In Kyjiw sind offenbar mehr als eine Million Verbraucher ohne Strom. Auch seien mehr als 4000 Hochhäuser in der Dreimillionenstadt ohne Heizung, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Das sei eine Folge der schweren russischen Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt.
Er forderte den Energieversorger Ukrenerho, die Regierung, regionale Behörden und Stadtverwaltungen – dabei explizit die der Hauptstadt – auf, jede Stunde an der Energieversorgung zu arbeiten.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert seit knapp vier Jahren an. Moskaus Streitkräfte attackieren immer wieder gezielt die Energie- und Wärmeversorgung des Landes. Viele Menschen sind ohne Heizung oder ohne Strom. Zuletzt kämpfte insbesondere die Kyjiwer Bevölkerung gegen die Kälte .
Neuorganisation der Drohnenabwehr
In seiner Videoansprache kritisierte Selenskyj erneut die Flugabwehr. Die Arbeit der Luftstreitkräfte gegen die Kampfdrohnen der ursprünglich iranischen Bauart Schahed sei unbefriedigend, sagte er. Die Arbeit der Luftstreitkräfte müsse umorganisiert werden. Darüber sei mit Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow gesprochen worden, führte er aus und kündigte Konsequenzen an.
Bereits am Dienstag hatte Selenskyj die Neuorganisation der Flugabwehr angekündigt und den erfolgreichen Kommandeur einer Drohneneinheit, Pawlo Jelisarow, zum Vizekommandeur der Luftwaffe gemacht.
Viele Menschen fliehen aus Kyjiw. Rund jeder sechste Bewohner folgte dem Aufruf von Bürgermeister Vitali Klitschko zur vorübergehenden Evakuierung: 600.000 der 3,6 Millionen Einwohner hätten die Stadt seit dem 9. Januar verlassen, sagte Klitschko der Nachrichtenagentur AFP. »Nicht jeder hat die Möglichkeit, die Stadt zu verlassen, aber momentan schrumpft die Bevölkerung«, sagte Klitschko.
Indes gingen auch die Kämpfe im Osten der Ukraine weiter: Ein 48-jähriger Mann, eine 43-jährige Frau und ihr 57 Jahre alter Nachbar wurden nach Angaben von Gouverneur Iwan Fedorow bei einem russischen Angriff auf Saporischschja im Südosten der Ukraine getötet. Außerdem seien infolge der Attacke 1500 Menschen ohne Strom.
Auch russische Behörden meldeten Opfer. In der Region Belgorod kam laut Gebietsgouverneur Wjatscheslaw Gladkow ein Mitarbeiter des Sicherheitschefs im Kreis Graiworon bei einem Drohnenangriff ums Leben. Von zwei weiteren Toten infolge eines Drohnenangriffs schrieb der Gouverneur des Gebiets Brjansk, Alexander Bogomas, bei Telegram.
Die Ukraine greift als Teil ihres Verteidigungskriegs auch Ziele in Russland an. Die Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden sind deutlich niedriger als die verheerenden Folgen auf ukrainischem Gebiet.
Wie die Menschen in der ukrainischen Hauptstadt gegen die eisige Kälte kämpfen, erfahren Sie hier .
