So dunkel ist es in Kyjiw – und dazu bitterkalt: -15 Grad Celsius. Am vergangenen Freitag hat Russland gezielt die zivile Infrastruktur der ukrainischen Hauptstadt mit Raketen und Drohnen angegriffen. Die Stromversorgung ist zu einem großen Teil lahmgelegt. Mit weitreichenden Folgen, denn auch die Heizungen vieler Wohnungen hängen am Stromnetz, so wie die von SPIEGEL-Mitarbeiter Fedir Petrov.
Fedir Petrov, SPIEGEL:
»Bei mir persönlich bin ich heute zum Beispiel bei neun Grad in meinem Zimmer aufgewacht. Bei sehr, sehr vielen ist das der Fall. Und dann sitzt man halt in den Wohnungen, in den Büros, wo es ganz kalt ist. Heizen kann man nicht wirklich mit kleineren elektrischen Heizkörpern. Man zieht sich warm an und zieht durch.«
Etwas aufwärmen können sich die Menschen in Kyjiw in Zelten wie diesem: Rund 1200 der sogenannten »Punkte der Unbeugsamkeit« gibt es in der Stadt – den Strom für Heizung, Powerbanks und Handyakkus liefern hier Generatoren. In den Wohnungen ist Elektrizität derzeit Mangelware: Oft fließt der Strom für nur etwa drei Stunden und fällt dann für zehn Stunden aus.
Fedir Petrov, SPIEGEL:
»Eine besondere Gefahr in dieser Temperatur ist, dass die Heizungssysteme der Häuser ohne Wärme einfach einfrieren. Und dann platzen Heizungskörper. Und das ist auch in vielen Häusern in meinem Bezirk, in vielen anderen Bezirken der Fall. Und in solchen ganz schlimmen Fällen bleiben dann die Bewohner für mindestens ein paar Tage ganz ohne Heizung, potenziell dann noch länger.«
Hunderttausende Haushalte der Drei-Millionen-Metropole sind betroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht vom bisher folgenschwersten russischen Angriff auf die Infrastruktur der Stadt. Bürgermeister Wladimir Klitschko hatte die Einwohner aufgefordert, Kyjiw, wenn möglich, zu verlassen. Noch immer seien 400 Wohnblocks unbeheizt. Kyjiw durchlebt harte Winterwochen. Trotz allem ist die Hilfsbereitschaft der Menschen weiterhin groß.
Fedir Petrov, SPIEGEL:
»Es ist auch sehr schön zu beobachten, die Solidarität in der Stadt. Unternehmen, das sind Cafés, aber dann auch zum Beispiel Poststationen, Fitnessstudios, einfache Büros und Coworkings haben ihre Türen offen gemacht für alle, die eben diesen Zugang zum Strom, zum Generator und zur Wärme brauchen. Und es herrscht eben diese ganz schöne Solidarität in der Stadt, in dieser schwierigen Zeit.«