische Infrastruktur der Region beschädigt worden sei. »Die Situation ist schwierig«. Jedoch würden die Reparaturarbeiten beginnen, »sobald die Sicherheitslage es erlaubt«, erklärte er im Onlinedienst Telegram.
In der Region Saporischschja wurde die Stromversorgung von »wichtigen Einrichtungen« nach Angaben des Gouverneurs Iwan Fedorow wiederhergestellt, aber die meisten Verbraucher blieben weiterhin ohne Strom. »Wir arbeiten rund um die Uhr, um den Strom für alle Verbraucher so schnell wie möglich wiederherzustellen«, erklärte er und fügte hinzu, dass die Wasserversorgung bereits größtenteils wieder hergestellt worden sei.
