SpOn 07.03.2026
05:39 Uhr

Ukraine: Ungarn behält Geld und Gold trotz Freilassung von Bankmitarbeitern


Ungarn hat die festgenommenen ukrainischen Bankmitarbeiter wieder freigelassen. Die Behörden begründen die vorübergehende Maßnahme mit Verdacht auf Geldwäsche, die Ukraine spricht von einer Vergeltungsmaßnahme.

Ukraine: Ungarn behält Geld und Gold trotz Freilassung von Bankmitarbeitern

Nach der vorübergehenden Festnahme mehrerer Ukrainer durch ungarische Behörden vor dem Hintergrund eines Streits um eine Ölpipeline hat Ungarn die festgenommenen Bankmitarbeiter wieder freigelassen – das bei der Festnahme beschlagnahmte Bargeld und Gold jedoch einbehalten. Ungarn habe die Wertsachen noch nicht zurückgegeben, erklärte der Chef der ukrainischen Zentralbank, Andryj Pyschnyj, am Freitag auf Facebook.

Die Situation sei »unfassbar«, fügte der Zentralbankchef hinzu und betonte, Kyjiw arbeite daran, die Ladung »so schnell wie möglich« zurückzuerhalten. Nach Angaben der Bank ging es um Euro- und Dollarscheine mit einem Gesamtwert von umgerechnet rund 69 Millionen Euro sowie neun Goldbarren von je einem Kilo.

Ungarn hatte am Donnerstag die sieben Mitarbeiter der staatlichen ukrainischen Oschadbank festgenommen, als diese Bargeld aus Österreich in die Ukraine transportierten. Am Freitag wurden sie wieder freigelassen und konnten in ihre Heimat zurückkehren.

Ungarn sieht Geldwäscheverdacht, die Ukraine spricht von Vergeltungsmaßnahme

Budapest gibt an, sie im Rahmen von Ermittlungen wegen Geldwäscheverdachts festgenommen zu haben. Der ukrainische Außenminister erklärte hingegen ​in der Nacht zum Freitag, die sieben Mitarbeiter der staatlichen Oschadbank seien von der Regierung in Budapest »als Geiseln genommen« worden – als Vergeltungsmaßnahme für die verzögerte Wiederinbetriebnahme der Druschba-Pipeline, die russisches Öl durch die Ukraine nach Budapest leitet.

Die Beziehungen zwischen Budapest und Kyjiw sind seit Langem angespannt – der rechtsnationalistische ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán unterhält enge Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.

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Zuletzt verschärften sich die Spannungen, nachdem die Druschba-Pipeline nach ukrainischen Angaben im Januar bei einem russischen Angriff beschädigt und deshalb vorübergehend stillgelegt worden war. Ungarn und die Slowakei, die ebenfalls russisches Öl durch die Pipeline erhalten, werfen Kyjiw vor, Reparaturen an der Leitung zu verzögern.

Mit Verweis auf die fehlenden Druschba-Öllieferungen blockiert Orbán derzeit sowohl ein EU-Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro als auch ein neues Sanktionspaket gegen Russland.

jon/AFP